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Vergewaltiger Matthias M. (links) ist offenbar auch der bizarr maskierte Feuerteufel von Neuried (rechts).

Unglaublicher Verdacht hat sich bestätigt

Vergewaltiger von Herrsching war wohl Feuerteufel

Neuried - Zwei Spuren haben den Verdacht bestätigt: Der Mann, der die Studentin in Herrsching brutal vergewaltigt und überfahren hat, ist mit großer Sicherheit auch der Einbrecher, der die Wohnung einer schlafenden Rentnerin in Neuried in Brand steckte. Im Auto des Mannes wurde nicht nur das Einbruchswerkzeug, sondern auch die DNA der Rentnerin gefunden.

Frank Hellwig ist seit vielen Jahren Kriminaldirektor in München, er hat schon einige grausame Verbrechen bearbeitet. Im Mai gab es gleich zwei Fälle, die er als einmalig bezeichnet. „Sowas haben wir bislang nicht erlebt“, sagt er. Seit gestern steht fest: Die beiden brutalen Verbrechen wurden von demselben Täter begangen. Der 28-jährige Matthias M., der Mitte Mai in Herrsching (Kreis Starnberg) eine Studentin vergewaltigt und überfahren hat, ist mit großer Sicherheit auch für den Einbruch in Neuried (Kreis München) verantwortlich, bei dem eine 63-jährige Rentnerin fast ums Leben gekommen wäre. Der Einbrecher hatte damals in der Wohnung Feuer gelegt, um mögliche Spuren zu vernichten – obwohl er wusste, dass die Bewohnerin in ihrem Zimmer schlief. Die 63-Jährige hatte nur überlebt, weil sie von dem Qualm wachgeworden war. Die Polizei ermittelte wegen versuchten Mordes.

Etwa zwei Wochen später wurde Einbruchwerkzeug im Wagen von Matthias M. gefunden. Er hatte in Herrsching eine Studentin auf dem Nachhauseweg brutal überfallen, vergewaltigt und überfahren. Die Frau überlebte nur, weil sie nach einigen Stunden gefunden und notoperiert wurde. Matthias M. vertraute sich am nächsten Tag einem Bekannten an – und nahm sich wenige Stunden später das Leben.

Vergewaltigung von Herrsching: Die Karte zum Tatprotokoll

In seinem Auto fand die Polizei Einbruchswerkzeug – unter anderem einen sechs Millimeter Schraubendreher. Mit so einem Werkzeug hatte der Einbrecher in Neuried versucht, die Terrassentür aufzubrechen. Die Kripo hat die Spuren an der Tür mit einer Silikonmasse abgeformt und auf vergleichbarem Material mit dem Schraubendreher aus dem Auto eine Spur verursacht. Beide Abdrücke sind identisch – das ist ein eindeutiger Beweis dafür, dass dieser Schraubendreher für den Einbruch benutzt wurde. Jedes gebrauchte Werkzeug hinterlässt eine individuelle Spur, erklärt Josef Weilhammer vom Landeskriminalamt.

Der zweite Beweis, den die Kripo gefunden hat, ist noch eindeutiger: Im Wagen von Matthias M. wurden auch DNA-Spuren der 63-jährigen Neuriederin gefunden. Vermutlich stammen sie von der Jacke der Frau, die der Einbrecher damals mitnahm und mit der Innenseite nach außen trug, als er mit der gestohlenen EC-Karte in zwei Banken Geld abhob. Dabei hatte ihn eine Überwachungskamera gefilmt. Die Beute – Schmuck, Bargeld und die EC-Karte – sind bislang nicht wieder aufgetaucht. Zwischen der Rentnerin und Matthias M. gab es keine Verbindung, sagt Frank Hellwig. „Aber das Gebäude in Neuried hat er gekannt.“ Mehr darf er dazu nicht sagen.

Matthias M. hatte bereits eine lange Einbruchkarriere hinter sich, er war deswegen auch vorbestraft. Insgesamt saß der Herrschinger zehn Jahre im Gefängnis, erst seit September war er wieder auf freiem Fuß. Wegen Gewalt- und Sexualverbrechen lag bislang nichts gegen ihn vor. „Es ist völlig unbegreiflich, was der Auslöser für den versuchten Mord in Neuried und das brutale Verbrechen in Herrsching war“, sagt Hellwig. Die junge Studentin sei ein Zufallsopfer gewesen. Sie ist inzwischen auf dem Weg der Besserung. Auch die Rentnerin hat sich von der Rauchvergiftung erholt – verarbeitet habe sie den Einbruch noch lange nicht. Es dauert lange, bis man sich in der eigenen Wohnung wieder sicher fühlt, sagt Hellwig.

Die Polizei ermittelt nun, ob Matthias M. für weitere noch nicht aufgeklärte Verbrechen verantwortlich sein könnte.

Katrin Woitsch

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