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„Unser Kreuz ist wieder da!“ Pfarrer Bernd Reichert und die Gemeinde der Michaelskirche können nun befreit Weihnachten feiern, nachdem ein reuiger Dieb das Altar-Kreuz still und heimlich zurück brachte.

Kleines Weihnachtswunder 

Reuiger Dieb bringt Altar-Kreuz zurück

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Gräfelfing - Das Altar-Kreuz der Michaelskirche steht wieder auf seinem Platz: Der Dieb, der es im November gestohlen hatte, brachte es rechtzeitig vor Weihnachten zurück.

Es ist eine Geschichte wie eine Predigt. Den größten Teil der Adventszeit hat die Gemeinde der evangelischen Michaelskirche ohne ihr Altar-Kreuz verbracht. Ein Dieb hatte das Messing-Kreuz mit dem violetten Amethyst in der Mitte aus der tagsüber stets offenen Michaelskirche gestohlen (wir berichteten). Das Warten und Hoffen war nicht vergebens, so aussichtslos es auch schien: Es vergingen 40 Tage, dann brachte der Täter das Kreuz still und heimlich zurück – kurz vor Weihnachten.

„Das gibt es doch nicht, das Kreuz ist wieder da“, sagte Hausmeisterin Zoi Karintzias, als sie mit ihrem Mann am Samstag vor dem dritten Advent die Kirche für den Gottesdienst herrichten wollte: Auf dem Altar, bescheiden abgestellt neben dem Taufkreuz, das Pfarrer Bernd Reichert ersatzweise hervorgeholt hatte, stand das Messing-Kreuz, an das die Lochhamer seit einer Generation gewöhnt sind. Als Pfarrer Walter Ziermann am nächsten Tag im Gottesdienst der Gemeinde das Kreuz präsentierte, brandete spontaner Applaus auf.

Sein Kollege Bernd Reichert sagt: „Ich bin sehr froh, dass das Kreuz wieder bei uns ist. Genauso froh bin ich aber darüber, dass bei der Person, die es genommen hatte, ganz offensichtlich doch Ehrfurcht vor dem Kreuz, dem Altar, der Kirche lebendig ist.“ Schließlich habe der Täter ein zweites Mal das Risiko auf sich genommen, die Kirche zu betreten, um das Kreuz unversehrt auf dem Altar abzustellen.

Dem Theologen Reichert fiel auch sogleich auf, dass die Gemeinde 40 Tage auf das Kreuz verzichten musste: 40 Tage dauerte die Sintflut, 40 Tage weilte Mose auf dem Berg Sinai, 40 Tage fastete Jesus in der Wüste. Ohne die Kenntnis der biblischen Zahlensymbolik bei dem mutmaßlichen Täter überzustrapazieren, ergänzt Pfarrer Reichert dennoch: „Und 40 Tage waren wir ohne unser Kreuz.“

Über den Grund für den Sinneswandel des reuigen Sünders lässt sich nur spekulieren. Mag allerdings sein, dass nicht nur himmlische Mächte dazu gewirkt haben, sondern auch ein Bericht im Münchner Merkur, der auf den geringen materiellen Wert des Kreuzes hinwies – und Pfarrer Reicherts versöhnliches Versprechen enthielt, die Anzeige wegen besonders schweren Diebstahls zurückzuziehen, sofern das Kreuz wieder in der Kirche auftauche.

An diese Zusage wird der Geistliche sich natürlich halten. Hätte er die Gelegenheit, mit dem Dieb zu sprechen, würde er ihm zunächst für die Rückgabe danken. Pfarrer Reichert: „Und ich würde ihm sagen: Kommen Sie zu uns, reden Sie mit uns, wenn Sie Nöte haben, seien sie finanzieller oder anderer Art.“ Wenn die Christen in der Michaelskirche nun froh und erleichtert Weihnachten feiern können, dürfte dies jedenfalls auf den reuigen Dieb nicht minder zutreffen.

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