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Erste Gemeinden bauen mit Recycling-Beton

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Von: Nicole Kalenda

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Der Teilneubau der Neurieder Grundschule ist das erste Gebäude, das eine Würmtal-Gemeinde unter der Verwendung von Recycling-Beton errichten ließ.
Der Teilneubau der Neurieder Grundschule ist das erste Gebäude, das eine Würmtal-Gemeinde unter der Verwendung von Recycling-Beton errichten ließ. Foto: Dagmar Rutt © Dagmar Rutt

Neuried nimmt in Sachen Recycling-Beton eine Vorreiterstellung im Würmtal ein. Gräfelfing hat Großes vor. Auch die anderen Gemeinden öffnen sich für die ressourcenschonende Aufbereitung von Abbruchmaterial.

Würmtal – Der Teilneubau der Neurieder Grundschule ist das erste Gebäude, das eine Würmtal-Gemeinde unter der Verwendung von Recycling-Beton errichten ließ. Rund 9,5 Millionen Euro kostete der Ersatz für den nicht mehr sanierungsfähigen Altbautrakt. Nach knapp zwei Jahren Bauzeit bezogen drei Ganztagsklassen vergangenen April die neuen Räume.

Verfüllmaterial und für die Wände

Recycling-Beton kann als Verfüllmaterial genutzt werden, aber auch als Betonsplitt für die Herstellung von Frischbeton. Die Neurieder setzten ihn auf beiderlei Weise ein. Der Beton, der beim Abbruch des alten Feuerwehrgerätehauses sowie des alten Grundschultrakts abfiel, wurde separat gelagert und mit dem Betonbrecher zerkleinert. Die Baugrube des Teilneubaus wurde zu 80 Prozent mit dem vor Ort aufbereiteten Recycling-Beton gefüllt, was Kies und Transportkosten sparte.

„Wir wollten ihn auch für die Wände nehmen“, sagt Bauamtsmitarbeiter Christian Glaßer. Doch das hätten die Betonwerke nicht zugelassen. Also verwendete man Fertigteilwände mit einem Anteil Recycling-Beton, allerdings nicht den aus Neuried. Weil die Entscheidung für Recycling-Beton im Gemeinderat fiel, als die Planung bereits abgeschlossen war, konnten die Decken nicht berücksichtigt werden. „Wir hätten die Statik verändern müssen, das war zu aufwendig“, sagt Glaßer. Denn bei Verwendung von Recycling-Beton hätten Decken eine andere Belastungsgrenze, seien damit dicker und schwerer, was wiederum zu einer geringeren Raumhöhe führe.

Ökologische Baustoffe

Die Gemeinde Gräfelfing setzt beim Bau der Schwimm- und Dreifeldsporthalle am Schulcampus Lochham ganz auf ökologische Baustoffe und Umweltverträglichkeit. Um die bestmögliche „Nachhaltigkeit für den gesamten Lebenszyklus des Neubaus“ zu erhalten, so Stefan Schädle vom Bauamt, werde „bei der Erstellung der jeweiligen Leistungsverzeichnisse darauf hingewirkt, dass grundsätzlich ökologische Baustoffe ausgeschrieben werden, das Thema Lebenszyklus und auch der Rückbau, in ferner Zukunft, mit bedacht wird“.

Neben vielen anderen Faktoren wie dem Baustoff Holz, einer Photovoltaikanlage, einem begrünten Dach und Wärmerückgewinnung zählt auch Recycling-Beton dazu. „Im Endeffekt ist es das erste Projekt, wo Recycling-Beton eingesetzt wird“, sagt Markus Ramsauer, Leiter der Bauverwaltung. „Man ist jetzt weiter als in den vergangenen Jahren.“ Im vergangenen Dezember musste einer der Planer die Gemeinderäte allerdings enttäuschen. In der Region gebe es zu wenig Recycling-Beton, den Sekundärrohstoff von weiter weg zu holen, sei ökologisch nicht vertretbar. In der europaweiten Ausschreibung brauche es daher den Zusatz „je nach Verfügbarkeit“.

Recyclinganlage in Planegg geplant

Die Nachbargemeinde Planegg hat jüngst signalisiert, dass sie ihren Beitrag leisten möchte, diesen Engpass zu lindern. Sie stellte unter bestimmten Bedingungen die Zustimmung zur Einrichtung einer mobilen Recyclinganlage durch die Firma Bernhard Glück Kies-Sand-Hartstein GmbH im Außenbereich südlich der Fürstenrieder Straße bei Kompostieranlage und Kiesgrube in Aussicht. „Ich glaube, dass wir in Zukunft bei Ausschreibungen Recyclingbaustoffe aufnehmen müssen, weil gar nicht mehr genug von den anderen Baustoffen da sein wird“, sagt Bürgermeister Hermann Nafziger. „Wir werden in die Richtung gehen.“ Einen Gemeinderatsbeschluss oder eine generelle Vorgabe hierzu gibt es allerdings noch nicht. Dass Recycling-Beton für die Verlängerung der U6 von Großhadern nach Martinsried eine Rolle spielen wird, dürfte aufgrund der sehr hohen Anforderungen beim Tunnelbau auszuschließen sein, so Geschäftsleiter Stefan Schaudig.

In Krailling wurde bisher laut Bauamtsleiter Sebastian Beel noch kein Recycling-Beton verwendet. „Allerdings könnten wir uns dies unter Umständen bei der anstehenden Sanierung der Grundschule vorstellen.“

In Gauting fehlt es wie in Planegg und Krailling zurzeit an einem „expliziten Beschluss für die ausschließliche Verwendung von RC-Baustoffen“, wie Pressesprecher Andreas Röming sagt. „Im Hochbau hat das Thema Recycling-Beton bei uns bislang keine Rolle gespielt, wird aber bei kommenden Projekten Verwendung finden. Als Verfüllmaterial in Baugruben wird recycelter Beton beispielsweise in unseren Leistungsverzeichnissen in Zukunft mit ausgeschrieben.“

Bei Tiefbaumaßnahmen, etwa Frostschutzschichten, Bankettmaterial, Untergrundverbesserung und Bodenaustausch, „wurden und werden teilweise RC-Baustoffe verbaut“. Wichtig sei, „dass alle gestellten bau- und umwelttechnischen Anforderungen an die Materialien erfüllt werden und sich bezüglich des Einbaus keine Unterschiede zu Produkten aus Primärrohstoffen ergeben“.

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