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Interreligiöse Verständigung mit Experten: (v.li.) Tomas Avenarius, Imam Fikret Fazlic und Stefan Wimmer diskutierten mit rund 200 Besuchern über den Islam.

Podiumsdiskussion

Muss uns der Islam Angst machen?

Planegg - S-Terror, Salafismus, Scharia: Auswüchse des Islam beunruhigen die Menschen hierzulande. „Muss uns der Islam Angst machen?“ hieß es daher bei einer Podiumsdiskussion in Planegg.

Die Anschläge auf das Satiremagazin Charlie Hebdo im Januar dieses Jahres gaben den Anlass für die Veranstaltung. Das Ökumenische Forum Erwachsenenbildung Würmtal lud Fikret Fazlic, Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg, Tomas Avenarius, Nahost-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, und Stefan Wimmer, Religionswissenschaftler und Vorsitzender des Vereins „Freunde Abrahams“ zur interreligiösen Verständigung ein. Durch den großen Zustrom von Asylbewerbern, die oft aus muslimisch geprägten Ländern kommen, gewann die Thematik jüngst nochmals an Brisanz, was auch das rege Interesse an der Veranstaltung zeigte. Knapp 200 Zuhörer waren gekommen.

Avenarius unterschied gleich zu Beginn zwischen drei Formen des Islam. Der moderne, aufgeklärte Islam, wie ihn die Penzberger Gemeinde vorlebe, sei eine Bereicherung. Auch vor traditionelleren Erscheinungsformen müsse man sich nicht fürchten, wenngleich manche kulturelle Verhaltensweisen gewöhnungsbedürftig für eine Gesellschaft sind. „Wovor wir Angst haben sollten, ist der politische Islam“, sagte Avenarius. Dieser stelle jedes bestehende säkulare System infrage und könne Jugendlichen als Protestkultur attraktiv erscheinen.

Wimmer stimmte dem zu, verwies aber darauf, dass die aufgeklärten Muslime die Mehrheit in Deutschland darstellen. „Wir nehmen sie aber nicht so wahr, weil nur die Salafisten in der Zeitung stehen. Dabei ist das der Mainstream“, sagte Wimmer. „Das ist der Mainstream in Europa. Die Migranten, die kommen, sind aber arabische Muslime“, wandte Avenarius ein. „Was uns Angst macht, ist das Fremde, das Unbekannte“, sagte Imam Fazlic. Er erläuterte daher die Glaubensgrundsätze des Islam und ordnete Koranverse wie den medial oft zitierten „Tötet sie (die Ungläubigen), wo immer ihr sie findet“ theologisch ein.

Obwohl sie den Koran als wörtliche Offenbarung Gottes ansehen, würden Muslime die Verse durchaus kritisch im historischen Kontext betrachten. Avenarius wollte dies nicht allgemein gelten lassen. Er verwies auf die Charlie-Hebdo-Attentäter. „Es gibt doch Leute, die nicht diese Denkleistung vollbringen und sich darauf wörtlich berufen. Wie grenzen Sie sich von diesen Gruppen ab?“ Das Einzige, was er tun könne, sei Aufklärungsarbeit in seiner Umgebung, erwiderte Fazlic. In Penzberg betreue er 250 Jugendliche und stehe auch jederzeit für Fragen von Nicht-Muslimen zur Verfügung.

na

 

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