Luis Hufnagel (r.) vom Gräfelfinger Lebensmittelgeschäft „Sandro’s Frutteria“ packt Too-Good-To-Go-Tüten.
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Zweimal die Woche packt Luis Hufnagel (r.) vom Gräfelfinger Lebensmittelgeschäft „Sandro’s Frutteria“ die Too-Good-To-Go-Tüten. Zum Preis von 3,30 Euro befinden sich darin stets Waren im Wert von mehr als zehn Euro.

Einzelhändler bieten über die App „Too Good To Go“ preisgünstig Lebensmittel an

Essen retten und Müll vermeiden

  • Peter Seybold
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Lebensmittel, die einen kleinen Makel haben oder deren Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft, die aber gut zum Verzehr geeignet und preislich stark ermäßigt sind: Das bietet die App „Too Good To Go“. Im Würmtal machen vier Geschäfte mit Erfolg mit.

Würmtal – „Rette Essen, schone die Umwelt“ ist das Motto der App „Too Good To Go“, die seit letztem Jahr auf dem Markt ist. Die Idee des gleichnamigen Berliner Start-ups ist simpel: Geschäfte, Restaurants und Cafés bieten über die App Tüten oder Pakete („Magic Bags“ genannt) mit Lebensmitteln an, deren Verpackung zum Beispiel leicht beschädigt ist, Obst, das einige Dellen hat, oder Waren, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft. Die Sachen, die sonst meist weggeschmissen würden, sind in der App oft um mehr als zwei Drittel günstiger als normal – was für die Kunden ein Schnäppchen bedeutet, für die Geschäfte weniger Abfall.

Vier Einzelhändler machen mit

Vier Würmtaler Läden machen bereits bei der App mit: die Bäckerei und Konditorei Vorort, das Reformhaus Wißgott und Sandro’s Frutteria in Gräfelfing sowie „denn’s Biomarkt“ in Gauting. „Eine Bäckerei kann heute nicht mehr so sein, wie es noch bei meinem Opa war. Die Leute wollen auch um 17 Uhr noch warme Brezeln und andere Sachen, sodass bis abends die Verkaufstheke wenigstens halb voll sein muss“, erklärt Josef Hrasky vom Café Vorort. Stets blieben Waren übrig, die die App-Nutzer dann billig kaufen können. Bisher gibt es das Angebot in der Martinsrieder Vorort-Filiale. „Wir werden es aber wohl auf jeden Fall wenigstens auch in Neuried einführen“, sagt Josef Hrasky.

Kostengünstige Überraschung

In jedem Vorort-Paket befinden sich, je nachdem was gerade übrig geblieben ist, Semmeln, Brote, Brezeln, Kuchen, Torten, süße Stückchen, Reste vom Business-Lunch oder andere Snacks der Bäckerei im Wert von wenigstens zehn Euro – was genau, ist für die Kunden wie überall eine Überraschung. Jede „Magic Bag“ kostet dann nur 3,30 Euro. Die Tüten müssen zunächst über die App gebucht werden und können in der letzten halben Öffnungsstunde der Martinsrieder Filiale, im Moment 16.30 bis 17 Uhr, abgeholt werden. Die Nachfrage sei sehr groß, sagt Hrasky. „Wir wollen auch mit anderen Maßnahmen noch nachhaltiger werden, zum Beispiel mit To-go-Geschirr statt Plastik.“

Kunden nehmen Angebot wahr

Brot und andere Backwaren vom Vortag, Obst und Gemüse mit ein paar Dellen sowie Reformhaus-Produkte, bei denen etwa das Etikett eingerissen ist, packt das Gräfelfinger Reformhaus Wißgott in seine Too-Good-To-Go-Tüten. „Wir bieten die Tüten meist zwei– bis dreimal die Woche an, es gingen bisher fast immer alle weg“, berichtet Geschäftsführer Peter Stierhof. Stierhof hat über Instagram von der App erfahren und sich schnell zum Mitmachen entschlossen: „Ich habe bei meiner Ausbildung bei großen Handelsketten gesehen, wie viel dort weggeschmissen wird“, erzählt Stierhof. Dies möchte er für das Reformhaus vermeiden und setzt daher ohne Abstriche auch die Kooperation mit der Würmtal-Tafel fort. Stierhof und seine Mitarbeiter packen Waren von über zwölf Euro in die Tüten, die dann vier Euro kosten. Davon gehen noch mal ein bis zwei Euro Gebühr für das Start-up weg. „Betriebswirtschaftlich lohnt sich dass für uns natürlich nicht, wir wollen aber Müll vermeiden“, sagt Stierhof. Seit dem Start im Februar gab das Reformhaus bereits 46 Tüten mit einem Gewicht von 115 Kilo aus.

Für Einzelhändler nicht lohnend

Zweimal die Woche, montags und samstags, füllt das Gräfelfinger Lebensmittelgeschäft „Sandro’s Frutteria“ Too-Good-To-Go-Tüten. „Mal ist es nur eine, meist sind es aber drei bis vier Tüten, stets mit Obst und Gemüse, dass optisch nicht so schön ist“, aber noch voll genießbar, erklärt Mitarbeiter Luis Hufnagel. Das Geschäft hat vor knapp vier Wochen mit der App angefangen. „Wir wurden von dem Unternehmen angerufen. Bisher sind immer alle Tüten schnell weggegangen“, sagt Hufnagel. In den Tüten zum Kundenpreis von 3,30 Euro befinden sich stets Waren im Wert von mehr als zehn Euro. „Finanziell lohnt sich das für uns nicht. Aber es ist schade, wenn viel weggeschmissen wird“, sagt auch Hufnagel.

Normalerweise täglich von dienstags bis samstags packt „denn’s Biomarkt“ in Gauting Too-Good-To-Go-Tüten, stets mit Backwaren. Andere Artikel aus dem Biomarkt werden an Initiativen wie der Gautinger Tafel abgegeben. Die Tüten mit Ware zum Preis zwischen 13 und 14 Euro kosten die Kunden 3,90 Euro. Meistens sind es ein bis drei Tüten, die zur Abholung bereitstehen und von den Kunden stark angenommen werden.

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