Gedenkfeier auf dem Gräfelfinger Friedhof: Der Priester Alexij Lemmer betete für die hingerichteten russischen Kriegsgefangenen, dahinter (v.l.) Generalkonsul Andrey Jurewitsch Grozow und Gräfelfings 2. Bürgermeister Peter Köstler.  Foto: js

Gedenken an 53 hingerichtete Russen

Gräfelfing - Der russische Generalkonsul und Gemeindevertreter setzen beim gemeinsamen Gedenken auf dem Gräfefinger Friedhof ein Zeichen der Versöhnung.

Am 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges gedachte man am Freitag auch in Gräfelfing der Toten und Leidtragenden des großen Krieges 1914 - 1918, der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Auf dem Weg zum Puchheimer Friedhof, wo zahlreiche russische Kriegsgefangene beigesetzt sind, welche vor allem der 1917 grassierenden Spanischen Grippe erlagen, besuchte der Generalkonsul der Russischen Föderation, Andrey Jurewitsch Grozow, mit Mitgliedern des Münchner Konsulats auch den Gräfelfinger Waldfriedhof. Hier befindet sich die Gedenkstätte für die russischen Gefangenen aus dem Lager Puchheim, welche in den Revolutionswirren auf tragische Weise ihr Leben verloren.

Vertreter der Gemeindeverwaltung, des Gemeinderates sowie ein gutes Dutzend Besucher waren trotz der kurzfristigen Ankündigung zu Ferienbeginn der Einladung des Konsulats zur Gedenkveranstaltung an der blumengeschmückten Grabstätte neben der alten Aussegnungshalle gefolgt. Der Konsul ebenso wie Bürgermeister Peter Köstler erinnerten an die Menschen beider Seiten, die an den Fronten, in Gefangenschaft oder in der Heimat unter den kämpferischen Auseinandersetzungen gelitten hatten. Letztlich hätte es keinem der Beteiligten einen Gewinn gebracht. „Es bedeutet mir sehr viel, dass wir heute alle zusammen hier an diesem Grab ein lebendiges Zeichen der Versöhnung setzen“, begrüßte Köstler die Anwesenden. Die gemeinsame Kranzniederlegung solle ein Symbol dafür sein und ein Zeichen auch für den Frieden in der Welt von heute.

Der russische Konsul sprach sein Bedauern aus über die unzureichenden Friedensbemühungen vor 100 Jahren. Er äußerte die Hoffnung, dass heute eine Lösung in den blutigen Konflikten in aller Welt von Afrika über die Ukraine bis in den Nahen Osten gefunden werden könne, wenn die berechtigten Interessen aller Konfliktparteien nicht verneint würden.

Nachdem der russisch-orthodoxe Priester Alexij Lemmer mit Weihrauchwolken und russischen Gebetsgesängen den Toten die Verzeihung ihrer Sünden und die Aufnahme in Gottes Frieden erfleht hatte, legten Konsulatsangehörige einen Kranz in den Nationalfarben Weiss-Blau-Rot am Grab nieder, um den gefallenen Soldaten beider Seiten Ehre zu erweisen. Mit einem Dank an die Gemeinde für die Pflege der Gedenkstätte verabschiedeten sich die russischen Gäste.

Im Herbst soll gemäß dem Beschluss des Gemeinderats-Ausschusses für soziale Angelegenheiten, Schul-, Kultur- und Sportfragen durch eine Schülergruppe vom Kurt-Huber-Gymnasium eine Stele am Friedhofseingang errichtet werden, welche die Reihe der „Meilensteine“ aus dem Jubiläumsjahr um das Kapitel „1. Weltkrieg und Russen-Tragödie“ ergänzt. Dafür wurden von Mitarbeitern des Konsulats dankenswerterweise die Namen der erschossenen russischen Gefangenen in kyrillische Schrift übertragen. Die Tafel soll die Erinnerung wachhalten an die 53 Männer, die für ein Zarenreich in einen Krieg zogen, den sie vermutlich nicht gewollt hatten. Nach Jahren der entbehrungsreichen Gefangenschaft wurden sie durch den Umsturz in Russland an der Rückkehr gehindert, gerieten in die Auseinandersetzungen der bayerischen Revolution und fanden in Gräfelfing fern der Heimat den Tod.

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