Thomas Sorgalla  Leiter der Polizeiinspektion Planegg
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„Wir vermuten, dass sich aufgrund der Pandemie vieles aus der Stadt zu uns verlagert hat“, sagt Thomas Sorgalla, Leiter der Polizeiinspektion Planegg

Polizeistatistik

Corona fördert die Kriminalität

  • Peter Seybold
    vonPeter Seybold
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Die Polizeiinspektion Planegg verzeichnet für 2020 einen Anstieg der Kriminalitätsdelikte um 16,5 Prozent. Das liegt wohl vor allem an der Corona-Ausnahmesituation.

Würmtal – Es wäre ein großer Zufall, an den Planeggs Polizei-Inspektionsleiter Thomas Sorgalla indes nicht glaubt: Just im Corona-Jahr 2020 schnellte im Würmtal die Zahl der Straftaten nach oben. Insgesamt 1444 Delikte meldet die Planegger Polizeiinspektion in ihrer jetzt veröffentlichten Jahresstatistik. Im Vorjahr waren es noch 1239 Delikte gewesen.

Rohheitsdelikte haben zugenommen

Besonders Sachbeschädigungen (339 Fälle statt 245), Diebstähle von Fahrrädern (148 Fälle statt 93) sowie Rohheitsdelikte wie Raub und Körperverletzung (209 Fälle statt 157) nahmen stark zu. Schwerer Diebstahl (192 Fälle statt 213), Erschleichungen von Leistungen (52 Fälle statt 71) sowie Diebstähle an oder aus einem Fahrzeug (21 Fälle statt 45) nahmen hingegen deutlich ab.

„Wo sich mehr Menschen aufhalten, nehmen auch die Straftaten zu“

„Wir vermuten, dass sich aufgrund der Pandemie vieles aus der Stadt zu uns verlagert hat. Es war ja lange Zeit fast nichts geöffnet. Die Leute, die sonst in der Stadt ausgegangen wären, sind stattdessen hier im Würmtal geblieben“, sagt Erster Polizeihauptkommissar und Dienststellenleiter Thomas Sorgalla. Und wo sich mehr Menschen aufhalten, nehmen auch die Straftaten zu.

So habe es zum Beispiel immer wieder umgetretene Verkehrszeichen oder abgetretene Auto-Spiegel gegeben. Auch häusliche Gewalt, insbesondere während der beiden Lockdowns, habe zunehmend eine Rolle gespielt. Nach wie vor ein Problem seien Trickbetrüger, die sich etwa als falsche Polizisten ausgeben. „Es gibt immer noch Leute, die diesen Geld zahlen“, berichtet Sorgalla. Die Diebstähle von Fahrrädern haben wohl auch deshalb zugenommen, da mehr Leute ihr Fahrrad benutzt haben, um trotz Corona aus dem Haus zu kommen und Sport zu treiben.

Gräfelfing mit den meisten Delikten

Die meisten Delikte verzeichnete die Würmtaler Polizei in Gräfelfing, wo es im vergangenen Jahr 474 statt 396 Straftaten im Jahr 2019 gab. In Planegg nahmen die Fälle von 400 auf 453 zu, in Krailling von 128 auf 202, in Stockdorf von 74 auf 116. Einzig in der Gemeinde Neuried gingen die Delikte von 241 auf 199 zurück. Warum dies so ist, kann die Planegger Inspektion nur schwer einsätzen. „Es gab aber zum Beispiel in Neuried keinen Fall von falschen Beamten wie in den anderen Gemeinden“, berichtet Sorgalla.

Aufklärungsquote gesunken

Die Aufklärungsquote aller Straftaten sank im Vergleich zum Vorjahr leicht von 52,6 auf 51,9 Prozent. Vergleichsweise viele Fälle wurden in Stockdorf aufgeklärt (59,5 %), besonders wenige in Krailling (50,2 %).

Präventionsarbeit komplett eingestellt

„Insgesamt ist es sehr schwierig, das letzte Jahr zu bewerten, das natürlich ein absolutes Ausnahmejahr war. Das wird auch 2021 so sein. Natürlich kann man mit einem Anstieg von 16,5 Prozent nicht zufrieden sein“, sagt Sorgalla.Der Inspektionsleiter ist aber guter Dinge, dass die Zahlen nach Corona wieder zurückgehen. „Durch die Pandemie-Bekämpfung hat es auch eine ziemliche Verlagerung von Kapazitäten gegeben. Wir konnten weniger kontrollieren, unsere Präventionsarbeit mussten wir wegen den Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung komplett einstellen“, sagt Sorgalla. Sobald die Maßnahmen wieder hochgefahren werden, sollte auch dies einen positiven Effekt haben.

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