Ganz normale Lebensretter

Gräfelfing/Penteried - Sie haben ihr Leben riskiert, um anderen zu helfen: Inga Hutter aus Gräfelfing und Bettina Kölker aus Pentenried. Dafür wurden sie jetzt belohnt.

Der Mann habe gefühlt eine Tonne gewogen. Inga Hutter (21) aus Gräfelfing, die für ihren Einsatz im Mai 2014 am Freitag mit der Bayerischen Rettungsmedaille ausgezeichnet wurde, kann sich heute noch genau erinnern. Sie stand mit ihrer besten Freundin auf dem Bahnsteig in Lochham. Die S-Bahn hatte wieder einmal Verspätung. „Plötzlich meinte meine Freundin, dass da ein älterer Mann aufs Gleis gefallen sei“, sagt Hutter. Die jungen Frauen stürzen zu der Stelle. Eile ist geboten, denn die S-Bahn ist bereits in Sichtweite.

„Unten im Gleis befand sich schon ein Helfer“, erzählt Hutter, „der hat meine Freundin angewiesen den Rettungsdienst zu rufen.“ Hutter sprang aufs Gleis und brachte sich damit selbst in Lebensgefahr. Sie und der Mann sprachen sich kurz ab, dann stemmten sie den Verunglückten mit aller Kraft zurück auf den Bahnsteig. „Ich weiß nicht wie oder ob es einfach das Adrenalin gewesen ist, aber plötzlich hat man enorm viel Kraft“, sagt die Lebensretterin heute. Und dann bricht es aus ihr heraus: „Heute bin ich verdammt froh, dass die S-Bahn Verspätung hatte.“ Der Mann würde sonst wahrscheinlich nicht mehr leben.

Für ihren Einsatz hat sie die Rettungsmedaille verliehen bekommen. Noch am Unfallort hatte ein Polizist zu ihr gesagt, ihre Aktion sei selbstlos und mutig gewesen. Die Auszeichnung konnte Inga Hutter nicht persönlich entgegennehmen. Derzeit weilt die 21-Jährige als Au-pair in Australien. Sie fühle sich aber sehr geehrt, sagt Hutter. Nach ihrer Rückkehr wird ihr die Bayerische Rettungsmedaille nachträglich verliehen.

Hutter ist jedoch nicht die einzige Geehrte aus dem Würmtal; Bettina Kölker aus Pentenried bekam am gleichen Tag vom Ministerpräsidenten die Christophorus-Medaille verliehen. Sie hat im Juli 2013 einen Mann, der kurz vor dem Ertrinken war, aus dem Weßlinger See gezogen. „Ich war mit meinen Kids beim Baden und habe meiner Tochter gerade beim Planschen zugeschaut, als ich Hilferufe hörte“, erzählt die Pentenriederin. Die Schreie kamen von einem älteren Mann aus der Mitte des Sees. „Er ist immer wieder untergegangen, und nur noch der Arm hat rausgeschaut“, sagt Kölker. Sie sprang in den See und kraulte zu dem Mann hin. Zwei weitere Männer kamen ebenfalls zu Hilfe. Mit vereinter Kraft konnten die Retter den Senior befreien, der sich in Schlingpflanzen und Seegräsern verheddert hatte. „Er war an Armen und Beinen wie gefesselt und konnte sich fast nicht mehr bewegen.“

Nach der Rettungsaktion habe der Mann ihr einen Brief geschrieben und sich bei ihr bedankt. Außerdem hat er seine Retter gleich für die Christophorus-Medaille des Freistaates Bayern vorgeschlagen. „Als die Mitteilung kam, habe ich mich riesig gefreut“, sagt Kölker. Überhaupt sei es eine schöne Verleihungsfeier im Antiquarium der Münchner Residenz gewesen. Anschließend gab es noch einen kleinen Empfang.

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