Den Desinfektionsmittel-Spender testet Pflegedienstleiterin Danuta Ertl. Auf Wunsch von Angehörigen der Bewohner wurde er am Eingang des Altenheims installiert. F.: dr

"Das war eine Epidemie"

Würmtal - Zwei Altenheime im Würmtal waren vom Norovirus betroffen. Um die Epidemie schnell in Griff zu bekommen, wurden teils drastische Maßnahmen ergriffen.

Gottesdienste, Gedächtnistraining, Gymnastik, gemeinsames Stricken oder Malen - auf all dies mussten die Bewohner des Caritas-Altenheims Maria Eich in Krailling vorübergehend verzichten. Wegen des besonders ansteckenden Norovirus wurde jede Form der Geselligkeit unterbunden. „Für ein paar Tage haben wir alle sozialen Angebote abgesagt“, erklärt Pflegedienstleiterin Danuta Ertl.

Von den 160 Bewohnern waren laut Ertl viele von dem Magen-Darm-Virus betroffen. Nur zwei der sechs Stationen seien verschont geblieben. Die ehrenamtlichen Besuchs- und Hospizdienste wurden angewiesen, nicht ins Haus zu kommen. „Ich weiß, dass viele Helfer von Haus zu Haus wandern“, sagt Ertl. Ihr sei sehr daran gelegen gewesen, eine Ausbreitung in andere Heime im Würmtal zu verhindern. Jede Telefonnummer, die sie hatte, habe sie genutzt, um die Besuchszahlen zu dezimieren. Offenbar mit Erfolg: Das Caritas-Altenheim St. Gisela und das „Rudolf und Maria-Gunst-Haus“ in Gräfelfing sind laut eigenen Angaben bis dato verschont geblieben.

Das Evangelische Altenheim in Planegg war allerdings ebenfalls stark betroffen. Der dortige Leiter Ulrich Spies berichtet von „etlichen Bewohnern auf einigen Stationen“. Er habe dies dem Gesundheitsamt gemeldet. „Wir haben aber noch keine Rückmeldung“, sagt er. Dort hätte man derzeit viel zu tun. Dennoch: „Wir haben sofort mit dem Risikomanagement begonnen“, sagt Spies. Die in Krailling und in Planegg ergriffenen Maßnahmen hätten schnell gegriffen, sie sind Teil eines Hygieneplans mit Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts.

Danuta Ertl ging diesmal noch weiter. Auf Anregung von Angehörigen wurde dieser Hygieneplan im Haus ausgelegt. „Damit die Besucher und Angehörigen sehen, was wir machen“, so die Pflegedienstleiterin. Dadurch seien auch alle Besucher im Bilde gewesen, dass der Norovirus im Haus grassiert. Zudem sei den Besuchern Schutzkleidung zur Verfügung gestellt worden: Kittel, Schuhe, Maske und Mütze zur einmaligen Verwendung. In Planegg bekam das Personal Schutzkleidung. „Das kostet eine Menge Geld“, sagt Spies.

Ertl und Spies loben beide ihr Personal über alle Maße. Mit Hilfe von Zeitarbeit sei in Krailling das Personal kurzfristig sogar noch aufgestockt worden, denn zwischen den Stationen durften Pfleger nicht ausgetauscht werden. „Ich bin froh, dass wir den Norovirus dann schnell im Griff hatten“, sagt Ertl. „Das war eine Epidemie.“ Damit der Virus so schnell nicht wiederkehrt, steht im Altenheim Maria Eich künftig am Eingang ein Spender mit Desinfektionsmittel. Auch dies ein Wunsch von Angehörigen.

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