Große Hoffnung auf Online-Verkäufe: Edith Sassen in ihrer Planegger „Dorfgalerie“ hinter verschlossener Tür.
+
Große Hoffnung auf Online-Verkäufe: Edith Sassen in ihrer Planegger „Dorfgalerie“ hinter verschlossener Tür.

Einzelhändler unter Druck

Der Lockdown bringt die Nullnummer

Seit Beginn des zweiten Lockdowns ist es bei vielen Würmtaler Geschäften sehr ruhig. Oft nutzen nur wenige Kunden die Liefermöglichkeiten. Dauert der Lockdown lange, wird es für manche existenziell.

Würmtal – „Für mich ist die Situation dramatisch und sehr schlimm“, sagt Karin Maier vom Neurieder Geschäft „indesign“ für Mode, Geschenke, Heimtextilien, Vorhänge und Sonnenschutz. Es kämen seit Beginn des Lockdowns nur wenige Bestellungen, obwohl Meier einen großen Hinweis am Schaufenster angebracht hat und innerhalb Neurieds und der unmittelbaren Umgebung kostenlos liefert.

„Das Adventsgeschäft macht 30 Prozent des Jahresumsatzes aus, die letzten beiden Adventswochen sind normalerweise die stärksten“, sagt Maier. Dauert der Lockdown sehr lange, „wird es für mich daher existenziell. Selbst wenn Miete und Nebenkosten ersetzt werden, dauert dies noch – und wovon soll ich leben und meine eigene Miete zahlen, wenn kaum Umsätze da sind?“, fragt Meier.

Ein Problem für die Neuriederin sei auch, dass fast alle anderen Läden um sie offen haben, da ja zum Beispiel Apotheken, Schreibwarenläden und Lebensmittelgeschäfte nicht schließen mussten. „Und so kaufen manche als Geschenk lieber einen Tee“, als sich etwas liefern zu lassen, glaubt Maier.

„Sehr, sehr schlecht“ ist der zweite Lockdown auch für Edith Sassen, Inhaberin der Planegger „Dorfgalerie“ für Bekleidung, Geschenke und mehr. „Normalerweise werden zwischen den Feiertagen immer Kinder oder Studenten, die zu Besuch da sind, durch die Dorfgalerie geführt, und bei uns ist richtig viel los. An Weihnachten selber stehen morgens noch Männer im Laden und wollen noch ein Geschenk kaufen. Das findet heuer alles nicht statt, ebenso wie später der Schlussverkauf“, sagt Edith Sassen.

Für die Planeggerin ist das ein doppeltes Problem, denn von den Einnahmen aus dem Weihnachtsgeschäft und den Wochen danach finanziert sie normalerweise den Einkauf der Frühlingsware. „Diese kommt so oder so im Februar und muss gleich bezahlt werden, da lässt keiner mit sich reden“, sagt Sassen – die Frage sei heuer nur, wovon. Sassen und ihr Team haben einen Online-Shop, der aber noch nicht fertig aufgebaut ist. „Wir sind daher darauf angewiesen, dass die Leute bei uns auf Instagram oder im Schaufenster etwas sehen und bestellen“, sagt Sassen – was aber im Moment nur wenig vorkomme. „Ich habe aber schon Verständnis für die Maßnahmen. Die Corona-Zahlen müssen ja runter, gerade im Würmtal. Irgendwie wird es weitergehen. Aufgeben ist keine Option“, sagt Sassen.

Seit dem Lockdown eine „absolute Nullnummer“ war auch das Weihnachtsgeschäft von Saskia Deiters Schmuck in der Gräfelfinger Bahnhofstraße. „Die Leute haben schlechte Laune, der Spaß am Einkaufen und an Luxussachen ist im Moment weg“, sagt Saskia Deiters. Der Laden würde normalerweise im November und Dezember rund die Hälfte des Jahresumsatzes machen, von dem jetzt ein Teil weg wäre „und auch nicht nachgeholt wird“, vermutet Deiters. „Wenn der Lockdown daher zwei Monate länger geht, bin ich weg vom Fenster.“ Dabei bietet Deiters wie die anderen Geschäfte unkomplizierte Bestellmöglichkeiten per Telefon und WhatsApp an und liefert per Kurier aus.

Ein paar Bestellungen hat der Martinsrieder Sport Grünberger seit Lockdown-Beginn verschickt. „Die kamen aber von außerhalb der bayerischen Landesgrenzen, da wir Anzeigen auf Insta-gram und Facebook geschaltet haben“, sagt Mitarbeiterin Beate Bleeker. Ansonsten liefe das Geschäft ebenfalls sehr ruhig. „Wir haben sonst am Jahresende einige Bestellungen von Firmen und Vereinen, auch zu Weihnachtsfeiern, das ist derzeit auch auf Null“, sagt Bleeker, die die Konkurrenz durch Online-Giganten wie Amazon, Zalando und Otto als Hauptgrund vermutet – und glaubt, dass der Lockdown noch lange dauern wird: „Meine persönliche Prognose ist bis zum Ende der Faschingsferien.“ In den beiden Tagen vor Schließung sei zwar noch einiges los gewesen. Jetzt könne man als kleiner Laden aber kaum etwas gegen die allgemeine Lage machen, meint Bleeker.

Gut läuft das Geschäft hingegen bei der Gräfelfinger Buchhandlung Kohler. „Wir hatten schon vor Lockdown-Beginn den Umsatz des Vorjahres-Dezember erreicht, auch jetzt wird unser Lieferservice sehr angenommen“, sagt Mitarbeiter Thomas Zondler. Zwei bis drei Kollegen liefern täglich die Bestellungen aus, die Zondler telefonisch entgegennimmt. „Wir profitieren wohl davon, dass wir schon lange einen Online-Shop haben, Bücher ja nicht wie Kleidung anprobiert werden müssen und außerdem viele unserer älteren Kunden auch schon vor dem Lockdown nicht in die Stadt fahren wollten“, sagt Zondler. Die Buchhandlung fürchte sich daher nicht zu sehr vor einer Verlängerung des Lockdowns.

Peter Seybold

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare