Alle paar Minuten fährt ein Linienbus wenige Meter entfernt an der Wohnung in der Josef-von-Hirsch-Straße vorbei. Edith Ehrenschwendner muss mit Lärm und Abgasen leben. foto: js

"Direkt am Kinderzimmer vorbei"

Planegg - Viele Planegger begrüßen die neue Route des 266er Busses, allerdings gibt es auch Kritik.

Seit Montag vergangener Woche hält der 266er Bus in Planegg wieder an der Haltestelle Kettelerstraße. Gemeinde und MVV erfüllten damit eine Forderung von Hunderten Bewohnern des Viertels Richard-Wagner-Straße/Kettelerstraße, die mit einer Unterschriftenliste gegen die im Dezember in Kraft getretene Änderung der Bus-Route mobil gemacht hatten.

Wie von den Anwohnern gewünscht, biegt der Bus von Martinsried kommend seit voriger Woche nicht nach der Haltestelle Friedhof links in die Münchner Straße ab, sondern bleibt auf der Germeringer Straße, um dann links die Kettelerstraße anzusteuern. Auch in Richtung Martinsried gilt die neue Route.

Nicht bei allen Bürgern stößt die Änderung auf Wohlgefallen. Edith Ehrenschwendner etwa ist verärgert, für sie war der Fahrplanwechsel ein Segen. Seit neun Jahren wohnt Ehrenschwendner in einer Erdgeschosswohnung im Gemeindebau an der Ecke Josef-von-Hirsch-Straße/Münchner Straße. Seit Montag könne sie in Bad, Kinderzimmer und Küche wegen der Lärm- und Abgasbelastung nicht mehr lüften. Die Fenster gehen zur Straße hinaus, wo alle paar Minuten die Busse der Linien 266, 260 und 936 vorbeifahren. „Und das rund drei Meter entfernt, da das Haus so nah an die Straße gebaut wurde“, sagt Ehrenschwendner.

Der 266er Bus fährt im 10-Minuten-Takt, der 260er alle 20 Minuten. Dies allein sind 18 Fahrten pro Stunde - „direkt am Kinderzimmer meiner Tochter vorbei“, sagt Ehrenschwendner. Da die Busse an der Kreuzung zur Münchner Straße anfahren müssen, ist der Ausstoß an Abgasen besonders hoch. „Mit gekippten Fenstern stinkt dann die ganze Wohnung.“ Zwar sind Schallschutzfenster gegen den Lärm verbaut, sagt die Mutter einer 23-jährigen Tochter, „ruhig ist es aber trotzdem nicht“.

Ehrenschwendner wurde bereits bei der Gemeindeverwaltung vorstellig und schilderte die für sie unerträgliche Situation. „Ich habe gesagt, dass ich im Sommer gar nicht mehr den Balkon benutzen kann“, erzählt sie im Merkur-Gespräch. Die zuständige Dame, eine Mitarbeiterin des Bauamts, habe entgegnet, dass sie stattdessen das Planegger Wellenbad für einen Aufenthalt im Freien nutzen solle. „Das ist doch eine Frechheit“, empört sich Ehrenschwendner, die auch beim Bürgermeister war. Heinrich Hofmann habe ihr gesagt, dass sie die Situation akzeptieren müsse. „Und er hat gesagt, dass ich halt die Fenster zur Straße zulassen soll.“ Edith Ehrenschwendner überlegt nun, ob sie sich auf eine andere gemeindliche Wohnung bewerben soll. Denn an eine abermalige Änderung der Bus-Route glaubt sie nicht. „600 Unterschriften gegen eine Stimme, da habe ich keine Chance“, so die Planeggerin.

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