Ferry bringt alle sicher nach Hause

- Ab Mitternacht: Hochbetrieb in Taxizentrale

VON CLAUDIA ROTHHAMMER Würmtal - Ferry Arayesh ist heute ein gefragter Mann. Fast ununterbrochen wird bei ihm das Telefon klingeln und dann heißt es schuften. Denn jeder hat nur eine Bitte an ihn: "Bitte bringen Sie mich nach Hause - so schnell wie möglich." Für Arayesh und sein Taxi-Team beginnt dann kurz nach Mitternacht eine lange, aber auch lustige Arbeitsnacht im Würmtal.

Der Silvesterabend beginnt in der kleinen Taxizentrale im Steinkirchener Gewerbegebiet wie in vielen anderen Häusern auch. In gemütlicher Runde sitzen Ferry Arayesh und seine zwei Mitarbeiter zusammen. Auf dem Tisch sind große Platten mit Fisch und Braten angerichtet. Dann wird gewartet, bis es eben null Uhr ist - angestoßen wird aber nur mit Orangensaft oder Wasser, denn die Pflicht ruft ja noch. Und sie ruft bald: Kaum ist das neue Jahr wenige Minuten jung, klingelt auch schon zum ersten Mal das Telefon in der Taxizentrale. "Erstaunlich, aber um die Zeit denken die ersten Leute schon ans Heimfahren", sagt Arayesh, der von allen nur Ferry genannt werden will.

Also los geht`s für die drei Männer, ab in die drei Ferry-Taxis. Spätestens ab 0.30 Uhr ist Stress pur angesagt. Obwohl vier Kollegen aus München den Betrieb "Taxi Ferry" in der Silvesternacht mit Leibes- und Fahrzeugkräften unterstützen, können nicht alle Kunden sofort chauffiert werden. "In Nächten wie dieser komm` ich mir vor wie ein Fischer mit Netz", sagt Ferry. "Man versucht, so viele Fische zu fangen, wie es nur geht, aber alle kann man nicht erwischen." Denn in der Silvesternacht sind sieben Taxis, auch wenn sie rund um die Uhr durch das Würmtal düsen, alles andere als ausreichend. "Da könnten wir locker mehr als 20 Taxis einsetzen, in den Stoßzeiten sogar 50", so der Geschäftsmann. Auf der anderen Seite sei es schwierig, Silvester ein Team zusammenzustellen. "Jeder möchte gerne mit Familie oder Freunden feiern", fügt Ferry hinzu. Seine Frau und die beiden Buben sind Silvester jedenfalls schon wieder einmal allein.

Dafür sind die Silvesterfahrten meist am lustigsten von allen - wegen den beschwipsten Kunden am Rücksitz. Viele sind gut drauf, machen Scherze oder erzählen einfach einen Schwank aus ihrem Leben. "Da machen die Touren richtig Spaß", findet Ferry. Aber es gibt auch die andere Promilleseite: Rotzbesoffene. "Die, die im Taxi schlafen, sind zwar die ruhigsten Kunden, aber meist auch anstrengend. Da kann ich mir dann anhören, ich sei eine Extra-Runde gefahren, um den Preis hochzuschrauben. So ein Schmarrn", ärgert sich Ferry. "Zum Glück hat mir aber wenigstens noch niemand ins Auto gekotzt." Dafür aber schon zweimal gepinkelt. "Dann kannst mit dem Auto keine Tour mehr fahren", sagt Ferry. Und das Silvestergeschäft geht flöten. Und dabei ist bis fünf, manchmal sogar bis acht Uhr morgens Hochbetrieb.

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