Energiewende: Neuried kann Strombededarf selbst decken

Neuried - Mit Photovoltaik und Windkraft ließe sich in Neuried weit mehr Strom erzeugen als benötigt, sagt eine Hochschulstudie.

Es ist ein ehrgeiziges Ziel, das sich die Gemeinde Neuried gesteckt hat. Bis zum Jahr 2050 soll sich der dann wohl 10 000 Einwohner zählende Ort komplett mit Energie aus regenerativen Quellen versorgen. Angesichts der nationalen Schwierigkeiten bei der Energiewende und dem Kampf gegen die Erderwärmung wirken solche Pläne schnell übermäßig ambitioniert. Aber die Idee einer klimaneutralen Gemeinde in 35 Jahren scheint keineswegs aus der Luft gegriffen, sagt eine Gruppe von Studenten der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf.

Im Rahmen ihrer Abschlussarbeit zum Masterstudiengang „Entrepreneurship and Business Management of Renewable Energy“ haben sie Neuried einer umfangreichen Analyse unterzogen. Sie haben den Ist-Zustand ebenso untersucht wie künftige Potenziale, und daraus Szenarien errechnet. Und die Ergebnisse, die am Montag erstmals in Teilen öffentlich vorgestellt wurden, machen zumindest Hoffnung auf deutliche Verbesserungen.

Im Fall von Neuried ist ein 100-Prozent-Ziel natürlich eine Frage der Definition. Eine völlig energieautarke Gemeinde, die sich zu jedem Zeitpunkt selbst versorgen und sich theoretisch von den Stromnetzen abkoppeln könnte, wird Neuried ohne eine Revolution in der Speichertechnik wohl nicht werden. Aber auf dem eigenen Gemeindegebiet jährlich soviel grünen Strom zu erzeugen wie dort im gleichen Zeitraum verbraucht wird, das ist möglich, sagt die Untersuchung.

Das größte Potenzial liegt auf den Dächern von Neuried. Auf ihnen ließen sich Photovoltaikanlagen installieren, die jährlich 7,3 Gigawattstunden Strom erzeugen könnten, den Bedarf von 2100 4-Personen-Haushalten. Um die Dachflächenpotenziale aber auch zu mobilisieren, brauche es vor allem viel Information, etwa über bereits existierende Pachtmodelle, die Hausbesitzern Rendite aus Sonnestrom bescheren, ohne dass sie selbst investieren müssen. Kämen noch Windkraftanlagen im Forstenrieder Park hinzu, würde in Neuried wesentlich mehr Strom produziert als verbraucht.

Bei der Wärmeversorgung liegen die Potenziale vor allem in der Einsparung. Denn die Erzeugung von Biogas oder die Nutzung von Geothermie ist in Neuried kaum möglich. Aber allein durch den Umstieg von Erd- auf Biogas ließen sich jährlich 14 800 Tonnen CO2 einsparen. Die Gemeinde will den Bericht, der auch viele Ratschläge für private Verbraucher enthält, demnächst veröffentlichen.

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