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Absteigen und schieben: Wer mit dem Fahrrad durch die Unterführung am Planegger S-Bahnhof möchte, muss es neben sich führen.

Fahrradunfälle häufen sich bei schönem Wetter

„Auf dem Rad sinkt die Hemmschwelle“

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Ist der Sommer schön, steigt die Zahl der Fahrradunfälle: Die Polizei im Würmtal beklagt „mangelndes Gefahrenbewusstsein“ bei Radlern.

„2015 war ein sensationeller Sommer“, sagt Erich Greiner, stellvertretender Leiter der Planegger Polizeiinspektion. Prompt stieg die Zahl der Fahrradunfälle im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent – von 60 auf 72. Der einzige Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang hatte eine Radfahrerin zum Opfer. Auf der Alten Olympiastraße stieß sie im September vergangenen Jahres ohne eigenes Verschulden mit einem Schulbus zusammen.

Seit es konstant warm und trocken ist, häufen sich auch heuer die Unfälle. Mehr Menschen steigen aufs Rad um. Oft genug tragen Radler eine Mitschuld. Etwa am Donnerstag vor acht Tagen, als eine 48-jährige Münchnerin den südlichen Radweg an der Würmtalstraße in Gräfelfing in die falsche Richtung befuhr. Ein Lastwagenfahrer, der gerade aus der Zufahrt zum Kieswerk Glück kam, übersah die Frau, die mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht wurde. Drei Tage vorher hatte ein 15-jähriger Radfahrer in der Stefanusstraße in Gräfelfing mit dem Kopf die Heckscheibe eines Autos durchschlagen. Der Wagen parkte gerade rückwärts aus, der Bub war zu schnell unterwegs in dem verkehrsberuhigten Bereich. „Die Missachtung der Verkehrsregeln kombiniert mit fehlendem Verständnis für die Gefahrenlage“, so Greiner, könne sich verheerend auswirken. Lande man im Krankenhaus, tröste es nicht, dass auch der Autofahrer mit verantwortlich sei. „Ich bin der Meinung, dass sich der Radfahrer grundsätzlich mehr Gedanken um seine Gesundheit machen sollte, als um die Frage, wer hinterher bezahlt, wenn dieselbe zu Schaden gekommen ist“, sagt Greiner.

Ein neuralgischer Punkt im Gebiet der PI 46 ist die S-Bahnunterführung in Planegg. Ein Schild weist darauf hin, dass Fahrradfahren dort verboten ist. Wer unter den Schienen durch möchte, muss absteigen und schieben. Immer wieder wird dies ignoriert. Kommen gerade Leute die Treppen vom Bahnsteig herunter, kann es brenzlig werden. Ein weiteres Problem, so Greiner, seien Radfahrer, die über den Zebrastreifen fahren. Auch hier gilt: absteigen. „Erst dann hat der Radfahrer Vorfahrt.“ Würden Radler von Beamten auf ihr Fehlverhalten angesprochen, zeigten sie oft „kein Verständnis für die Polizei“. Stattdessen sei von Abzocke und kleinlichem Verhalten die Rede.

Die Planegger Polizei analysiert laut Greiner mehrmals im Jahr die Gefahrenlage. Mit dem Ergebnis, dass es keine besonders unfallträchtigen Brennpunkte gebe. Greiner: „Es ist einfach flächendeckend. Überall und zu jeder Zeit kann etwas passieren.“

Die Gautinger Polizei führte in der letzten Juniwoche mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei eine Fahrradkontrollaktion durch. In der Zeit verhängte sie 120 Bußgelder ab zehn Euro aufwärts. 108 Mal holte sie Radler vom Gehweg, wo nur fahren darf, wer noch nicht seinen zehnten Geburtstag gefeiert hat. „Generell haben wir in dieser Woche einige erreichen können“, sagt Josef Schmid, Mitarbeiter Verkehr in der Gautinger Inspektion. Das Fehlverhalten habe in der Folge „ein bisschen abgenommen“. Grundsätzlich stellt Schmid aber fest: „Sobald sich die Leute aufs Rad setzen, ist die Hemmschwelle wesentlich niedriger, sich über bestehende Verkehrsregeln hinwegzusetzen.“

Nicht nur Erwachsene bereiten ihm Kummer, auch die Kinder und Jugendlichen, die Tag für Tag die Germeringer Straße entlangradeln, um zum Schulcampus zu kommen oder nach dem Unterricht nach Hause zu fahren, brächten sich selbst in Gefahr. Da werde Musik über Kopfhörer gehört, mit dem Smartphone gespielt, nebeneinander gefahren oder gar freihändig. Schmid: „Wenn die Autofahrer da oben nicht so umsichtig fahren würden, hätten wir jeden Tag mehrere schwere Unfälle.“

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