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Grau ausgeblendete Fassaden: Die Häuser sind in Privatbesitz, die Freifläche des Jahnplatzes planen die Architekten als terrassiertes Gelände mit viel Grün.

Neuer Entwurf für den Lochhamer Jahnplatz

Grünflächen statt Asphaltwüste

Gräfelfing - Das Gräfelfinger Architekturbüro Molenaar hat eine Neugestaltung des Lochhamer Jahnplatzes entworfen und im Bauausschuss vorgestellt. Einer Umsetzung ist man damit freilich nicht näher gekommen.

Bürgermeisterin Uta Wüst war vor anderthalb Jahren mit dem Anspruch angetreten, das Problem Jahnplatz mit hoher Priorität – und Geschwindigkeit – in Angriff zu nehmen und zu lösen. Der zweite Teil dieses Vorhabens ist arg ins Stocken geraten. Im vergangenen Herbst verabschiedete der Gemeinderat auf einer Klausurtagung zwar Leitlinien zur Gestaltung, die anschließend auf einer Bürgerversammlung präsentiert und diskutiert wurden. Auch der Gemeinderat schloss sich vor einem Jahr mehrheitlich diesem Vorgehen an. Doch seither ist nichts mehr Sichtbares passiert. Nun stellte das Architektenpaar Klaus Molenaar und Claudia Weber-Molenaar eine Platzgestaltung vor, die auf einer ein Jahr alten Skizze beruht. Die Straßen werden demnach schmaler, der Geländeversatz durch Terrassen-Ebenen mit Sitzmäuerchen aufgelöst. Vor dem geplanten Neubau gibt es eine Außenschankfläche (Café), die Zahl der Parkplätze steigt marginal von 33 auf 39 (samt den sechs Plätzen vor der Bäckerei Sickinger). Ein Tempolimit von 20 km/h soll einen „verkehrsberuhigten Geschäftsbereich“ erlauben. In der Sitzung des Bauausschusses stieß der Entwurf zwar bei der Bürgermeisterin auf Begeisterung, die fand, die Anforderungen seien „ganz toll gelöst“ worden. Doch nicht nur einige Gemeinderäte, sondern auch Architekt Reinhard Moosmang, der als Berater des Gremiums fungiert, fanden Kritikpunkte. Moosmang bezweifelte, dass auf diesem Platz das 20 km/h-Tempolimit eingehalten werde und warf den Autoren vor, mit den grau gehaltenen Fassaden eine unliebsame Realität „wegretuschiert und neutralisiert“ zu haben. Dies zeige die „Hilflosigkeit“ und das „Dilemma“ der Jahnplatz-Gestaltung: Die Freiflächen gehören der Gemeinde, die Gebäude sind allesamt in Privatbesitz und entziehen sich somit einem einheitlichen Gestaltungskonzept. Schwerer noch wog die Kritik am gesamten Verfahren. Florian Ernstberger (BVGL) monierte: „Wir planen hier einen schönen Park, aber die Baugrube besteht immer noch.“ Auch Walter Frank (CSU) zeigte sich „irritiert“ über diese Reihenfolge. Frank: „Wir müssen erst das Loch zubekommen, und dann klären, wo Bänke stehen sollen. Die Gemeinde ist zuständig, die Nahversorgung zu sichern.“ Die Bürgermeisterin bekräftigte, die Freiflächengestaltung werde natürlich erst nach dem Bau des geplanten Geschäftshauses umgesetzt. Der Eigentümer sei zunächst von dem Kartellstreit um Tengelmann ausgebremst worden. Inzwischen rufe sie den Architekten des Eigentümers wöchentlich an, um auf eine Umsetzung zu drängen; mehr könne sie nicht tun. Auf ihre Frage an Florian Ernstberger, ob er denn eine Lösung wisse, sagte dieser: „Ich bin nicht der Bürgermeister.“

Martin Schullerus

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