"Der Kirche gelingt es nicht mehr so, den spirituellen Kern zu treffen"

- Zeige deinen Glauben: Seelsorger diskutierten über Kunst, Vergangenheit und Zukunft

VON MARTIN BISCHOF Pasing - Den finalen Akzent themenbezogener Projekte in diesem Jahr setzt die Pasinger Fabrik mit einer Ausstellung zum Thema Kunst und Glaube. Christliche und biblische Aspekte in der zeitgenössischen Kunst stehen dabei im Mittelpunkt von "Zeige deinen Glauben!". Hierzu trafen sich für eine umrahmende Diskussionsveranstaltung unter dem Leitgedanken "Was bedeutet die Kirche in München?"

Bei der Diskussion waren Vertreter der großen beiden Amtskirchen erschienen. Die katholischen Pfarrer Pater Obermeier und Dompfarrer Huber und ihre evangelischen Amtskollegen Dekan Weiss und Pfarrer Spahlinger diskutierten über Kunst in der Kirche, Kirche und Politik, die Ökumene, die Bedeutung ihrer Gemeinden in der Stadt und die Zukunft der Kirche im Allgemeinen.

Über die essentielle Bedeutsamkeit von Bildern als Medium, Dinge auszudrücken, an die das Wort nicht hinkommt, waren sich alle Gesprächsteilnehmer einig. "Manche Dinge können nicht durch Theologie zum Ausdruck gebracht werden, sondern benötigen Bilder. Das Wort ist nicht das Sakrament", formulierte es Pater Obermeier. Pfarrer Spahlinger erinnerte an die Bibel: "In einer Zeit vieler visueller Eindrücke sollen Bilder zum Betrachten und Verweilen einladen. Wenn ich die Bibel lese, verstehe ich die Geschichten auch als Bilder."

In den 60er Jahren ging die Kirche zu weit

"Sollte sich die Kirche mehr auf ihre seelsorgerischen Grundaufgaben berufen und weniger Politik machen?", warf Gesprächsrundenleiter Adrian Prechtel ein. "Die evangelische Kirche war in der Kaiserzeit und im Dritten Reich sehr mit dem nationalsozialistischen System verknüpft. Und in den 60er und 70er Jahren ging die Kirche auch zu weit. Doch wo Menschen in persönliche Notlagen mit politischem Zusammenhang geraten, etwa durch Arbeitslosigkeit, kann die Kirche auch als Sprachrohr im politischen Zusammenhang dienen", äußerte sich Dekan Weiss.

Zur Zukunft der Kirche bemerkte Pfarrer Spahlinger, dass sich die Kirche auf ökumenischer Ebene sehr verändern muss und ehrenamtliche Mitarbeiter immer mehr Gewicht bekommen werden. Pfarrer Obermeier fügte hinzu: "Der Kirche gelingt es nicht mehr so, den spirituellen Kern zu treffen. Sie hat auch nicht mehr das Monopol. Die weiterentwickelnde Idee sollte doch auf jeden Fall zu Gunsten des traditionellen Glaubens gehen und hierbei den Menschen gute Formen bieten."

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