Die Bereitschaft, Maske zu tragen und Abstände einzuhalten, lässt nach. Das stellt nicht nur die Planegger Gemeindeverwaltung vor Probleme. Sie hat jetzt auf ihrer Website einen Aufruf gestartet. Titel: „Aber bitte mit Maske.“
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Maskenpflicht herrscht seit Ende April unter anderem im Einzelhandel und im Öffentlichen Personennahverkehr.

Gemeinde appelliert

Corona in Bayern: Immer mehr Kunden ohne Maske - „Seit es richtig warm geworden ist, ...“

Die Bereitschaft, aufgrund des Coronavirus Maske zu tragen und Abstände einzuhalten, lässt nach. Das stellt viele öffentliche Einrichtungen vor Probleme.

  • Die Zahl der Corona-Infektionen in Bayern steigt wieder.
  • Dennoch sind immer weniger Bürger bereit, Masken zu tragen.
  • Vor allem öffentliche Einrichtungen und Geschäfte stellt das vor Probleme.

Würmtal – Seit Ende April herrscht wegen des Coronavirus Maskenpflicht im Öffentlichen Personennahverkehr und im Einzelhandel. Wer ein öffentliches Gebäude aufsucht, ist ebenfalls angehalten, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Diese dient, sofern es sich nicht um spezielle Filterpartikelmasken handelt (FFP2 und FFP3), vor allem dazu, das Risiko, andere Menschen anzustecken, zu reduzieren.

Das Planegger Rathaus war mitsamt seinen Außenstellen aufgrund der Corona-Pandemie von Ende März an für den Publikumsverkehr geschlossen. Besucher wurden in der Gemeindeverwaltung nur mit vorheriger Terminvereinbarung empfangen. Seit Anfang Juli wird dies zwar noch empfohlen, ist aber nicht mehr notwendig. Dass Maske Pflicht ist, scheint so mancher schnell vergessen zu haben. In jüngster Zeit kämen vermehrt Bürger ohne Mund-Nasen-Bedeckung, heißt es aus dem Rathaus. Die Mitarbeiter forderten sie dann freundlich auf, eine Maske zu tragen, doch sei dies „ein wahrer Stimmungskiller in Gesprächen“. Die Verwaltung appelliert an die Bürger, Umsicht walten zu lassen und Rücksicht zu nehmen: „Die Vorsichtsmaßnahme hilft und schützt uns alle.“

Maskenpflicht während Corona-Pandemie: Ermüdungserscheinungen bei den Kunden

Stefan Ertl, seit Juni Marktleiter des Martinsrieder AEZ stellt ebenfalls Ermüdungserscheinungen bei seinen Kunden fest. „Dass Masken nicht mehr getragen werden, kommt in letzter Zeit häufiger vor“, sagt er. Absicht mag er den Kunden nicht unterstellen. „Zu 99 Prozent ist es wirklich so, dass sie die Maske vergessen haben. Die typischen Verweigerer haben wir hier nicht. Die Leute werden nur unvorsichtiger.“

Dabei sind die Hinweise auf die geltenden Regeln kaum zu übersehen oder zu überhören: Hinweisplakate im Eingangsbereich, Schilder an den Bedientheken und alle zehn Minuten die Durchsage, bitte 1,50 Meter Abstand einzuhalten. „Ich würde mir wünschen, dass die Leute vernünftig bleiben und es auch wieder werden“, sagt Ertl und erinnert daran, dass sich zu Beginn der Maskenpflicht jeder daran gehalten habe. „Vielleicht fehlen die schockierenden Bilder aus Italien, vielleicht ist es zu abstrakt, dass die Zahlen wieder steigen.“

Maskenpflicht in Bayern: Einige Kunden diskutieren - „Hartnäckige Uneinsichtigkeit“

Florian Rügemer von der Filiale der Buchhandlung Kohler in der Gräfelfinger Bahnhofstraße attestiert seinen Kunden, „zu 90 Prozent vorbildlich mit Maske“ das Geschäft zu betreten. Schätzungsweise acht Prozent vergäßen die Maske, „nicht böswillig“, wie Rügemer sagt. Und dann gebe es noch zwei Prozent, „mit denen man diskutieren muss über die Sinnhaftigkeit der Maske“. Im Mai und Juni sei das noch nicht notwendig gewesen. „Seit es richtig warm geworden ist, seit Mitte Juli, werden es mehr.“ Im schlimmsten Fall, bei hartnäckiger Uneinsichtigkeit, müsse er den Kunden bitten zu gehen. Doch das seien „absolute Ausnahmen“.

So etwas blieb Peter Sickinger senior, Geschäftsführer der gleichnamigen Gräfelfinger Bäckerei mit insgesamt sieben Filialen im Würmtal, bisher erspart geblieben. „Unsere Kunden sind sehr zivilisiert und achten auch selbst darauf, Abstand zu halten“, sagt er. „Es hat sich eine gewisse Normalität im Chaos eingestellt.“

Michael Süßbrich, stellvertretender Leiter der Planegger Polizeiinspektion, würde es so vermutlich nicht ausdrücken, aber auch er sagt: „Die Bürger halten sich an die Maskenpflicht. Wir haben so gut wie keine Verstöße in öffentlichen Verkehrsmitteln.“ In Geschäften werde nur nach ausdrücklichen Hinweisen kontrolliert, so Süßbrich.

Corona in Bayern: Zahl der Neuinfizierungen steigt wieder

Seit Mitte Juli steigt die Zahl der Corona-Neuinfizierungen deutschlandweit wieder. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Donnerstag 1445 neue Fälle und damit so viele wie seit Anfang Mai nicht mehr. Im täglichen Lagebericht des RKI heißt es: „Diese Entwicklung ist sehr beunruhigend. Eine weitere Verschärfung der Situation muss unbedingt vermieden werden. Das gelingt nur, wenn sich die gesamte Bevölkerung weiterhin engagiert, zum Beispiel, indem sie Abstands- und Hygieneregeln konsequent – auch im Freien – einhält, Innenräume lüftet und, wo geboten, eine Mund-Nasen-Bedeckung korrekt trägt.“

Eine deutsche Studie hat untersucht, wie sinnvoll die Maske ist.

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