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Wolfgang Schuldes und Claudia Schuldes-Hott aus Pentenried mit ihrem dreijährigen Sussex-Huhn. Das gefällt auch Hühnerfreundin Rosa (1,5), einer Tochter von Freunden. Die Schuldes haben zwei Hühner für selbst produzierte Eier. Vor Ostern sparen sie welche an.

Eigene Eier zu Ostern

Daheim bei den Hühnern: Wo das Würmtal noch laut gackert

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Früher hat es im Würmtal nur so gegackert. Heute sind Hühner rar. 75 Menschen lassen sich davon nicht beirren. Sie halten ihre eigenen Hühner. Und gerade zu Ostern wissen sie warum.

Würmtal Auf die Eier, fertig, los. Die sparsamen Tage sind vorbei. Jetzt ist Ostern, und Wolfgang Schuldes aus Pentenried darf genießen, was er in den letzten Wochen zusammengetragen hat. Mehr als zwei Eier täglich sind bei seinen zwei Hennen nicht zu holen. Und wenn es Ostern richtig viele Eier geben soll, muss seine Familie in der Zeit davor eben sparen. Sollten die Eier mal nicht reichen, kauft er auch welche dazu. Aber: „Ich schmeck’s raus“, sagt er. Auch am Dotter erkenne er genau, welches Ei aus seinem Stall kommt.

Statt Meerschweinchen oder Kaninchen: eigene Hühner

Wolfgang Schuldes liebt seine zwei Hühner. Das hat er seiner Frau Claudia Schuldes-Hott zu verdanken. „Ich habe sie mit in die Ehe gebracht“, sagt sie. Inzwischen empfiehlt Schuldes jeder jungen Familie statt Meerschweinchen oder Kaninchen, Hühner zu halten. „Es ist ein tolles Hobby“, schwärmt er. „Von einem Huhn hat man wirklich was.“

Auch in Pentenried ist die Freude groß, dass die Familie Schuldes Hühner hält. „Früher hatte jeder Hühner, der eine oder andere auch eine Kuh“, sagt Adolf Lorenz von der Siedlervereinigung Pentenried. „Und Wolfgang Schuldes kommt zurück nach Pentenried und macht’s wie früher“, freut er sich.

Alleine sind Schuldes mit ihrer Passion nicht. In den Gemeinden Planegg, Gräfelfing und Neuried gibt es aktuell insgesamt 25 Hobby-Hühnerhalter, die je fünf bis 15 Hühner haben.

In der Gemeinde Gauting sind es sogar 38 Hühnerhalter mit insgesamt 2901 Tieren. Davon sind rund 2000 bei Michele Tirabasso am Kellerhof in Buchendorf zu Hause. 16 Menschen machen es wie Schuldes, sie halten ein bis acht Hühner.

2000 Hühner nennt Rudolf Heidrich sein Eigen

In der Gemeinde Krailling gibt es insgesamt 2568 Hühner und zwölf Hühnerhalter, darunter der Landwirt Rudolf Heidrich aus Fronloh mit rund 2000 Hühnern. Neun Hobbyhühnerhalter erfreuen sich an ein bis sieben Tieren, darunter Schuldes. Für ihre zwei Hennen haben sie einen kleinen Stall und ein rund 15 Quadratmeter großes Außengehege. Dieses ist gut eingezäunt – nicht nur, um die Hühner zu schützen. „Die durchpflügen sonst alles.“ Indem sie auf einen Hahn verzichten, nehmen Schuldes Rücksicht auf die Nachbarn. „Gockel fangen in der Früh um vier das Krähen an.“ Eier legen die Hühner auch ohne diesen.

Die Tiere seien so pflegeleicht, schwärmt Wolfgang Schuldes. Sobald es dunkel werde, gingen sie alleine in ihren Stall. Um sie in der Früh rauszulassen, habe er einen elektronischen Türöffner. Neues Futter bräuchten sie nur alle zwei Tage. Es gäbe sogar Futterautomaten, aber davon macht Schuldes keinen Gebrauch. „Ich füttere sie immer persönlich.“ Schließlich liebt er seine Hühner – und die frisch gelegten Eier ebenso.

Eier besser ein paar Tage liegen lassen

Wie Landwirt Heidrich erklärt, seien gerade die ganz frischen Eier zu Ostern jedoch nicht zu gebrauchen: „Die müssen mindestens zehn Tage alt sein, sonst lassen die sich nicht schälen.“ Überhaupt entfalte sich der volle Geschmack erst vier bis fünf Tage nach dem Legetag. Schlecht werden sie nicht so schnell. Ein Ei habe eine Mindesthaltbarkeit von 28 Tagen. „In dem Moment, in dem ich die Eier koche, erneuert sich die Haltbarkeit wieder um 28 Tage.“ Eier für Ostern aufzusparen, wie Schuldes es machen, sei daher ganz leicht. Heidrich kann vor Ostern so viele Eier verkaufen, dass er selbst dazu kaufen muss. Vor dem einen oder anderen Osterfest sei ihm die Ware auch schon ausgegangen. Denn die Hühner lassen sich von Ostern nicht beeindrucken. „Das ist die Natur“, sagt er. Wenn es gut läuft, legt jedes Huhn pro Tag ein Ei – niemals mehr, manchmal weniger. Üblicherweise vermarkte er 14 000 Eier pro Woche, in der Karwoche seien es 20 000.

Nach Ostern kehrt wieder Ruhe ein

Nach Ostern ist es bei ihm auf dem Hof erstmal ruhiger – aber nur was den Verkauf betrifft. „Der Alltag geht weiter“, sagt er. Die Hühner wollen gefüttert werden und legen weiter. Rudolf Heidrich sagt: „Für eine Woche bricht die Nachfrage um 20 Prozent ein.“ Also macht er Nudeln. Zudem sei es an der Zeit, ein paar Hühner zu schlachten.

So ein Ende als Suppenhuhn kommt für Schuldes Tiere nicht in Frage. Zwar seien die zwei Hennen bereits drei Jahre, also zwei- bis dreimal so alt wie die von Heidrich, „aber die Kinder erlauben uns das Schlachten nicht“. Die Hennen dürfen lange leben. Beim Pecken zu Ostern verlieren deren Eier dafür gnadenlos gegen die von Heidrichs Tieren. „Je älter die Hühner, je größer die Eier, je dünner die Schale“, sagt Heidrich. So kann der Landwirt aus Frohnloh sich schon siegessicher aufs Osterfrühstück freuen.

Eier in Naturfarbe, nur eingefettet

Die Begeisterung Wolfgang Schuldes für sein Hobby wird es nicht schmälern, dass er beim Pecken den Kürzeren zieht. Seine Frau sagt: „Wir machen kein Eierpecken.“ So freut er sich einfach über größere Eier und schätzt deren vertrauten Geschmack, Farbe und Größe des Dotters. Und weil die eigenen Eier ohnehin unterschiedliche Farben haben, verschwendet Claudia Schuldes-Hoff auch keine Energie auf das künstliche Färben. Meist fettet sie die Eier einfach ein. Wenn sie färbt, dann mit Rote Beete. Und dann freuen sich die beiden auf Ostern.

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Die Bedeutung der Feiertage an Ostern.

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