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Dietlind Freyer-Zacherl setzt sich für die Kröten ein, die derzeit an der Neuen Gautinger Straße beim Kraillinger Tanklager ihr Leben lassen.

Umweltschützerin Dietlind Freyer-Zacherl ist alarmiert

Hunderte Kröten bleiben auf der Strecke

Krailling - Es sieht aus wie auf einem Schlachtfeld. Die Verbindungsstraße von Gauting nach Unterpfaffenhofen ist seit dem Wochenende nachts mit toten Kröten gepflastert. Das gibt Naturschützern Rätsel auf.

Sie spricht von einer Invasion der Kröten und von einem Massaker: Kraillings Naturschützerin und FBK-Gemeinderätin Dietlind Freyer-Zacherl ist erschüttert und in Sorge. Seit dem Wochenende wandern Hunderte Kröten über die Germeringer und die Neue Gautinger Straße zwischen Gauting und Unterpfaffenhofen. Bis Mitte April sind sie auf dem Weg von ihrem Winterquartier zum Laichgewässer. Und viele von ihnen verenden kläglich. „Es ist grausam“, sagt Freyer-Zacherl.

Woher die Kröten plötzlich kommen, wohin sie wollen und warum es auf einmal so viele sind, ist ihr auch nach ersten Recherchen rätselhaft. Zwischen acht Uhr abends und Mitternacht sind bei Regen derzeit so viele Tiere auf den beiden Straßen unterwegs, dass Autofahrer ihnen kaum ausweichen können. Rund 500 Kröten hätten allein am Osterwochenende ihr Leben auf der Strecke gelassen, schätzt Freyer-Zacherl. So viele Kröten habe sie nur 1993 an der Pentenrieder Straße erlebt. Damals seien dort über 1000 Kröten gewandert. Sie und andere Helfer trugen die Tiere damals in Eimern über die Straße, sie steckten sie in Hosen- und Jackentaschen, um möglichst vielen das Leben zu retten.

Von der Neuen Gautinger Straße ist der Umweltschützerin bisher nichts Derartiges bekannt. Dort hätten Naturschützer zuletzt in den 1980er Jahren Krötenzäune aufgestellt, um Tiere aufzufangen und über die Straße zu tragen. Auch an der Pentenrieder Straße stünden inzwischen keine Zäune und Schilder mehr, da immer weniger Kröten die Straße passierten, um zum Pentenrieder Weiher zu gelangen. Aber Kröten seien ihren Laichgewässern treu verbunden, sagt Freyer-Zacherl. Sie habe daher schon vermutet, dass sich die Tiere neue Wege zum Pentenrieder Weiher suchen könnten. Wohin die Kröten derzeit wirklich streben, kann sie nur vermuten. Auch der Löschteich auf dem Gelände des Kraillinger Tanklagers könne ein Ziel sein. Je mehr verdichtet und versiegelt werde, desto weniger Lebensraum bleibe den Tieren, so Freyer-Zacherl.

Die Verbindungsstraße zur Autobahn ist so befahren, dass es für Menschen zu gefährlich ist, die Tiere auf die andere Seite zu tragen. Zäune kämen daher nicht in Frage, so Freyer-Zacherl. Eventuell könnten Schilder oder eine Blinkampel Autofahrer dazu bringen, achtsamer zu fahren. Denn: „Diese Straße kann man nicht absperren“, weiß Freyer-Zacherl. Anders als die Jörg-Tömlinger-Straße in Planegg, die den Kröten zu Liebe halbseitig gesperrt ist.

Sollte sich die neue Wanderroute der Kröten etablieren, zieht Freyer-Zacherl in Betracht, neue Weiher anzulegen, damit die Kröten die Straßenseite nicht wechseln müssen. Doch damit müssten die Waldbesitzer einverstanden sein, außerdem kostet dies Geld. Krötentunnel unter die Straßen zu graben, hält die Umweltschützerin für wenig nützlich, weil sie von Tieren nicht angenommen werden. Freyer-Zacherl will nun mit dem Landesbund für Vogelschutz, dem Bund Naturschutz und der Gemeinde Krailling besprechen, was getan werden könnte. Und sie will nachforschen, wo die Tiere herkommen. „Man muss der Sache nachgehen. Ich bin total besorgt."

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