Aus dem Gerichtssaal

Familiendrama hinter Vorgarten-Idylle

Das Starnberger Jugendschutzgericht muss sich dieser Tage mit einem Familiendrama aus Krailling auseinandersetzen. Auf der Anklagebank saß am Donnerstag ein Vater; die Vorwürfe wiegen schwer.

KraillingDie Staatsanwaltschaft legte dem Mann neben Vergewaltigung und Misshandlung von Schutzbefohlenen auch vorsätzliche Körperverletzung sowie Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz zur Last. Zu einem Urteil kam Richter Ralf Jehle nach einem langen Verhandlungstag noch nicht. Der Prozess dauert an.

Mit beiden Töchtern und Ehefrau lebte der angeklagte Bilanzbuchhalter (42) im Tatzeitraum in einer Kraillinger Doppelhaushälfte. Hinter aufgeräumter Vorgarten-Idylle sollen sich einige unschöne Szenen abgespielt haben. Laut Anklagevorwurf soll der 42-Jährige seiner heute 17-jährigen Tochter vor etwa fünf Jahren zur Strafe schmerzhaft ans Ohr gefasst und dem Mädchen im September 2016 das Handgelenk verdreht haben. Während einer Fußball-WM-Übertragung 2014 soll er das damals zwölfjährige Mädchen aus Wut zu Boden geworfen haben, so der Staatsanwalt. Folge war eine Beule am Hinterkopf. Der jüngeren Tochter (9) soll der kräftige Angeklagte im Oktober 2016 so lange das Handgelenk verdreht haben, bis das Kind weinte.

Auch mit der Mutter gab es Streit. Im September 2016 soll der Mann seiner Ehefrau gewaltsam einen Finger in die Vagina gedrückt haben. Laut Anklagevorwurf konterkarierte er das 2016 nach dem Gewaltschutzgesetz verhängte Kontaktverbot und rief nach seinem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung weiterhin zu Hause an.

Den letzten Übergriff soll sich der heute in Gauting und London wohnhafte 42-Jährige im Dezember 2016 geleistet haben. „Er umgriff das Gesicht seiner Ehefrau und drückte mit der Hand fest zu“, führte der Staatsanwalt in der Verhandlung aus.

Der selbstbewusste Angeklagte wurde vor Gericht von zwei Anwälten begleitet und trug stehend seine detaillierte Version der Geschehnisse vor. Demnach ließ er sich nichts zu schulden kommen: „Sie werfen mir hier Schweinereien vor, die so nicht passiert sind.“

Anders die Aussagen der Geschädigten, die die Anklagepunkte bestätigten. Die sachverständige Diplom-Psychologin würdigte die Stellungnahmen der Opfer als durchwegs glaubwürdig und logisch. Für den Angeklagten, der heute nur noch Umgang mit der jüngeren Tochter pflegt, wird es Ende Januar ernst, wenn das Urteil fallen soll.

Nilda Höhlein

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