Dr. Richard Aulehner „Schnelltests zuhause würden eine falsche Sicherheit ergeben.“
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Dr. Richard Aulehner „Schnelltests zuhause würden eine falsche Sicherheit ergeben.“

Interview

Ein Jahr mit Corona

Vor einem Jahr, am 27. Januar 2020, gab das bayerische Gesundheitsministerium den ersten Corona-Fall in Deutschland bekannt. Ein Webasto-Mitarbeiter hatte sich von einer chinesischen Kollegin angesteckt. Ein Jahr Corona – dazu sprach der Würmtal-Merkur mit Dr. Richard Aulehner, der in Krailling seine Praxis hat und das Impfzentrum in Gauting leitet.

Seit einem Jahr hält Corona die Welt in Atem. Dr. Aulehner, wie haben Sie den Ausbruch der Pandemie in Ihrer Kraillinger Praxis erlebt?

Dr. Richard Aulehner: Mit Webasto kam der erste Anruf und ich konnte damals nur an das Tropeninstitut verweisen. Dann nach den Faschingsferien kamen die ersten Fälle, die zunächst glimpflich verliefen, vor unsere Praxis. Aber schon bald hatte ich auch schwere Fälle und Patienten, die innerhalb von Tagen verstarben. Um mehr testen zu können, wurde daher, von meiner Frau initiiert, das Testareal bei der Kraillinger Feuerwehr in Betrieb genommen. Leider kam es auch zu einem Corona/Covid-Ausbruch im Planegger Altenheim, wo ich als einer der Heimärzte hautnah konfrontiert war und viel Leid erleben musste.

Die lang ersehnte Impfkampagne gegen Covid-19 läuft, doch anstelle von Euphorie wächst die Kritik. Sind die Impfungen tatsächlich so schlecht angelaufen?

Ich halte die Kritik nicht für berechtigt. Die Impfungen in den Kliniken und Altenheimen sind gut angelaufen. Was aber falsche Hoffnungen geweckt hatte, waren die anfänglich versprochenen Impfmengen. Bis jetzt würden wir gerne wesentlich mehr impfen, wenn wir mehr Impfstoff zeitnah zur Verfügung hätten.

Wie sieht es mit der Terminvergabe im Gautinger Impfzentrum aus? Es heißt, viele Senioren würden vertröstet.

Aufgrund der vorgegebenen Prioritäten wurden bisher vor allem Altenheime und Kliniken und wenige ausgewählte Gruppen wie ein Teil der Haus- und Notärzte geimpft. Die Anmeldung der über 80-Jährigen ist bereits sehr erfolgreich gestartet, auch die Impfung ab dieser Woche, aufgrund des Impfstoffmangels leider noch nicht in der angestrebten Größenordnung. Frustrierend ist auch der sehr hohe bürokratische Aufwand.

Eine oft geäußerte Sorge betrifft die Langzeitwirkung der neuen Impfstoffe, die nicht ausreichend erforscht sei. Ist das so?

Vor einer möglichen Langzeitnebenwirkung habe ich persönlich keine Angst, eher die Sorge, dass die Wirkung nicht so lange anhält und wir nachimpfen müssen.

In Alten- und Pflegeheimen häufen sich die Todesfälle. Haben Sie Verständnis für die relativ geringe Impfbereitschaft unter Pflegekräften oder befürworten Sie eine Impfpflicht für Pflegepersonal?

Statt einer Impfpflicht hoffe ich auf die Einsichtsfähigkeit der Pflegenden. Ich habe durchaus Verständnis für eine anfängliche Skepsis, aber mit zunehmenden Impfungen sollte die Verträglichkeit klar werden und sich die Pflegenden ihrer Verantwortung bewusst werden und sich impfen lassen.

Die Zweitimpfungen in den Alten- und Pflegeheimen haben begonnen. Zeigen die Bewohner schon eine gewisse Ungeduld, was Besuche und das Ende der Maskenpflicht angeht?

Die meisten Bewohner sind sehr geduldig, aber hoffen natürlich auf eine Erleichterung vor allem im Hinblick auf die Besuchsmöglichkeit.

Noch ist nicht geklärt, ob eine Immunisierung nur die eigene Covid-19-Erkrankung verhindert oder auch davor schützt, andere Menschen anzustecken. Wann erwarten Sie da wissenschaftliche Erkenntnisse?

Dazu laufen die Studien, und es wird zumindest noch einige Wochen dauern, um verlässliche Aussagen zu bekommen. Und bis dahin bleibt es auch bei der Maskenpflicht.

Gesundheitsminister Jens Spahn will Corona-Schnelltests zuhause ermöglichen. Was halten Sie davon?

Nichts. In vielen Fällen werden die Tests nicht exakt durchgeführt, und gerade die billigen Tests sind nicht verlässlich. Das ergibt eine falsche Sicherheit!

Um das Ansteckungsgeschehen in den Griff zu bekommen, wurde der Lockdown bis Mitte Februar verschärft. Haben Sie Hoffnung, dass anschließend Lockerungen möglich sind? Und wann glauben Sie, wird sich unser Leben endlich wieder normalisieren?

Dazu wage ich keine Prognose. Persönlich glaube ich derzeit nicht an entscheidende Lockerungen schon Mitte Februar. Insbesondere die Ausbreitung der Virusmutationen, die noch ansteckender sind, machen mir Sorgen.

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