Der Martinsrieder Schuhhof an der Lena-Christ-Straße 46.
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Der Martinsrieder Schuhhof schließt zum Jahresende. Der Flachbau soll abgerissen oder überbaut werden.

Gebäudekomplex am Martinsrieder Schuhhof soll erweitert werden

Fürs Gewerbe Präzedenzfall riskieren

  • Andreas Deny
    vonAndreas Deny
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Labor- und Büroflächen werden von Firmen in Planegg händeringend gesucht – vor allem in Martinsried. Doch Bauräume sind rar. Die Gemeinde setzt jetzt ein deutliches Zeichen, dass man den Weg für eine Nachverdichtung freimachen will.

Planegg – Die Nachfrage von Firmen nach Büro- und Laborflächen in Planegg ist enorm. In den Jahren 2019/20 wurden bis zu
59 000 Quadratmeter angefragt, davon bis zu 35 000 Quadratmeter allein von Würmtaler Unternehmen, wie Bärbel Zeller, Referentin für Wirtschaftsförderung, in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses berichtete. Ein Teil des Bedarfs wurde inzwischen bedient, doch aktuell werden von Firmen laut Bärbel Zeller immer noch 24 000 Quadratmeter benötigt.

Schuhhof schließt zum Jahresende

Anlass für den Bericht der Wirtschaftsförderin war ein Bauvorhaben im Gewerbegebiet Martinsried an der Lena-Christ-Straße. Der auf Hausnummer 46 angesiedelte Schuhhof schließt zum Jahresende, und der Eigentümer will den Gebäudebestand, ein viergeschossiges Gebäude und ein Flachbau (Schuhhof), erweitern. Gemäß Vorbescheidsantrag stehen zwei Varianten zur Diskussion: ein Anbau mit vier Vollgeschossen oder Abriss des Flachbaus und ein zusätzliches, viergeschossiges Gebäude im Osten. In beiden Fällen soll es einen eingeschossigen Zwischenbau und eine schmale, verglaste Verbindung der Gebäude in anderen Geschossen geben.

Baurecht noch nicht ausgeschöpft

Es handle sich hier um eines der wenigen Gewerbegrundstücke, auf denen das Baurecht noch nicht ausgeschöpft sei, betonte Zeller. Bedenken seitens der Verwaltung gab es dennoch, da das Grundstück direkt an ein Wohngebiet angrenzt und die Erschließung über den begrenzt leistungsfähigen Kreisel an der Lochhamer Straße abgewickelt werden muss. Fraglich sei auch, ob sich das Bauvorhaben in die Umgebungsbebauung einfüge.

Bürgermeister befürwortet Bauvorhaben

Bürgermeister Hermann Nafziger brach eine Lanze für das Bauvorhaben. Planegg müsse für Firmen auf Dauer attraktiv bleiben, dafür müsse man vielleicht sogar neue Wege gehen und einen Präzedenzfall riskieren. Auch Jürgen Peters (Grüne) befürwortete das Projekt: „Niemand wird dadurch beeinträchtigt.“ Das Grundstück biete sich für die Nachverdichtung geradezu an, meinte Angelika Lawo (grüne Gruppe 21). Bedenken habe sie eher wegen der Folgen, sagte sie im Hinblick auf vermehrten Verkehr und Wohnungsbedarf.

Abwanderung von Firmen verhindern

Eine Abwanderung von Firmen müsse verhindert werden, betonte Bürgermeister Nafziger. „Wir dürfen keinen Gewerbezahler verlieren, den irgendwann übersteigen die Ausgaben die Einnahmen.“ Mangels Erweiterungsmöglichkeiten haben sich in der Vergangenheit bereits Firmen andere Standorte gesucht. So hat Biontech, das aufgrund des gemeinsam mit Pfitzer entwickelten Corona-Impfstoffs derzeit in aller Munde ist, seinen Hauptsitz nach Mainz verlagert. In Martinsried ist das Biotechnologie-Unternehmen aber weiter präsent und hat erneut Platzbedarf. Biontech bräuchte 5000 Quadratmeter, sagte Bärbel Zeller. „Wir haben aber momentan keine geeigneten Flächen.“

Kindertagesstätte für Firmen in Aussicht

Für das Bauvorhaben auf dem Grundstück des Schuhhofs signalisierte der Bauausschuss jedenfalls seine Zustimmung – und das für beide Varianten. Positiv wurde auch aufgenommen, dass der Bauwerber erwägt, im Zuge der Erweiterung dort eine Kindertagesstätte für Firmen einzurichten. Sollte dies geschehen, werde er versuchen, einige Plätze für die Gemeinde zu sichern, kündigte Bürgermeister Nafziger an.

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