Der Champagner floss in Strömen

Würmtal - Gräfelfings Kultkneipe feiert Auferstehung. Für einen Abend wird es das „Ting“ wieder geben.

Das „Ting“. Oder genauer: der „Ting Club“. Er war das Wohnzimmer des Würmtals. Dort ließen es die Würmtaler krachen. In den 70er und 80er Jahren. Jeden Abend. In dem hübschen Haus an der Gräfelfinger Bahnhofstraße floss der Champagner in rauen Mengen. Der edle französische Schaumwein wurde dort in einem Umfang konsumiert, dass er direkt von Veuve Clicquot bezogen werden konnte. Eine Dame der Herstellerfirma schaute sogar vorbei, um den Laden zu inspizieren. Und konnte es kaum glauben. Der Wirt war Student der Kommunikationswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität in München: Dino Wolff. Seine Gäste waren ebenso alt wie er damals und kamen wie er aus dem Würmtal.

Heute ist Dino Wolff 66. Die rund 100 Gäste seiner „Revival-Party“ am heutigen Freitag, 20. März, im „Alten Wirt“ in Krailling werden ebenfalls 60 bis 70 Jahre alt sein. „Mir ist eingefallen, dass ich vor 30 Jahren zugemacht habe“, sagt er. Und so lässt er das „Ting“ noch einmal auferstehen.

Vom 1. April 1972 bis zum 31. März 1985 war er der Wirt der Dauerparty. Seit 1972 wohnte er auch über dem Lokal. Er war das „Ting“. „Die 70er Jahre waren eine irre Zeit“, sagt er. Das „Ting“ war eine Kneipe. Es wurde nicht serviert. Die Getränke musste sich jeder selbst holen. „Den Champagner habe ich sehr billig gemacht“, erinnert er sich. Für 39 Mark die Flasche. „Sonst hat man 50 bis 60 Mark bezahlt“, sagt Wolff. Warum so günstig? „Ich trinke gerne Champagner und habe oft ein Glas bekommen.“ Eines ist ihm sehr wichtig: „Es war kein Schickimicki-Laden“. Doch die ein oder andere Champagnerparty endete mit einem Frühstück im Morgengrauen auf der Verkehrsinsel vor dem Lokal - die Gäste trugen Smoking.

Auch der Bierpreis sei niedrig gewesen, verteidigt sich der ehemalige Wirt. Wolff zieht einen Vergleich: Im Bierzelt seien alle gleich, dass sei auch im „Ting“ so gewesen. Aber wenn sich Leute blöd benahmen, habe er sie rausgeschmissen. „Ich habe dann eine Klingel hingemacht und es Club genannt“, erklärt er. Daher also „Ting Club“.

Aber warum „Ting“? Sein Vorgänger wollte das Lokal nach der Versammlungsstätte der Germanen benennen: Thing. Aber bei Löwenbräu hatte man das falsch verstanden, dachte, es handle sich um ein asiatisches Lokal und ließ Schilder mit „Ting“ drucken. „Schilder waren teuer und so blieb es dann so.“

Im Sommer hatte Wolff im Garten einen Grill aufgestellt. Für eine Mark gab es von ihm einen Teller, Besteck und Gewürze. Das Essen brachten die Leute selbst mit. „Wir durften nicht kochen und hatten auch keine vernünftige Küche“, sagt Wolff. „Der Grill war ein Magnet.“

Dino Wolff begann derweil eine Karriere bei der Abendzeitung und später bei PR- und Werbeagenturen. Als er 1981 seine erste Agentur gründete, stellte er fest, dass es schwierig war, zwei Läden zu führen. So übernahmen 1985 andere Pächter das „Ting“ bis 1998. Dann stand das Gebäude leer. 2002 sei es abgerissen worden. Nun steht an der Stelle an der Bahnhofstraße 106 ein „Tengelmann“.

Mitfeiern

Am heutigen Freitag feiert das „Ting“ ab 18 Uhr im „Alten Wirt“ in Krailling sein Revival - für einen Abend. Wer möchte, ist eingeladen mitzufeiern.

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