Eine Geschwindigkeitsmessanlage steht in der Gemeinde Neuried in der Planegger Straße nahe der Schule.
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Teilstationäre Geschwindigkeitsmessanlagen setzen die Verkehrsüberwacher derzeit in der Gemeinde Neuried ein – wie hier an der Planegger Straße nahe der Schule.

Blitzer-Report

Corona bremst Temposünder nicht

  • Victoria Strachwitz
    vonVictoria Strachwitz
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Bleiben während der Corona-Pandemie viel mehr Menschen zuhause? Ein Blick in die Bilanz der Verkehrsüberwacher weckt Zweifel. Die Zahl der Verstöße wegen Geschwindigkeitsübertretung gleicht der des Vorjahres.

  • Die Zahl der Temposünder im Würmtal hat durch Corona kaum abgenommen.
  • Spitzenreiter sind die Gemeinden Krailling und Neuried
  • Zweckverband für Verkehrsüberwachung kam ohne Kurzarbeit aus.

Monatelang waren kaum Autos auf den Straßen unterwegs. Wer glaubt, die vom Kommunalen Dienstleistungszentrum Oberland im Würmtal erfassten Tempoverstöße seien dadurch gravierend zurückgegangen, der irrt. Die Mitarbeiter des Verbandes, die für die Überwachung des fließenden und ruhenden Verkehrs im Würmtal zuständig sind, haben im ersten Halbjahr 2020 fast so viele Verkehrssünder überführt wie im ersten Halbjahr 2019. Registrierten sie im Vorjahr 7081 Raser, so waren es heuer immer noch 6561. In Kurzarbeit konnten die Mitarbeiter jedenfalls nicht gehen, allenfalls Urlaub und Überstunden abbauen.

Wie in der Vergangenheit gab es die meisten Geschwindigkeitsübertretungen in Krailling und Neuried. Zwölf Prozent der überwachten Autos waren in Krailling zu schnell, elf in Neuried. Zum Vergleich: In Gräfelfing waren es sieben Prozent, in Planegg sechs und in Gauting vier. Laut der Sprecherin des Verbandes, Dörte Römer, war während des Lockdowns nur geringfügig weniger Verkehr. Raser hätten aber ihre Chance auf eine freie Bahn genutzt. „Dadurch, dass etwas weniger los war, hatten wir zunächst etwas weniger Verstöße, aber dafür krassere.“ Wenn sich Verkehr staue, würden Raser ausgebremst. „Wenn es nicht vorangeht, fährt keiner zu schnell“, so Römer. Im Mai und Juni habe die Zahl der Verkehrssünder noch zugelegt, dadurch sei die Bilanz der ersten Halbjahre von 2019 und 2020 nun fast gleich.

Was den ruhenden Verkehr betrifft, so sind die Autofahrer im Würmtal in diesem Jahr aber disziplinierter gewesen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Anzahl der vom Zweckverband registrieren Verstöße ist um rund ein Drittel zurückgegangen. Waren es im ersten Halbjahr 2019 noch 3185, so waren es heuer lediglich 2129. Gräfelfing (2019: 1221 Verstöße; 2020: 859) und Planegg (2019: 1041 Verstöße; 2020: 859) liegen dabei immer noch an der Spitze. In Gauting schafften es heuer 311 Autofahrer nicht, nach den Regeln der Straßenverkehrsordnung zu parken, in Krailling 187 und in Neuried 167.

Was die Straßenverkehrsordnung (StVO) betrifft, gab es in diesem Jahr aber auch Irritationen. Der Verband verwarnte Verkehrssünder ab Ende April zunächst nach der StVO-Novelle und neuer Gesetzeslage, Ende Juli stellte sich dann heraus, dass die neue Bußgeldkatalogverordnung aufgrund eines Formfehlers wohl nichtig ist. Römer: „Es ist jetzt alles wieder zurückgedreht. Wir verwarnen alle nach dem alten Stand.“ Die bereits abgeschlossenen Verfahren wurden nicht noch einmal aufgerollt. „Aber alles, was noch laufend war, haben wir korrigiert.“ Wer seinen Strafzettel schon bezahlt hatte, der muss seinen Fall als erledigt betrachten.

„Für uns war es viel Arbeit, für manche Bürger war es sehr ärgerlich“, sagt Römer. An Kurzarbeit war daher beim Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland heuer nicht zu denken. Bundesverkehrsministerium und Verkehrsteilnehmer hielten die Verkehrsüberwacher auf Trab.

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