„Gewaltige Herausforderungen“: Thomas Schwab vom Landratsamt erläuterte das seniorenpolitische Gesamtkonzept des Landkreises Starnberg. Foto: JS

Demografischer Wandel

Kraillinger diskutieren: Pro und contra Seniorenbeirat

Krailling - In Kraillingg leben immer mehr Senioren. Strittig ist, wer dort künftig die Interessen der älteren Generation auf politischer Ebene vertreten soll.

Böse Zungen bezeichnen die Gemeinde Krailling als das Altenheim des Landkreises Starnberg. Das dürfte so bleiben: Nach einer demografischen Studie der Bertelsmann-Stiftung werden dort im Jahr 2030 mehr als 30 Prozent der Bevölkerung älter als 65 Jahre sein, davon rund 13 Prozent älter als 80; im Landkreis Starnberg soll der Anteil der sogenannten Hochaltrigen zum Vergleich mit 9,2 Prozent deutlich niedriger liegen. Die massive Veränderung der Altersstruktur innerhalb der Gesellschaft stelle alle Gemeinden vor gewaltige Herausforderungen, wie Thomas Schwab von der Fachstelle Senioren des Landratsamtes betont - sei es im Hinblick auf den Pflegebedarf, sei es im Hinblick auf die politische Repräsentation der älteren Generation. Auf Einladung der Senioreninitiative Krailling stellte er in der Kraillinger Brauerei Ergebnisse des seniorenpolitischen Gesamtkonzepts des Landkreises vor.

Um die Lebenssituation der Senioren und deren Bedürfnisse abzuklopfen, hatte der Landkreis eine groß angelegte Befragung durchgeführt. 4000 Fragebögen mit 42 Fragen waren verschickt worden. Die Resonanz war gut, die Rücklaufquote hoch. „Die Gemeinden haben allerdings ganz unterschiedliche Bedürfnisse“, konstatierte Schwab mit Blick auf die Ergebnisse. So vermissen etwa viele Kraillinger Senioren Bänke und Sitzgelegenheiten in ihrer Kommune. 82,8 Prozent der Befragten bezeichneten dies als Manko; im Landkreisschnitt sahen dies dagegen lediglich 29 Prozent als ein Problem in ihrer Gemeinde an.

Bei der Bürgerbefragung war immer wieder der Wunsch geäußert worden, in allen Gemeinden des Landkreises Seniorenbeiräte zu installieren. In fünf Kommunen gibt es sie bereits (Gauting, Gilching, Herrsching, Seefeld und Starnberg), neun haben Seniorenbeauftragte. „Manche machen sehr viel, andere arbeiten eher im Hintergrund“, sagte Schwab.

In Krailling ist die Form der gesellschaftlichen Teilhabe der älteren Generation umstritten. Der Gemeinderat hat die Einrichtung eines Seniorenbeirats im Oktober 2014 mit knapper Mehrheit abgelehnt. Zum Leidwesen von Waltraud Asam, Vorsitzende der Senioreninitiative Krailling. Eine bevölkerungsmäßig starke Gruppe brauche auch eine eigene Vertretung, meinte sie .„Es ist zuviel für einen Gemeinderat, wenn er auch noch Seniorenbeauftragter ist.“ Unter den beiden Kraillinger Seniorenbeauftragten, Eleonore Zwißler und Dietlind Freyer-Zacherl, gehen da die Meinungen auseinander. Zwißler ist überzeugt, dass Krailling keinen Seniorenbeirat benötigt, ältere Menschen würden bereits jetzt gut erreicht, etwa über den monatlichen Nachmittag im Bürgerhaus Hubertus. Freyer-Zacherl sieht dagegen Defizite. Viele Senioren seien nicht in das Gemeindeleben eingebunden und trauten sich auch nicht, zur Gemeinde zu gehen. „Kaum einer kommt zur Seniorensprechstunde.“ Mitglieder eines Seniorenbeirats hätten da bessere Möglichkeiten, sich unter die Bevölkerung zu mischen und Kontakte aufzubauen.

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