Helios-Klinikum München-West von außen
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62 Covid-19-Patienten werden derzeit im Helios-Klinikum München-West behandelt.

Auch die Krankenhäuser im Würmtal bekommen die zweite Covid-19-Welle zu spüren

„Die Situation ist angespannt und ernst“

  • Victoria Strachwitz
    vonVictoria Strachwitz
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In den Krankenhäusern im Würmtal werden aktuell 79 an Covid-19 erkrankte Menschen behandelt, davon 13 auf Intensivstationen. Die gute Nachricht: Es sind Betten frei. Doch die Lage ist angespannt.

Würmtal – Wer an Covid-19 erkrankt und ins Krankenhaus muss, wird nicht abgewiesen. Krankenhäuser im Würmtal halten für diesen Fall Betten frei. Doch im Landkreis München sind laut Angaben der Internetseite www.intensivregister.de neun von insgesamt zehn Plätzen auf den Intensivstationen belegt. Zwei davon werden von Covid-19-Patienten benötigt, die invasiv beatmet werden müssen. Einen kleinen Trost gibt es: Auf den Intensivstationen der Landeshauptstadt sind noch 70 Betten frei. Und notfalls ist auch im Würmtal noch Platz.

Die Gautinger Asklepios-Klinik ist Lungenfachklinik und Pandemiezentrum für den Landkreis Starnberg. Sie hält für Patienten mit Covid-19 Betten frei. Skurril: Dafür bekommt sie kein Geld vom Staat. „Die Ausgleichszahlung ist an die Notfalleinstufung der Krankenhäuser gekoppelt, und weil wir eine Fachklinik sind, die keine Notaufnahme anbietet, sind wir ausgeschlossen. Wir werden momentan mit dem Risiko alleingelassen“, erklärt Sprecherin Beatriz Parente Matschke.

Auch der nun von Ministerpräsident Markus Söder ausgerufene Katastrophenfall habe an der finanziell unsicheren Situation nichts geändert. „Er bedeutet, dass Behörden und der Ärztliche Krankenhaus-Koordinator jederzeit Einfluss auf die Belegung unserer Klinik und unserer Ressourcen nehmen können. Dies kann auch den Abzug von Personal, Gerätschaft und Schutzausrüstung bedeuten“, erläutert Parente Matschke.

In der Gautinger Klinik werden aktuell zehn Covid-19-Patienten auf der Intensivstation betreut, vier davon werden beatmet. Sieben weitere Patienten liegen auf der Covid-Normalstation. „Wir melden derzeit zwischen 15 und 20 belegbare Intensivplätze, je nach tagesaktueller Situation“, sagt die Sprecherin. Im Notfall könne diese Zahl auf bis zu 36 Intensivplätze erhöht werden. Auf der Normalstation könnten rund 60 Covid-19-Fälle behandelt werden.

Wolfart-Klinik verschiebt nicht dringende Operationen

Die Asklepios-Klinik ist nicht das einzige Krankenhaus im Würmtal, das Betten freihält. „Man ist jederzeit aufnahmebereit. Wir operieren nur das medizinisch wirklich Notwendige“, erklärt Tilman Götzner, Geschäftsführer der Gräfelfinger Wolfart-Klinik. In seinem Haus seien aktuell rund 20 Prozent der Betten für den Notfall verfügbar. Kommende Woche könnte sich die Situation entspannen, da sich vor Weihnachten nicht viele Patienten operieren ließen, sagt er. Anders als die Lungenfachklinik beherbergt die Wolfart-Klinik aktuell keine Covid-Patienten. Die bekomme sie erst, wenn andere Krankenhäuser voll seien. „Da sind wir noch nicht herangezogen worden.“

Doch in der Nachbarschaft werden die Betten knapper: „Es zieht bei uns an“, sagt der Sprecher des Helios-Klinikums München-West in Pasing, Marten Deseyve. „Im Frühjahr war die Situation in den Krankenhäusern nicht so dramatisch, wie sie es jetzt ist.“ Im Helios-Klinikum liegen derzeit 59 Covid-19-Patienten auf der Normalstation und drei auf der Intensivstation.

Für Tilman Götzner von der Wolfart-Klinik sind nicht die Betten das Thema: „Der große Brennpunkt ist das Personal.“ Immer wieder fielen Pflegekräfte aus, die Kinder in Quarantäne oder Kontakt zu Infizierten gehabt hätten. „Es ist kritisch“, sagt er. Marten Deseyve versichert: „Aktuell können wir alle Betten, die wir haben, auch durch Pflegekräfte betreuen.“ Doch auch Parente Matschke erklärt: „Momentan kommen wir klar, aber ein großartiger Puffer ist da nicht mehr.“ Sie warnt eindringlich: „Die Situation ist angespannt und ernst.“ Die Infektionszahlen stabil zu halten, sei das Minimalziel.

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