Kaplan Gregor Schweizer will weniger auf YouTube, Instagram und Co unterwegs sein.
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Kaplan Gregor Schweizer will weniger auf YouTube, Instagram und Co unterwegs sein.

Umfrage zum Aschermittwoch

Fasten in Corona-Zeiten

Der Fasching ist dieses Jahr ausgefallen. Die Fastenzeit fällt mitten in den Corona-Lockdown. Aber macht Verzicht dieses Jahr überhaupt Sinn? Wie stehen die Würmtaler dazu?

Würmtal – Restaurants und Cafés sind geschlossen, Kleidung kaufen geht nur noch von zuhause aus, und das Nachtleben ist gänzlich auf Eis gelegt. Viele Menschen nehmen die 40 Tage zwischen Aschermittwoch und Ostern zum Anlass, sich wenigstens vorübergehend von einem ihrer Laster zu trennen. Doch wer will in Zeiten der Corona-Pandemie schon doppelten Verzicht üben? Für die Würmtaler, so scheint es, ist das Virus keine Ausrede.

30 Jahre Heilfastenseminare

Heilpraktiker Wolfgang Haas ist ohnehin vom Fasten überzeugt. Seit etwa 30 Jahren bietet er Heilfastenseminare an und lässt sich auch von Corona nicht aufhalten. Entgiftung, Verbesserung des Stoffwechsels und Abbau von Bauchfett soll eine Kur bringen. Online Fastenangebote würden momentan geradezu boomen, sagt Haas. Ab Mitte März beginnt sein nächstes Heilfastenseminar bei der Vhs Würmtal. Geplant ist es momentan als „Switch-Seminar“ im Treffpunkt Stockdorf und online. Haas möchte mit der zehntägigen Fastenkur den Anstoß für eine gesündere Lebensweise geben.

Dass Fasten dem Körper gut tut, diese Erfahrung hat Kraillings Bürgermeister Rudolph Haux am eigenen Leib gemacht. Einmal im Jahr habe er fast zwei Wochen gar nichts gegessen. Den Anstoß gab ein Freund, der zum Fastenwandern eingeladen hatte. Haux hatte keine Zeit und beschloss, zuhause zu fasten – nach einem ärztlichen Check- up. „Nach vier Tagen harter Zeit hat man keinen Hunger mehr“, so Haux, der auch den „Nebeneffekt“ des Fastens, einen Gewichtsverlust von bis zu sieben Kilogramm, sehr schätzte. Dem Körper tue jede Art von Erholung gut, auch wenn es der Verzicht auf Alkohol sei, meint Kraillings Ortschef. Die Fastenkur sei für ihn wie ein „Reset zu Jahresbeginn“ gewesen, dessen Wirkung bis zum Herbst angehalten habe. Seit gut drei Jahren habe er die zwei Wochen des Verzichts nicht mehr hinbekommen. Die ersten Tage seien einfach zu anstrengend.

Schon vor längerer Zeit hat Martin Götz, der Präsident der DJK Würmtal, den Versuch, durch Fasten abzunehmen, aufgegeben. „Der gewisse Jojo-Effekt hat immer wieder zugeschlagen“, so Götz. Verzicht übt er dennoch ab und an, indem er mal einen Tag das Handy weglegt.

Geistigen Ballast abstoßen

Dass Fasten auch in Zeiten von Corona sinnstiftend sein kann, davon sind Kaplan Gregor Schweizer und Diakonin Stefanie Hollitzer beide überzeugt. Der katholische Pfarrverband Gräfelfing lädt ab dem heutigen Aschermittwoch zu „10 Tage fasten“ ein (Anmeldung online bis heute mittag). Unter dem Motto „Geh in die Wüste, um zu entdecken, dass sie blüht“, soll körperlicher und geistiger Ballast abgestoßen werden, um das Wesentliche zu entdecken. Für Kaplan Schweizer sind die sieben Wochen bis Ostern eine gute Zeit, um zur Besinnung zu kommen. Der 31-Jährige wird zusätzlich versuchen, weniger auf YouTube, Instagram und Co. unterwegs zu sein.

„Ohne Kaffee - das war einfach zu hart“

Und auch für seine evangelische Kollegin, Diakonin Stefanie Hollitzer, gehört das Fasten fest zum Kirchenjahr. Es ist für sie ein guter Anlass, sich viele Dinge bewusst zu machen. Meistens sind es Süßigkeiten, die sie fastet (so auch dieses Jahr). Die Entscheidung fällt sie immer zusammen mit ihrem Mann: Sie hätten sich einmal vegan ernährt, einmal auf Plastik und auch schon auf Kaffee verzichtet. „Das mit dem Kaffee haben wir aber abgebrochen. Das war einfach zu hart“, gibt die Diakonin lachend zu. Doch es sei einfacher, wenn man eine übergeordnete Instanz, also den Glauben und Gott mit im Boot habe. Zusätzlich spüre sie in der Gemeinschaft, also bei denen, die mitfasteten, den Zusammenhalt. So halte man besser durch. Dann spricht sie aus, was wohl alle zum Ziel haben, die jetzt Verzicht üben: „Das Fastenbrechen ist auch ein schönes Gefühl....“

Margot Deny

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