Andreas Haindl vom gleichnamigen Intersport in der Planegger Bahnhofstraße bietet seinen Kunden auch mit „Click & Collect“ die Möglichkeit für einen Einkauf.
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Andreas Haindl vom gleichnamigen Intersport in der Planegger Bahnhofstraße bietet seinen Kunden auch mit „Click & Collect“ die Möglichkeit für einen Einkauf.

Geschäfte im zweiten Lockdown

„Es ist eine mittlere Katastrophe“

Der lange zweite Lockdown macht den Würmtaler Geschäften weiter zu schaffen. Viele verzeichnen gerade mal 20 Prozent des normalen Umsatzes oder weniger. Staatliche Hilfen sind noch nicht angekommen.

Würmtal – Über viele verschiedene Wege wie einen „Straßenverkauf“, telefonische Bestellungen, WhatsApp, Amazon und Zalando bietet der Planegger Intersport Haindl derzeit seine Artikel an. „Trotzdem sind wir nur im prozentual einstelligen Bereich des normalen Umsatzes. Normalerweise wäre jetzt unsere Hauptsaison, aber die Skigebiete sind zu, und der Winter ist für uns gelaufen“, sagt Inhaber Andreas Haindl. „Es ist eine mittlere Katastrophe.“

Haindl bemängelt insbesondere die Ungerechtigkeit, dass große Discounter weiter Sportartikel im Laden verkaufen dürfen, er als lokaler Händler aber nicht. „Inzwischen fehlt für mich da die Relation. Es gab im Einzelhandel keine einzige Infektion.“ Auch habe Haindl von den für die jetzige Zeit versprochenen staatlichen Hilfen noch keinen Euro bekommen. Auch von anderen Seiten wie seinem Vermieter sei kein Entgegenkommen da. „Es kam teilweise noch nicht mal eine Antwort.“ Sollte die Situation daher noch lange dauern, würde es für das Würmtaler Sportgeschäft existenziell werden.

„Mitte März ist die Schmerzgrenze“

„Es rufen schon einige Leute an oder bestellen online Bücher, es ist aber nicht besonders viel und natürlich viel weniger als normal“, berichtet Julia Sauerbrey, Inhaberin der Gräfelfinger Buchhandlung „Wort.Schatz“. So fehle etwa das Zusatzgeschäft mit der Papeterie und kleinen Geschenken weitgehend, sagt Sauerbrey. Noch am besten laufen in der Buchhandlung einige „dicke Schmöker“, Koch- und Backbücher, Kindersachen und Neuerscheinungen wie die neuen Biographien über Joe Biden und Kamala Harris. Andere Sachbücher und Romane „gehen im Moment gar nicht“, berichtet Sauerbrey.

Insgesamt seien die Umsätze ungefähr wie während des ersten Lockdowns. „Aus wirtschaftlicher Sicht wäre es daher natürlich gut, wenn der Lockdown so bald wie möglich endet. Mitte März ist für mich schon eine Schmerzgrenze, damit wir wenigstens noch ein bisschen was vom Ostergeschäft haben, das heuer aber natürlich sowieso nicht normal sein wird“, sagt Julia Sauerbrey. Es sei auch noch nicht klar, ob die Buchhandlung staatliche Hilfe bekommen werde – geschweige, dass bisher etwas angekommen wäre. Das Geschäft werde die Ausnahmezeit aber wohl überstehen, da Sauerbrey stets „sehr vorsichtig“ gewirtschaftet und Rücklagen angelegt habe.

Stammkunden bestellen jetzt online

„Keinen ganzen Stillstand“ verzeichnet auch die Planegger Boutique New Look, sagt Inhaberin Andrea Heger. „Es ist für die Moral wichtig und schön, dass einige Stammkunden auch jetzt bestellen. Natürlich sind wir aber weit von dem entfernt, wie wenn wir normal offen hätten“, erklärt Andrea Heger, die derzeit bei rund 20 Prozent des normalen Umsatzes ist. Die meisten der jetzigen Kunden würden anrufen, einige per Mail bestellen oder spontan an der Ladentür stehen. Wenn der Lockdown noch lange geht, „müsste ich irgendwann was von meinem privaten Geld dazu schießen. Das jetzt genannte Datum ist noch okay. Länger wird es aber sehr schwierig“, sagt Heger, die dennoch guter Dinge ist, die Krise zu überstehen. Am besten gingen derzeit noch Übergangs- und Frühjahrsmode wie Kleider, Jacken und Stricksachen in den neuen Saison-Farben.

Seit dem 11. Januar ist „Click & Collect“ auch bei Blumengeschäften erlaubt. Im Neurieder „Blumen & so“ „hat es etwas gedauert, bis sich dies rumgesprochen hat, wird aber seitdem gut angenommen“, berichtet Inhaberin Wanda Breitenhuber. Es sei zwar bei der Zahl der Bestellungen noch „etwas Luft nach oben, könnte aber auch schlechter laufen“, sagt Breitenhuber, die auch über Fleurop ausliefert, was „ganz gut“ gehe. Die Floristin komme so insgesamt über die Runden. Breitenhuber berät ihre Kunden derzeit telefonisch und bietet bei Bedarf auch Videoanrufe an. Ihre Blumen kauft Breitenhuber von einem Münchner Händler, der täglich mit einem Lkw bei dem Geschäft vorbei fährt.

Babyland Reinartz darf offen haben

Geschäfte bestimmter Segmente dürfen auch jetzt offen haben. Auch „Reinartz Babyland“ im Lochhamer Schlag kann im Gegensatz zum ersten Lockdown seine Türen offen lassen. „Für uns ist es daher fast normal. Wir haben keinen Umsatzverlust, die Leute kommen normal in den Laden“, sagt Geschäftsführer Eric Reinartz. Die Frequenz wechsle zwar. „Es ist aber nicht zu spüren, dass die Leute Furcht hätten, ins Geschäft zu kommen“, so Reinartz. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr musste das Geschäft für Baby- und Kinderbedarf noch geschlossen bleiben und bot telefonische Bestellungen, den neuen Online-Shop sowie Abhol-Möglichkeiten an. „Für uns war der erste Lockdown daher schwierig, der zweite ist wesentlich einfacher“, sagt Eric Reinartz.

Peter Seybold

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