Hans Huber vor Auto
+
Mit seiner geliebten G-Klasse war Johann Huber jahrzehntelang in Gräfelfing und Umgebung unterwegs (Foto 2019); heute lässt er sich von seinem Neffen chauffieren. 

„Ich lebe und sterbe für Gräfelfing“

Der Huber Hans wird 100

  • Martin Schullerus
    vonMartin Schullerus
    schließen

Ein Jahrhundert Gräfelfing: Es gibt heute niemanden, der das besser personifiziert als Johann Huber. Am Sonntag wird der „Huber Hans“, wie er in Gräfelfing heißt, 100 Jahre alt. Und der Schalk sitzt ihm im Nacken wie eh und je.

Gräfelfing – „Ich lebe und sterbe für Gräfelfing“, diktierte Johann Huber einer Merkur-Redakteurin in den Block. Das war 2011, an seinem 90. Geburtstag. Der Jubilar mag einst Recht behalten. Doch vorerst lebt er – und das nicht schlecht.

Als Johann Huber am 28. Februar 1921 geboren wurde, hatte die Welt gerade den Schrecken des Krieges hinter sich – und den Schock einer Pandemie, die viele Millionen Menschen das Leben kostete: die Spanische Grippe. Hundert Jahre später erlebt Johann Huber wieder eine Pandemie, doch er ist gewappnet und guter Dinge: „Die erste Impfung hab ich schon, und nächste Woche bin ich mit der zweiten dran“, sagt er schmunzelnd.

Milli-Huber, Gmias-Huber und Kohlen-Huber

Johann Huber entstammt einer großen Gräfelfinger Familie – in doppeltem Sinn. Die drei Hauptzweige hießen in unnachahmlicher dörflicher Eloquenz „der Milli-Huber“, „der Gmias-Huber“ und „der Kohlen-Huber“; Letzterem entstammt auch der Huber Hans, der selbst zwei Töchter, zwei Enkelsöhne und einen Urenkel hat. Sein Großvater Josef Huber war 17 Jahre Bürgermeister am Ort, seine Nichte Sonja Mayer Gemeinderätin und 3. Bürgermeisterin. Und auch Johann Huber war dem Ehrenamt im Rathaus zugetan. Zwölf Jahre gehörte er dem Gemeinderat an, danach war er Berater des Bauausschusses und Feldgeschworener, weil man auf seine Kenntnis der Grundstücksverhältnisse nicht verzichten wollte.

Wenn Johann Huber seine Liebe zur Gemeinde Gräfelfing bekennt, meint er das umfassend: Sie beginnt bei den Menschen, die er kennt, versteht, enträtselt und achtet. Sie geht weiter über die Straßenzüge und Häuser, die Höfe und Grundstücke, die Johann Huber im Vorbeifahren inspiziert und jede Veränderung registriert. Früher machte er das am Steuer seiner geliebten Mercedes G-Klasse oder mit dem Fahrrad, heute lässt er sich von seinem Neffen Karl-Heinz Köhler chauffieren. Nach 82 Jahren unfallfreien Fahrens entschied der Huber Hans nämlich, den Führerschein ruhen zu lassen. Und seine Liebe zu Gräfelfing umfasst schließlich Wald und Flur, wo Johann Huber im Baron’schen Forst nicht nur jahrzehntelang jagte und nach dem Rechten sah, sondern auch eine wunderbare Holz-Kapelle bauen ließ.

Ein umsichtiger Mann, der genau zuhört

Viele Gaben bekam Johann Huber mit auf seinen langen Lebensweg, und sie ließen ihn bis heute nicht im Stich. Er ist ein umsichtiger Mann, der genau zuhört, in aller Stille seinen Informationsstand auf dem Laufenden hält, Chancen erkennt und sie nutzt. So entwickelte er aus einer ausgebeuteten Kiesgrube voller Schrott das heutige Gewerbegebiet an der Bussardstraße – wichtiger Teil seines Lebenswerks. So war es ihm möglich, seiner Gemeinde zu dienen, die ihm in Anerkennung seiner Leistungen die Silberne und die Goldene Bürgermedaille verlieh. Und so war es ihm gegeben, manchem Verein und Bedürftigen im Ort zum stillen Wohltäter zu werden. Denn auch das ist Johann Huber: ein bescheidener und zugleich großzügiger Mensch.

Wer den Huber Hans kennt, weiß auch, dass er zwar gerne schweigt, jedoch nicht auf den Mund gefallen ist und Späße bereitwillig und sofort mit gleicher Münze erwidert.

So muss er auch schmunzeln, wenn er sagt, dass er ja wegen Corona kein großes Fest feiern könne. Denn das stimmt zwar – doch gefeiert hätte er sowieso nicht. „Ich bin keiner vom Feiern“, gesteht er im Merkur-Gespräch. Was nicht heißt, dass ihm auch nur eine der Gratulationen, die ihn auf anderem Wege am Sonntag erreichen werden, gleichgültig wäre.

Täglich eine Stunde auf dem Hometrainer

„Ich kann mich nicht beschweren, ich bin fit“, sagt Johann Huber. Er radelt täglich auf dem Hometrainer mindestens eine Stunde. „Sport, Sport, Sport“ empfiehlt er jedem, der 100 werden will. Und er sagt in ungewohntem Ernst: „Ich bin sehr dankbar. Ich kann immer noch alleine in den Garten gehen, die frische Luft atmen und die Blumen sehen. Das allein ist schon ein großes Geschenk.“

Von Johann Huber ist auch der Satz überliefert: „Wenn ich die Hundert schaff, dann schaff ich die Hundertzehn auch noch.“ Heute sagt er: „Probier mer’s.“ Dass es ihm gelingen möge, sei dem Huber Hans von Herzen gewünscht.

Auch interessant

Kommentare