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Das Christkind aus Zimmer 5: Barbara Schmid von der Gemeindestiftung Gräfelfing und ihr Wunschbaum im Rathaus-Foyer.

Wunschbaum der Gemeindestiftung Gräfelfing

Das Christkind wohnt in Zimmer 5

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Ein Wunschbaum im Gräfelfinger Rathaus sorgt dafür, dass es in diesem Jahr auch für die Ärmsten im reichen Würmtal ein Weihnachten mit Geschenken gibt.

Gräfelfing - Die Weihnachtsgeschichte, das weiß doch jeder, steht bei Lukas, Kapitel 2: „Es begab sich aber zu der Zeit...“ Nun, zumindest ist das die erste Weihnachtsgeschichte, der Ursprung. Denn ihr folgten über die Jahrhunderte unzählige wahre Geschichten, in denen Himmel und Erde nicht mehr ganz so weit auseinander lagen wie sonst. Eine besonders schöne spielte im Advent 2016 in Gräfelfing. Und machte alle Beteiligten glücklich.

Am Anfang stand ein wunderschönes Tannenbäumchen. Geschmückt nur mit der frischen Pracht seiner dichten Nadeln, zog es im Foyer des Gräfelfinger Rathauses Ende November die Blicke auf sich: hier grau-kalter Beton der 68er-Zeit, dort grüne, lebendige Verheißung einer Zeit voll menschlicher Wärme. Es war, so viel sei schon verraten, kein Tannenbäumchen wie jedes andere, auch kein Weihnachtsbaum wie so viele in dieser Zeit: Es war ein wahrer Wunschbaum, der nicht nur Geschenke vermittelte, sondern Sehnsüchte stillte, Träume erfüllte, Freude verströmte, Menschen zusammenbrachte – es für viele Weihnachten werden ließ.

Denn bald tauchten an den Zweigen des Wunschbaums sauber getippte, laminierte Zettel auf; goldene Zettel, auf denen materielle Wünsche standen, wie: „Ich wünsche mir Winterstiefel in Größe 39“, oder „einen Fußsack für den Kinderwagen“, „einen Gutschein für die Therme Erding für zwei Kinder und die Mutti“. Und es gab rote Zettel, deren Währung Zeit und Hinwendung waren: „Ich wünsche mir jemanden, der mir vorliest“, „jemanden, der mit mir spazieren geht“, „der mich anruft“.

Und die Wünsche wurden erhört: Bald kamen Menschen ins Rathaus, die sich einen, zwei oder sogar fünf Wünsche vom Baum pflückten, um sie zu erfüllen – oft anonym.

Hinter der Aktion steht die Gemeindestiftung Gräfelfing, und der Wunschbaum war die Idee ihrer Mitarbeiterin Barbara Schmid. Über Wochen nahm sie Wünsche auf Papier, per Mail oder Telefon entgegen und brachte sie am Baum an. Und sie informierte die Spender über den Empfänger, stellte Kontakt her und organisierte die Übergabe. Eine von positivem Stress, von hektischer Freude erfüllte Zeit, in der Besucher sich in Zimmer 5 des Rathauses, in dem Barbara Schmid sitzt, die Klinke in die Hand gaben.

Daneben notierte Barbara Schmid in Form eines kleinen Tagebuchs das Geschehen, das Aufeinandertreffen von Wunsch und Erfüllung, ergänzt mit kleinen Bemerkungen zur Gefühlslage.

So wurde die Sachbearbeiterin zur Autorin der Gräfelfinger Weihnachtsgeschichte, die an Heiligabend acht eng beschriebene Seiten füllte und mit knapp 50 erfüllten Wünschen noch nicht zu Ende ist: Denn Wünsche werden noch bis zum 5. Januar entgegengenommen.

Das Tagebuch lässt dem Leser die Augen übergehen, wenn Schmid von der alten Dame schreibt, die 30 Euro zum Leben hat – pro Monat. Und zwei Katzen. Ihr größter Wunsch: ein großer Sack Katzenfutter. Schmid: „Jetzt kommen mir bald die Tränen. Lieber Gott. Eigentlich brauchen wir einen Wunschbaum für das ganze Jahr.“ Der Wunsch hing nur eine Stunde am Baum, dann war er erfüllt.

Ein syrischer Bub bekam ein Skateboard, ein Mann seine Bahnfahrkarte zu lange nicht besuchten Verwandten in Hagen/Westfalen, andere eine Teflon-Pfanne, den gebrauchten Fernseher, ein abgelegtes Handy, einen Dresdner Christstollen, eine alleinerziehende Mutter den Teppich, den ihr dreijähriger, allergiekranker Sohn verträgt, viele Menschen aus dem Gunst-Haus Kleidung. Einige Empfänger materieller Geschenke spendeten anderen im Gegenzug Zeit. Manche Spender gingen gemeinsam mit den Empfängern auf Einkaufstour, wie die Musikliebhaberin, die dem Mädchen eine Gitarre schenkte; oft lag dann weit mehr im Wagen, als auf dem Wunschzettel je Platz gehabt hätte. Dazu gingen Geldspenden von Rotary und Privatpersonen ein.

Barbara Schmid wurde umarmt, weinte Freudentränen mit ihren Besuchern, erlebte Dankbarkeit und gab sie weiter. Sie schreibt: „Eine Dame hat geklopft und gefragt, ob hier das Christkind wohnt. Ich sagte: Das wohnt hier, hereinspaziert.“ Und sie verspricht, die Aktion im nächsten Jahr zu wiederholen. Denn sie weiß: „Schenken ist noch schöner als beschenkt werden.“

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