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Sehen, riechen, schmecken: 124 internationale Experten testeten in Gräfelfing mehr als 2000 Biere.

„European Beer Star“-Wettbewerb

Das Bier duftet nach Banane, Karamell oder Marzipan

2103 Biere haben in Gräfelfing um die begehrte Bierkrone in Gold, Silber und Bronze gewetteifert. So viele wie noch nie zuvor.

Gräfelfing – Der Gräfelfinger Bier-Himmel hatte wieder geöffnet. Über 20 000 Flaschen Bier aus 44 Ländern lagerten in den vergangenen Tagen in fünf Kühlcontainern auf dem Hof der Akademie. 2103 Biere wurden heuer für den „European Beer Star“-Wettbewerb eingereicht. Das sei eine siebenprozentige Steigerung zum Vorjahr, so Oliver Dawid, Geschäftsführer der Privaten Brauereien Bayern, die den Wettbewerb organisieren. Letztes Jahr waren es noch 1957 Biere.

Diese Sortenvielfalt verkosteten jetzt 124 internationale Bier-Experten und vergaben ihre Punkte für die ersten drei Plätze in jeweils 57 Kategorien. Unter Kategorien versteht man die verschiedenen Bierstile. Kennt nämlich der deutsche Durchschnitts-Biertrinker allenthalben ein paar Richtungen, wie Pils, Helles, Weißbier oder Export, probierten die Braumeister und Bier-Sommeliers Bierstile wie Porter, Stout oder den Biertrend des Jahres ein India Pale Ale, ein Bier mit einem kräftigen und intensiven Geschmack durch einen höheren Alkohol- und Hopfengehalt.

Bei der ausschließlichen Blindverkostung wird der Gerstensaft jedoch nicht einfach so heruntergekippt. Wie bei einer edlen Weinprobe unterliegen die Verkoster auch beim Biertrinken genauen Kriterien. Denn Schaum ist nicht gleich Schaum. Auch auf die Farbe kommt es an: Goldgelb oder bernsteinfarben, trüb oder klar? Alle menschlichen Sinne werden beansprucht. Wobei der Geruchs- und Geschmackssinn freilich die Hauptrollen spielen. „Dieses hier riecht zum Beispiel nach kräftig geräuchertem Speck“, kommentierte Victoria Schubert-Rapp. Die Geschäftsführerin der Murnauer Karg-Brauerei schnupperte intensiv, bevor sie einen Schluck des Rauchbieres kostete. „Wir trinken übrigens richtig und spucken nicht wie die Wein-Sommeliers aus“, erläuterte Schubert-Rapp. Es sei jedoch nur ein ganz kleiner Schluck, versicherte Oliver Dawid. Am Ende des Tages hätte jeder Tester höchstens etwas mehr als eine Maß Bier konsumiert. Karg-Chefin Schubert-Rupp: „Für uns ist das Probieren so vieler Sorten ein Vergnügen und unser Job.“

Dass ein Bier bitter, süßlich oder würzig schmecken kann, weiß der geneigte Biertrinker. Die Vielfalt an Gerüchen überrascht allerdings. Der erste Bier-Sommelier-Weltmeister und langjährige Juror beim European Beer Star Karl Schiffner zählte einige der Aromen auf: „Biere können etwa nach Banane, Melone, Maracuja, Karamell oder Marzipan und Most riechen. Also fruchtig, aber auch würzig und rauchig.“ Der Sommelier und Gastwirt aus Österreich findet, dass Bier als Getränk immer noch unterschätzt wird. In seinem Restaurant reicht er deshalb auch gerne mal das Bier in Champagnergläsern und bestückt ein komplettes Menü statt mit erlesenen Weinen mit dem passenden Bier. „Diese Vielfalt ist auch unser Ziel“, so Veranstalter Dawid, „wir möchten den Konsumenten einen Blick über den Tellerrand ermöglichen und zeigen, wie viel Kreativität im Bierbrauen liegen kann.“

Wer den diesjährigen Bier-Wettbewerb gewinnt, wird erst am Mittwoch, 9. November, bekannt gegeben; im Rahmen der internationalen Messe BrauBeviale in Nürnberg.

Carolin Högel

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