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Rät dazu, die Angst des Hundes zu ignorieren: Tierärztin Stefanie Ruhl, hier mit dem Mischlingsrüden Monty.

Silvesterfeuerwerk ängstigt Hunde

Panik vor Raketen und Böllern

Würmtal - Silvester ohne Feuerwerk ist für viele unvorstellbar. Doch was für den Menschen ein schöner Brauch ist, versetzt Hunde oft in Panik. 

Sobald die ersten Silvesterböller gezündet werden, beginnt für viele Hunde die schlimmste Zeit des Jahres. „Ich weiß aus meiner Praxis, dass ganz viele Hunde zu Silvester ein Angstverhalten entwickeln“, erzählt die Kraillinger Tierärztin Stefanie Ruhl.

Die Symptome reichen von starkem Zittern über Winseln bis hin zu absoluter Panik. „Viele Besitzer machen den Fehler, dass sie darauf eingehen“, so Ruhl. Doch anstatt sich zu beruhigen, hat der Hund das Gefühl, tatsächlich in Gefahr zu sein. Die Tierärztin rät daher, die Angst des Hundes zu ignorieren. „Und wenn sich der Hund in den Keller verkriecht, kann man ihn ruhig dort lassen“, sagt Ruhl.

Sie empfiehlt, den Hund bereits im Sommer mit Hilfe entsprechender CDs an laute Knallgeräusche zu gewöhnen. Wichtig sei auch, den Hund bei Spaziergängen rund um Silvester an der Leine zu führen und ein stabiles Geschirr zu verwenden.

So berichtet das Polizeipräsidium München von einem Fall, der sich am Dienstag in Hadern ereignete. Dort war ein Mischling seinem Besitzer während eines Spaziergangs entwischt, nachdem Jugendliche die ersten Böller gezündet hatten. Passanten fanden den Hund Stunden später und verständigten die Polizei. Diese lockte den völlig verängstigten Mischling schließlich unter einem Auto hervor. Um solche Aktionen zu vermeiden, bittet das Polizeipräsidium, Rücksicht auf die Tiere zu nehmen und diese von lauten Geräuschen fernzuhalten.

Dagmar Rutt, Fotografin des Würmtal-Merkur, weiß aus eigener Erfahrung, welche Auswirkungen Böller auf Tiere haben können. Ihr neunjähriger Rüde Tom gerät an Silvester völlig außer Kontrolle. „Er zittert jedes Mal wie Espenlaub“, so Dagmar Rutt. Und es werde von Jahr zu Jahr schlimmer. Da ihr Hund lediglich vor den typischen Silvester-Geräuschen Angst hat, versucht die Fotografin, ihn mit Musik und lauter gestelltem Fernseher abzulenken.

Der Gräfelfinger Tierarzt Michael Münch verweist auf spezielle Ohrenstöpsel für Hunde. „Vorausgesetzt, das Tier toleriert diese Maßnahme“, so Münch. Von pharmazeutischen Beruhigungsmitteln rät er hingegen ab. Die Hunde würden noch mehr in Panik geraten, weil sie den Lärm weiterhin mitbekommen, aufgrund der Reaktionslosigkeit aber nicht mehr fliehen können.

Pflanzliche Mittel seien aber einen Versuch wert. „Die funktionieren recht gut“, so Münch. Seine eigenen Hunde haben übrigens ebenfalls ihre Probleme mit Silvester. „Da ist bis zur Panik alles drin.“

Karin Priehler

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