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„Wie viel kostet der Schal? Ist mir viel zu teuer!“: Beim lebendigen, praxisbezogenen Deutschunterricht im Pfarrheim St. Stefan haben ihren Spaß (v.li.): Zahrah, Sahar, Kaluda, Sedige, Asyl-Helferin Hennriette Hertenstein, Mariam, Nesimeh und Asyl-Helferin Julia Brützel (sitzend).

Integration von Flüchtlingen

Buntes Angebot an Deutschkursen

Würmtal - Der Deutschunterricht für Flüchtlinge ist im Würmtal vielfältig. Der Landkreis München fördert Kurse mit 250 000 Euro. Im Landkreis Starnberg sieht es ganz anders aus.

Bis Asylbewerber einen Platz in einem Integrationskurs bekommen, kann es Monate dauern. In der Zwischenzeit lernen viele Flüchtlinge im Würmtal Deutsch. Die Kurse dafür sind nicht verpflichtend. Und es gibt eine verwirrende Anzahl an Möglichkeiten, Deutsch zu lernen. „Es ist ein bisschen undurchsichtig“, sagt Margret Buchalik von der Würmtal-Insel. Aber sie meint: „Stück für Stück strukturiert es sich.“

Klar ist jedenfalls, dass die meisten Kurse ehrenamtlich organisiert werden. Darauf setzt der Landkreis Starnberg. Die Volkshochschule im Würmtal behandelt die Würmtal-Gemeinden deshalb unterschiedlich. „Der Landkreis München hat uns Geld zur Verfügung gestellt, um in Gräfelfing Kurse anzubieten“, erklärt Geschäftsführerin Veronika Wagner. Auch für Planegg stellt sie Kurse in Aussicht. Die Sprecherin des Landratsamtes München, Christina Walzner, sagt: „Für das Jahr 2016 hat der Landkreis explizit für Deutschkurse 250 000 Euro an freiwilligen Leistungen im Haushalt eingestellt.“ Er fördere die Kurse der VHS und anderer Anbieter.

Der Landkreis Starnberg verfolge eine andere Politik, erklärt Wagner. Die 144 Flüchtlinge, die demnächst in Krailling erwartet werden, sollen laut Sonia Welski-Preißer vom Kraillinger Helferkreis Asyl von Ehrenamtlichen im örtlichen Bürgerhaus Hubertus unterrichtet werden. Laut Wagner könne die Volkshochschule den Flüchtlingen in Gauting und Krailling keine Kurse anbieten. „Dafür können wir nicht das Geld des Landkreises München verwenden“, erklärt sie. Der Sprecher des Landkreises Starnberg, Stefan Diebl, bestätigt, dass es an den Helferkreisen sei, Deutschkurse zu organisieren. „Wir übernehmen auf Antrag die Fahrtkosten“, erklärt er. Kurse fördere das Landratsamt nicht.

In Starnberg verlässt man sich außer auf die Helferkreise unter anderem auf die Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg. „Im vergangenen Jahr gab es Spenden an die VHS in Starnberg, Gilching und Herrsching“, bestätigt Sparkassen-Sprecherin Kerstin Brehm. Die Familienstiftung der Firma Webasto in Stockdorf übernimmt die Kosten für weitere Deutschkurse (s. Kasten).

Auch wenn im Landkreis München mehr Geld für Kurse vorhanden ist, werden die meisten Kurse dort ebenfalls von Laien oder ehemaligen Lehrern übernommen. Elisabeth Schneider-Eicke vom Gräfelfinger Helferkreis sagt: „Bei uns laufen viele Kurse.“ Für die rund 210 Flüchtlinge in der Gemeinde gebe es einen Alphabetisierungskurs. „Das machen wir nicht selbst“, erklärt sie, sondern die VHS. Der Helferkreis selbst veranstalte das Sprachencafé mit Deutschunterricht für Frauen, während deren Kinder betreut würden. Zusätzlich würden Frauen zu Hause unterrichtet. Ein PC-Kurs „Deutsch“ komme vor allem bei Männern gut an. Für Schüler gebe es eine Hausaufgabenbetreuung. Auch da gehe es in erster Linie um die Sprache. „Das ist alles ehrenamtlich“, sagt sie. Sie findet: „Wir können unsere Flüchtlinge nicht rumhängen lassen.“

Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten, sei jedoch keine einfache Aufgabe, weiß Birgit Zipfel vom Helferkreis Asyl Neuried. „Es wäre schön, wenn es da mehr Lehrer geben würde“, findet sie. Die Flüchtlinge im Würmtal schätzen das vielfältige Angebot, ob ehrenamtlich organisiert oder professionell. Viele besuchen die Kurse regelmäßig.

Victoria Strachwitz

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