Getreide aus eigener Produktion verfüttert Landwirt Rudolf Heidrich an die derzeit 900 Hühner in seinem Frohnloher Betrieb. Seit dem Dioxin-Skandal verzeichnet er auf seinem Bauernhof eine verstärkte Nachfrage nach Eiern. Fotos: Dagmar Rutt

Dioxin-Skandal: Nachfrage nach Bio-Produkten steigt enorm

Würmtal - Es gibt auch Profiteure vom bundesweiten Dioxin-Skandal: Im Würmtal ist die Nachfrage nach Bio-Eiern und Bio-Fleisch sprunghaft gestiegen.

„Bei uns sieht es gerade sehr gut aus“, sagt Hans Kunath, Filialleiter des „Hermannsdorfer“ in Gräfelfing. Etwa die dreifache Menge an Eiern und Geflügelfleisch als üblich geht derzeit über die Theke. Damit ist Kunath nicht alleine. Die erhöhten Dioxin-Werte, die in Eiern und Fleisch festgestellt wurden, steigern die Nachfrage nach Bioprodukten. Viele Kunden wollen genau wissen, wo die Produkte herkommen. Da bei Futtermitteln, die in Bio-Betrieben verwendet wurden, bislang keine erhöhten Dioxin-Werte gemessen wurden, ist hier das Vertrauen am größten.

„Bei dem Händler, von dem wir unser Fleisch beziehen, kann man komplett hinterfragen, aus was das Futter besteht“, sagt Kunath. Ebenso bei „regional & frisch“ in Planegg. Der Biomarkt vertreibt unter anderem Demeter-Produkte, diese sind besonders geprüft und biologisch-dynamisch erzeugt. „Wir verkaufen rund 30 Prozent mehr Eier als normalerweise“, sagt Verkäuferin Daniela Müller. Es kommen viele Kunden, die sonst nie Bio kaufen und fragen, ob die Eier in Ordnung sind.

Befürchtungen, Bio-Eier könnten bald ausverkauft sein, sind laut Carsten Veller, Pressesprecher von „Naturland“, einem Verein für ökologischen Landbau aus Gräfelfing, unbegründet: „Die Hennen legen schließlich weiter ihre Eier. Die Läden werden weiterhin in solchen Mengen beliefert wie bisher. Daher kann es höchstens nachmittags zu leeren Regalen kommen.“ Er hofft, dass die Nachfrage nach ökologischen Produkten steigt und auch die Händler die Kaufwünsche der Kunden registrieren.

Bei der Bio-Metzgerei Pichler im „Landmanns“ in Gräfelfing melden sich täglich etwa fünf Metzger, die überlegen, Biofleisch in ihr Sortiment aufzunehmen. „Wir haben sehr viele Anfragen. Wie viele davon dann realisiert werden, muss man sehen. Denn das Biofleisch hat auch einen ganz anderen Preis“, erklärt Verkaufsleiterin Monika Goldhammer. Auch die Endkunden seien wesentlich interessierter und fragten, wo das Fleisch herkomme.

„Ich habe jetzt Kunden, die ich schon sei einem halben Jahr nicht mehr gesehen habe“, berichtet Rudolf Heidrich, der auf seinem Bauernhof in Frohnloh auch Eier verkauft. Nun hoffen die Bio-Händler und Bauern, dass die Kauf-Euphorie anhält. Hans Kunath ist optimistisch: „Der Skandal schärft das Bewusstsein der Kunden.“

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