Fünf Zimmer vermietet Ruthellen Lerche aus Planegg über „Airbnb“. Die Gäste treffen sich gerne im Aufenthaltsraum. Derzeit wohnen drei Amerikaner bei ihr. foto: sauer

Gäste aus aller Welt kommen via Internet

Würmtal - Das neueste Zauberwort des Internets heißt „Airbnb“. Die Plattform für private Zimmervermittler erfährt auch im Würmtal großen Zuspruch.

Wer günstig reisen will, sucht auf der Plattform „Airbnb“ nach preiswerten Unterkünften. Zentral und günstig wohnen in New York oder Venedig: kein Problem. Auch Würmtaler vermieten Zimmer bei sich Zuhause. Das ist nun leichter denn je. Dem Internet sei Dank.

„Airbnb“ steht für Airbed and breakfast, was so viel wie Luftmatratze und Frühstück bedeutet. In der Realität liegen die Gäste meist komfortabel in einem ordentlichen Bett. Dafür gibt es hierzulande meist kein Frühstück. Als Cornelia Bluhms Tochter vor zwei Jahren auszog, hatte die Kraillingerin ein Zimmer frei. „Das musste ich finanzieren, umziehen wollte ich nicht“, sagt sie. Fortan vermietete sie Zimmer an Sprachschüler. Weil sie mit den Schülern per Mail kommunizierte, tauchte Werbung für „Airbnb“ in ihrem Postfach auf. Bluhm meldete sich bei der Plattform an. Am nächsten Tag gab es die erste Anfrage. „In München war eine Messe, und es gab dort kein Zimmer zu akzeptablen Preisen.“

Sind die Gäste aus dem Internet ein Sicherheitsrisiko? Sie habe anfangs überlegt, ihr eigenes Zimmer abzuschließen. Bluhm sagt, das habe sie bislang nur einmal gemacht. „Aber ich lasse mein Portemonnaie nicht offen liegen.“ Und es sei nie etwas passiert. Manche Gäste blieben eine Nacht, manche ein halbes Jahr. „Zwischendrin bin ich froh, wenn ich ein paar Tage niemanden habe. Es raubt einem auch Privatsphäre“, sagt sie. Die 55-Jährige ist berufstätig und vermietet nebenbei. Zwei Unangenehme Begegnungen hatte sie: Zwei Asiaten hätten dreimal täglich ausgiebig geduscht. Ein Italiener war das Gegenteil. „Der war so ein Ferkel“, erinnert sie sich.

Gerade zur Wiesnzeit könne man gut verdienen. Und es freut sie, Menschen aus allen Teilen der Erde und unterschiedlichen Milieus zu treffen. Sie selbst hat „Airbnb“ bereits in Benediktbeuern genutzt, eine Unterkunft in Mallorca ist gebucht.

Jörg Bazille aus Gräfelfing ist mit „Airbnb“ schon in Kroatien untergekommen. „Die Ferienwohnung war perfekt“, sagt er. Bazille vermietet in seinem Dachgeschoss zwei möblierte Appartements über „Airbnb“. Im einen wohne seit sechs Jahren ein Italiener, der habe immer nur kurzfristige Vertragsverlängerungen bekommen. Die andere Wohnung hätten zwei Studentinnen für vier Monate. Auch in Planegg werden Zimmer angeboten. Ruthellen Lerche vermietet insgesamt fünf. Sie lebt davon und ist nicht nur bei „Airbnb“ zu finden, sondern auch bei der Konkurrenz namens „Wimdu“. Urlauber hat sie keine, „die bleiben maximal eine Woche, das ist für mich uninteressant“, sagt sie. Sie vermietet an Geschäftsleute, die auch mal ein Jahr lang bleiben. Derzeit wohnen bei ihr drei Amerikaner.

Die 59-Jährige stellte in ihrem früheren Beruf fest, dass Fingerfertigkeit und Augenkraft nachließen. Sie überlegte, was sie bis ins hohe Alter hinein machen könnte. Eine Freundin machte sie auf „Airbnb“ aufmerksam. Seitdem teilt sie ihren Kühlschrank mit Fremden.

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