Ladentisch im Eingangsbereich: In der Planegger Buchhandlung Kohler übergibt Mirjam Kunkel (links) Kundin Johanna Bruch ein bestelltes Buch.
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Ladentisch im Eingangsbereich: In der Planegger Buchhandlung Kohler übergibt Mirjam Kunkel (links) Kundin Johanna Bruch ein bestelltes Buch.

„Click & Collect“

Der Ladentisch steht vor dem Eingang

  • Peter Seybold
    vonPeter Seybold
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Seit Montag können in Bayern Bestellungen wieder in den Geschäften abgeholt werden. Im Würmtal nehmen das „Click & Collect“ einige Kunden bereits in Anspruch – was den Geschäften hilft, die Umsatzeinbrüche aber bei Weitem nicht kompensiert.

Lockdown macht Geschäften zu schaffen

Würmtal – Der derzeitige Lockdown macht den Würmtaler Geschäften stark zu schaffen: Nur drei bis fünf Prozent des normalen Januar-Umsatzes hat derzeit etwa Boniberger Herrenmode in Pasing und Planegg. „Normalerweise lassen sich die Kunden bei uns im Laden inspirieren, sehen und kaufen etwas ungeplant. Das fällt jetzt natürlich weg“, sagt Inhaber Florian Boniberger. „Für uns sehr viel wert“ sei daher die „Click&Collect“-Möglichkeit. „Am Montag hatten wir schon zwei, drei Kunden, denen im Schaufenster etwas aufgefallen war und die es telefonisch bestellt haben.“ Das Team hat vor dem Laden einen Tisch aufgebaut, an dem auch Auswahlen abgeholt werden können. Die Kern-Abholzeiten sind zwischen 10 und 14 Uhr. „Natürlich sind wir auch zu anderen Zeiten flexibel“, sagt Boniberger.

Trotz dieser „sehr guten Möglichkeit“ sei der Lockdown für die beiden Filialen aber irgendwann existenzbedrohend. „Ich finde es auch ungerecht, dass andere Geschäfte in der Bahnhofstraße öffnen dürfen, wir aber nicht“, sagt Boniberger, der auch liefert (Telefon 89 99 69 71, WhatsApp 0151 66 58 56 08).

Viele Kunden bestellen seit Schließungsbeginn beim Gräfelfinger Wäschegeschäft Hautnah, am Montag und Dienstag auch zur Abholung. Inhaberin Josefine Bott freut sich über jede Bestellung, die sie in einer Tüte vor die Tür stellt. „Diese sind aber im Moment vor allem eine Service-Leistung, verdienen tue ich daran nichts“, sagt Bott. Denn der Aufwand sei sehr groß. „Normalerweise kommen am Tag 15 Kunden in das Geschäft und kaufen gut ein. Jetzt muss ich für jedes Teil angerufen werden, nachschauen, ob es in der Größe vorrätig ist, zurückrufen, vielleicht ein Foto per Whats-App schicken, eine Rechnung schreiben, die Lieferung oder Abholung organisieren“, sagt Bott. Die Geschäftsfrau ist natürlich dennoch dankbar, wenn Kunden ihr die Treue halten, auch wenn dies den normalen Umsatz bei Weitem nicht ersetzt. „Ich habe aber nicht das Problem, dass die jetzige Mode nächstes Jahr nicht mehr verkaufbar ist. Bei Wäsche ist das relativ egal“, sagt Josefine Bott (Telefon 85 13 74).

Kunden holen Bestellungen ab

An der hinteren Ladentür hat der Kraillinger Spielwaren Kappler einen Tisch aufgebaut, bei dem die Kunden Bestellungen abholen, nachdem sie sich bemerkbar gemacht haben. „Das läuft langsam an, ein paar haben schon bestellt, zum Beispiel Schlitten-Sachen und einen Puppenwagen. Wir freuen uns über jeden Kunden“, sagt Inhaberin Waltraut Kappler, die an der Tür auch ein EC-Gerät bereit hält. Die Kraillingerin ist Montag bis Samstag von 9 bis 12.30 Uhr im Geschäft (Telefon 857 37 13).

Einen Tisch in die Ladentür gestellt hat die Planegger Buchhandlung Kohler. Über den Tisch werden die bestellten Sachen ausgegeben. „Es gab schon einige Abholungen, neben den Stammkunden auch von vielen Erstbestellern, worüber wir natürlich froh sind“, sagt Mitarbeiterin Julia Lumper. „Vor Weihnachten hatten wir einen Rekord-Umsatz, jetzt wäre es gelogen, wenn ich sagen würde, dass wir den Lockdown nicht stark spüren“, so Lumper. Der Buchhändlerin ist auch eines aufgefallen: Dicke Bücher wie „die Erinnerungen von Barack Obama mit über 1000 Seiten gehen im Moment gut, weil die Leute wohl Zeit und Muße dafür haben“. (Telefon/WhatsApp 859 57 27, auch Lieferungen).

„Nur ein Tropfen auf den heißen Stein“

Erst vor kurzem unter neuem Besitzer wieder eröffnet hat der Gräfelfinger Laden für Schreibwaren, Geschenke und Spielzeug „Papier Winter“. „Jetzt liefern und bieten wir auch Abholungen an. Es gab schon einige Bestellungen und einige nette Kunden, die unsere Nummer weitergegeben haben. Trotzdem ist das mehr ein Tropfen auf den heißen Stein und wir haben wie alle ein dickes Minus“, sagt Inhaberin Claudia Siepe. Siepes übergeben die Waren vor der Ladentür mit Abstand und Maske, was auch stets gut funktioniere. „Im Moment können wir uns über Wasser halten, auch wenn keine großen Sprünge drin sind.“ Wenn die Situation lange dauere, ändere sich dies, sagt Claudia Siepe, die die Zeit nutzt, „um sich mit dem Laden erst mal richtig vertraut zu machen und eine Bastelecke einzurichten“. (Telefon/WhatsApp 0160/94 64 24 00).

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