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Die Friedenskirche liegt direkt am Würmufer und macht sich diesen Umstand jetzt zunutze.

Evangelische Gruppen-Taufe am Flussufer

Die Würm wird zum Jordan

Die Gräfelfinger Friedenskirche schlägt einen ungewöhnlichen Weg ein, um Eltern zur Taufe ihrer Kinder zu bewegen. Am Würmufer feiern am Samstag zehn Täuflinge gleichzeitig das wichtigste Ereignis im Leben eines Christen.

Wer am Samstag an der Gräfelfinger Friedenskirche vorbeikommt, dürfte sich verwundert die Augen reiben. Nach einem Gottesdienst, der um 14.30 Uhr beginnt, empfangen dort zehn Kinder gleichzeitig die Taufe. Und das nicht wie üblich in der Kirche, sondern direkt am Ufer der Würm.

„Uns ist aufgefallen, dass viele Kinder von evangelischen Eltern selbst im Grundschulalter noch nicht getauft sind“, sagt Bernd Reichert, Pfarrer der Lochhamer Michaelskirche. Viele Eltern würden ihre Kinder gerne taufen lassen, fänden aber keine passende Gelegenheit oder würden die Organisation einer Feier scheuen.

Gemeinsam mit Pfarrer Walter Ziermann von der Friedenskirche entstand die Idee, zusammen ein großes Fest zu feiern. Mehr als 170 Familien mit mindestens einem evangelischen Elternteil und ungetauften Kindern bis zum Alter von zehn Jahren schrieben die beiden Pfarrer daraufhin an und luden zu einer Infoveranstaltung ins Gemeindehaus. „Uns war wichtig, den Nachmittag ganz locker und unverbindlich zu gestalten“, so Bernd Reichert.

Die üblichen Hürden sollten ebenfalls wegfallen. So konnten sich die Interessenten den Weg ins Pfarramt sowie das Einzelgespräch mit dem Pfarrer sparen. Stattdessen klärten Ziermann und Reichert die Gäste über das wichtigste Sakrament der Christen auf und ersetzten so das Taufgespräch. „Auf diese Weise haben sich die Eltern auch nicht so alleine gefühlt“, berichtet Pfarrer Reichert.

Manche Eltern hätten durch die Infoveranstaltung Lust bekommen, doch eine eigene Taufe auszurichten. „Das ist ja auch ein Erfolg“, sagt Reichert und lacht. Die Eltern von zehn Kindern jedoch haben sich für die unkonventionelle Art entschieden. Der jüngste Täufling ist ein Junge von achteinhalb Monaten, der älteste ein siebenjähriges Mädchen.

Ihnen allen wird eine besondere Ehre zuteil. Um eine Parallele zum Jordan zu schaffen und an die Taufe Jesu zu erinnern, empfangen die Täuflinge das heilige Sakrament mit Wasser aus der Würm, das in einer feierlichen Prozession abgeschöpft wird. Die Taufbecken finden am Ufer Platz. „In unserem Fall kommt die Kirche zu den Täuflingen.“

Zehn Taufen auf einmal seien ein ordentliches Programm, so Reichert. Normalerweise seien pro Jahr etwa 40 Taufen üblich. Um zu vermeiden, dass sich die Feierlichkeit zu sehr in die Länge zieht, taufen Bernd Reichert und Walter Ziermann immer zwei Kinder gleichzeitig.

Rund 150 Gäste haben sich angekündigt, um gemeinsam ein großes Fest zu feiern. Bernd Reichert freut sich auf den Trubel, der bei einer Gruppe dieser Größe zu erwarten ist. „Bei einer Taufe steht ohnehin die fröhliche Gemeinschaft im Vordergrund."

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