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Im Martinsrieder Sportzentrum von Klaus Holzapfel (vorne) sorgt ein riesiges Schiebedach für Frischluftzufuhr. Das komplette Kursangebot steht hier wieder zur Verfügung.

Nach langer Durststrecke

Fitnessstudios im Würmtal starten wieder durch

Seit gut einer Woche haben die Würmtaler Fitnessstudios wieder geöffnet. Teilweise gab es viele Mitglieder-Kündigungen, und die Frequenz ist immer noch gering. Die Schließungszeit wurde etwa im Martinsrieder Sportzentrum für Sanierungen genutzt.

Würmtal – Eine schwierige Situation herrscht im Martinsrieder Fitnessclub Michael K., sagt Geschäftsführer Michael Kallert. Statt normalerweise täglich 250 bis 300 Check-ins, gebe es in dem Studio derzeit nur rund 50 bis 70. Vor allem die älteren Mitglieder hätten wohl aufgrund der allgemeinen Situation Angst, vermutet Kallert, und sich Alternativen wie Spazierengehen gesucht. Es gab eine Reihe von Kündigungen. Das Studio hält selbstverständlich alle Hygieneregeln wie Abstandhalten ein, sodass das Ansteckungsrisiko sehr niedrig sei, selbst wenn ein infiziertes Mitglied das Studio besuchen sollte. „Viele verstehen leider auch nicht, dass Auflagen wie die Schließung der Duschen nicht von mir kommen, sondern von der Regierung“, berichtet Kallert.

Eine Reihe von Mitgliedern hätten zunächst Solidarität gezeigt und die Beiträge während der Schließungszeit weitergezahlt. Nun spreche sich immer mehr herum, dass sie diese zurückverlangen könnten, was für Kallert ein gewaltiges wirtschaftliches Problem darstellt. Der Studiobesitzer spricht derzeit mit seinem Vermieter wegen möglicher Mieterstattungen und den Mitgliedern wegen Kompensationen wie Zeitgutschriften, macht sich aber ernsthaft Sorgen, „ob ich die kommende Zeit wirtschaftlich überlebe. Es macht jedenfalls so keinen Spaß“, sagt Michael Kallert, der auch bereits einen Kredit aufgenommen hat. Ein langjähriger Kunde habe ihm wegen eines missverständlichen Satzes in einem Brief sogar eine Klage durch die Verbraucherschutzzentrale in Höhe von 5000 Euro eingebracht, obwohl Kallert dabei überhaupt keine böse Absicht hatte.

Der Geschäftsführer wartet nun die nächsten Monate ab und überlegt zum Beispiel, zu bestimmten Zeiten kein Personal im Studio zu haben, um Kosten zu sparen. Dabei ist die Gelegenheit gerade jetzt gut, in dem modernen und gut ausgestatteten Studio zu trainieren. Ein großer Teil des Kursangebotes wurde wieder aufgenommen. Im normalen Trainingsbereich werden die Mitglieder zwar gebeten, wenn möglich nur bis zu 90 Minuten zu trainieren. Es gibt aber keine verpflichtende Zeitbegrenzung, und durch die große Fläche können bis zu 90 Mitglieder gleichzeitig trainieren, sodass dies nie ein Problem ist. Auch die Öffnungszeiten schränkte Kallert bisher nur leicht ein. Wer etwas für seine Fitness tun möchte, hat jetzt in dem Studio also ideale Gelegenheit dazu.

Das Martinsrieder Sportzentrum hat allen seinen Mitgliedern die kompletten Beiträge für die coronabedingte Schließungszeit von Anfang an erlassen. „Wir wollen, dass unsere Mitglieder keinerlei Schäden durch die Zeit haben, und haben dies durch Eigenkapital finanziert. Natürlich haben wir deswegen aber nun ein sehr großes Minus“, sagt Geschäftsführer Klaus Holzapfel. Erst kurz vor dem Shutdown wurden rund 180 000 Euro in das Zentrum für Erneuerungen investiert. Die Corona-Schließungszeit kostete das Sportzentrum dann 270 000 Euro. „Ich blicke aber nun nach vorne und bin für die Zukunft auch optimistisch“, sagt Holzapfel.

Derzeit sind so viele Mitarbeiter wie nie im Sportzentrum tätig, damit alle Corona-Regeln eingehalten werden und etwa die Wegeführung durch das Zentrum gut funktioniert. Auch eine Reihe von Mitgliedern kämen wieder zum Trainieren, wenngleich es etwa 40 coronabedingte Kündigungen gab. Holzapfel: „Die Mitglieder weisen sich gegenseitig darauf hin, wenn mal jemand aus Versehen eine Hygieneregel wie den Abstand nicht einhält, das funktioniert alles super.“

Das Sportzentrum hat sein komplettes Kursangebot wieder aufgenommen. „Wir haben als europaweit einziges Studio ein großes Schiebedach über den Flächen, das sich komplett öffnen lässt. Wir können also zwischen den einzelnen Kursen sehr gut durchlüften“, sagt Holzapfel. Jedes Mitglied muss sich vor einem Training telefonisch anmelden, damit die Anzahl der gleichzeitig Trainierenden geregelt werden kann.

Das Sportzentrum nutzte die Schließungszeit für Reparatur-, Wartungs- und Putzarbeiten aller Art. „Wir waren dadurch die ganze Zeit gut beschäftigt“, sagt Klaus Holzapfel – und die Corona-Situation habe dadurch auch wenigstens ein kleines bisschen Positives gehabt.

Peter Seybold

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