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Die Fledermausexpertin Margarete Kistler päppelt seit Jahren Jungtiere auf, die aus ihrem Quartier fallen.

Beratung für Hausbesitzer

Die Freunde der Fledermäuse

Fledermäuse haben keine große Lobby. Doch im Würmtal gibt es jetzt Menschen, die sich auskennen, die Hausbesitzer beraten und ihnen Ängste nehmen, sollten sie Fledermäuse entdecken.

Würmtal– Ihr Ekelimage haben Fledermäuse weitgehend ablegen können. Doch lassen sie sich nieder, sind sie auch im Würmtal nicht überall willkommen. In seltenen Fällen können sie einen ziemlichen Dreck verursachen und manch einer scheut sich, den Behörden einen Fund der geschützten Tiere zu melden, weil er Einschränkungen bei künftigen Bau- oder Sanierungsmaßnahmen befürchtet. „Der Kot ist ein super Blumendünger“, setzt Richard Gebendorfer dem entgegen. Und: „Fledermäuse schaden dem Haus nicht.“

In Richard Gebendorfer aus Krailling und Ellen Hacker aus Stockdorf haben die Fledermäuse im Würmtal Freunde gefunden. Die beiden sind Teil der Fledermausgruppe der Würmtal-Gruppe des Bund Naturschutz. Und ein Teil ihrer Aufgabe ist es, Fledermausquartiere zu erfassen sowie Hausbesitzer zu beraten und zu unterstützen. Auch übernehmen sie die Erstversorgung verletzter oder verirrter Fledermäuse und haben dafür einen Fledermausnotruf eingeführt. Gerade um diese Jahreszeit kann es immer wieder vorkommen, dass Jungtiere aus dem Quartier fallen, dann sind die beiden die Retter in der Not.

Bereits seit eineinhalb Jahren arbeiten sich Gebendorfer und Ellen Hacker in das Thema ein. Jetzt hat ihre Lehrmeisterin Margarete Kistler vom Fledermausnotruf des Landesbund für Vogelschutz ihnen die Verantwortung für das Würmtal vollends übertragen. Gebendorfers Unterlagen gehen von bis zu 20 Quartieren in Gebäuden in Krailling, Gauting und Starnberg aus. „Es wird bestimmt noch einmal so viele geben, von denen man nichts weiß“, sagt Margarete Kistler. Laut Michael Wagner von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt München sind auch Quartiere in Gräfelfing, Planegg und Neuried aktenkundig. Aber genaue und vor allem aktuelle Zahlen sind nicht bekannt.„Es wäre schön, wenn wir Genaueres wüssten“, sagt er. Doch aufgrund der heimlichen Lebensweise der Fledermäuse lebten viele im Verborgenen.

Für Menschen, die dennoch welche entdecken, gilt: „Es gibt keine Meldepflicht“, so Wagner. Aber es gibt einen Anreiz, der Fledermausgruppe im Würmtal und den Behörden ein Quartier zu melden. Wer Fledermäuse beherberge, könne eine Belobigung der Staatsregierung und die Plakette „Fledermäuse willkommen“ im Umweltministerium überreicht bekommen, erklärt Kistler. Denn es sei lobenswert, Fledermäusen Unterschlupf zu gewähren. „Der Mensch schafft ihnen viele Probleme“, sagt sie. Hausfassaden würden zunehmend abgedichtet, morsche Bäume umgeschnitten, und dann sei da noch „der dramatische Insektenrückgang“ aufgrund von Blütenarmut und Insektiziden. Dabei seien Fledermäuse reine Insektenfresser.

Die Angst vor der Registrierung eines Quartiers sei unbegründet, sagen die drei Experten. Bauten, Umbauten oder Isolierungen dürften weiter durchgeführt werden. „Man darf Quartiere nicht zerstören“, erklärt Gebendorfer zwar. „Fledermäuse kommen zu 90 Prozent jedes Jahr wieder in ihr Quartier und ziehen dort ihre Jungen groß.“ Aber es werde immer versucht, eine Lösung zu finden, die Hausbesitzern und Fledermäusen gerecht werde. Laut Wagner gibt Möglichkeiten, dass der Staat Mehrkosten auffängt, sollten Baumaßnahmen aufgrund von Fledermäusen teurer ausfallen.

Die Angst, dass Fledermäuse Krankheiten übertragen könnten, sei ebenfalls unbegründet. „Von einem Quartier geht keine Gefahr aus“, sagt Margarete Kistler. Anfassen und beißen lassen sollte man Fledermäuse aber nicht. „Es gilt, Fledermäuse immer mit Handschuhen anfassen“, sagt Kistler.

Der Fledermausnotruf

Die Diplom-Biologin Ellen Hacker ist unter der Telefonnummer 0176 /98 61 59 44 zu erreichen, Richard Gebendorfer unter Telefon 857 39 94.

Victoria Strachwitz

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