Die Jacken bleiben hängen: ein Klassenzimmer der Kraillinger Grundschule nach Unterrichtsschluss.
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Die Jacken bleiben hängen: ein Klassenzimmer der Kraillinger Grundschule nach Unterrichtsschluss.

Lüften gegen Corona

„Die Robusten sitzen am Fenster“

  • Victoria Strachwitz
    vonVictoria Strachwitz
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Es gibt technische Unterstützung im Kampf gegen die Übertragung des Coronavirus durch Aerosole in den Klassenzimmern. Ein Ende des Lüftens ist im Würmtal allerdings nicht in Sicht.

Würmtal – Die Gefahr, sich in der Schule mit dem Coronavirus zu infizieren, soll minimiert werden. Das Lüften der Klassenzimmer ist dabei eine entscheidende Maßnahme, doch sie bringt Schüler zum Bibbern. Decken und Fleecejacken sind eine schnelle Lösung. CO2-Ampeln könnten helfen, das Aufreißen der Fenster besser zu dosieren; Luftreinigungsanlagen sollen die Situation weiter entspannen. Während das Landratsamt München noch prüft, wie mit dem Thema Lüftungsfilteranlagen umgegangen werden soll, haben manche Gemeinden im Würmtal bereits investiert. Gelüftet wird aber weiter überall.

Matthias Spohrer, Direktor des Planegger Feodor-Lynen-Gymnasiums, stellt dabei fest, dass das Kälteempfinden bei den Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt ist. „Die Schüler sitzen teils mit Jacke und Anorak im Klassenzimmer, wenn wir durchlüften.“ Aber er habe auch Schüler erlebt, die in kurzer Hose im Klassenzimmer saßen – der Nachbar daneben in der Winterjacke.

Anita Groß, Direktorin des Gräfelfinger Kurt-Huber-Gymnasiums, meint, dafür eine Lösung gefunden zu haben: Verfrorene Schüler sitzen an der Wand. „Die robusten sitzen am Fenster.“ Damit die Fenster in allen Klassenzimmern geöffnet werden können, habe die Gemeinde einen Teil der Fenster nachgerüstet. Luftreinigungsgeräte stellt sie der Schule außerdem zur Verfügung. Für rund 9000 Euro Pro Monat least die Gräfelfinger Liegenschaftsverwaltung aktuell rund 230 Stück, auch die Bücherei und die übrigen Schulen haben Luftreiniger bekommen. Es ist ein Versuch. Möglicherweise werden heuer noch Geräte gekauft, heißt es im Rathaus. Groß sagt aber: „Sie sind natürlich kein Ersatz für das Lüften.“ Sie könnten nur unterstützend wirken. „Man bräuchte kühlschrankgroße Geräte“, wolle man damit das Lüften ersetzen. „Das ist ein Schmarrn, weil wir ja lüften können.“

17 Luftreiniger für Kraillings Grundschule

Kraillings Grundschule soll nun 17 solcher Geräte bekommen, wie Schulleiterin Alexandra Helfrich diese Woche von Bürgermeister Rudolph Haux erfuhr. Helfrich: „Da sind wir froh drum. Uns ist bewusst, dass sie das Lüften nicht ersetzen. Es ist eine Unterstützung.“

Die Neurieder Grundschule hat CO2-Wächter in den meisten Klassenzimmern. Da könne man ablesen, wann gelüftet werden muss, erklärt Rektorin Pia Rieger. „Es ist schön, wenn man die hat, aber im Endeffekt lüften wir nach den Vorgaben des Ministeriums und des Landratsamtes München.“ Und damit alle 20 Minuten für drei bis fünf Minuten. „Da muss niemand mit Handschuhen, Mütze und Decke drin sitzen. Dieses Problem entsteht nur, wenn man dauerlüftet.“

In der Grundschule Planegg wird im Zuge der laufenden Generalsanierung eine gut funktionierende Lüftungsanlage eingebaut. Sie funktioniert bereits in der Hälfte der Klassenzimmer. „Dadurch müssten wir dort gar nicht mehr lüften“, sagt Rektor Sebastian Körber. Die Gemeinde Planegg habe nun außerdem gefragt, was er von CO2-Ampeln halte. „Es wäre sicher nicht schädlich, so etwas zu haben“, so Körber. Grundsätzlich, so Stefan Schaudig, Geschäftsleiter der Gemeinde, sind die beiden Grundschulen in Planegg und in Martinsried „räumlich so gestaltet, dass sie gut gelüftet werden können“. Man sei dabei, sich kundig zu machen, wo Luftreinigungsgeräte sinnvoll sind.

Auch im Planegger Rathaus ist bekannt, dass „zusätzliche technische Geräte die Lüftungsthematik nicht ersetzen“ können, so Martina Sohn, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit. „Sie sorgen lediglich dafür, dass die Aerosol-Konzentration in der Raumluft insgesamt verringert wird.“

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