Friedrich Schreiber, Mentor und Organisator des Gedenkzuges, begrüßt vom Rednerpult in Gräfelfing die zahlreichen Gäste aus dem In- und Ausland, darunter mehrere Teilnehmer des Todesmarsches sowie deren Angehörige. Foto: denise höfle

Gedenkzug durchs Würmtal: "Erinnern ist unsere Pflicht"

Würmtal - Über 100 Teilnehmer aller Generationen sind den den Todesmarsch, der Ende des 2.Weltkrieges durchs Würmtal ging, symbolisch nachgegangen.

Ich begrüße die Überlebenden und deren Nachkommen, und ich begrüße die Söhne der Väter, die nicht mehr kommen können“, rief Friedrich Schreiber bewegt, als er am Samstag mit einem Gefolge von rund 100 Menschen an der ersten Station des Gedenkzugs „Todesmarsch von Dachau“ am Gräfelfinger Friedhof eintraf. Dort erwarteten ihn neben bekannten KZ-Überlebenden wie Zwi Katz, Max Volpert, Uri Chanoch und Karl Rom mit ihren Familien auch Gräfelfings Bürgermeister Christoph Göbel, dessen Kauferinger Kollege Erich Büttner sowie zahlreiche weitere israelische Gäste und Bürger aus dem Würmtal.

Bereits zum 16. Mal hatte der Verein „Gedenken im Würmtal“ heuer diesen Marsch organisiert und sich auf den rund 15 Kilometer langen Weg von Gräfelfing über Planegg, Krailling und Stockdorf bis nach Gauting gemacht. Und auch in diesem Jahr stand wieder das Motto „Den Stab der Erinnerung an die Jugend weitergeben“ ganz oben auf der Prioritätsliste. So begrüßte Gräfelfings Gemeindeoberhaupt Göbel gleich zu Beginn Martin Schmid vom Verein „Gedenken im Würmtal“, dessen Großmutter Ingeborg Schmid seit ihrem Umzug ins Seniorenheim St. Gisela ein wachsames Auge auf das gegenüberliegende Mahnmal habe. „Solche Dinge halten die Geschichte lebendig, die nicht irgendwo passiert ist, sondern hier in unserem Ort stattgefunden hat“, so Göbel. Gott sei Dank habe die heutige Generation Dinge wie den Todesmarsch nie erleben müssen; umso wichtiger sei es, sich der Geschichte bewusst zu sein und Zivilcourage zu zeigen.

Darauf wies auch Anna-Katharina Engelsberger hin, die als Schülervertreterin für das Kurt-Huber-Gymnasium sprach. „Zwar fühlen wir uns nicht mehr direkt schuldig für die Taten unserer Vorfahren, es bleibt aber unsere sittliche Pflicht, an die Verbrechen vor 70 Jahren zu erinnern und wachsam gegenüber Bedrohungen unserer demokratischen Grundordnung zu sein“, so die 17-Jährige.

Auch Zwi Katz, einer der KZ-Überlebenden, der jedes Jahr an diesem Marsch teilnimmt, warnte vor den Folgen, wenn Diktatoren an die Macht kämen. „Der nächste Todesmarsch wird nicht nur die Juden betreffen, sondern die ganze westliche Welt.“

Mit einem israelischen Volkslied empfingen die Mitglieder des Jugendchors St. Elisabeth die Marschteilnehmer in Planegg. Gemeinsam mit dem Direktor der Musikschule, Thomas Schaffert, und Chorleiter Ludwig Götz am Klavier hatten die Kinder ein Stück aus einem Musical einstudiert und begeisterten damit ihre Zuhörer. „Unsere Jugend stellt viele Fragen, und das ist gut so“, lobte Planeggs Bürgermeisterin Annemarie Detsch das Engagement des Nachwuchses, der durch die zahlreiche Teilnahme am Gedenkmarsch sein Interesse beweise. Nachdem der mittlerweile verstorbene KZ-Überlebende Chaim Melech in Vertretung seiner Tochter und seines Enkels die Ehrenmitgliedschaft erhalten hatte, ging es weiter mit Stopps in Krailling und Stockdorf, wo die Teilnehmer des Marsches jeweils gebührend empfangen wurden, bis zum Ziel in Gauting.

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