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Zwei, die die Erinnerung hochhalten – und viele Würmtaler, die mitmachen: Zwi Katz und Martin Schmid.

"Gedenken im Würmtal" ernennt Zwi Katz zum Ehrenvorsitzenden

„Stab an die Enkel geben“

Würmtal - Mehr als 100 Menschen, unter ihnen die Würmtaler Bürgermeister, erinnerten am Samstag mit dem 19. Gedenkzug von Gräfelfing nach Gauting an den Todesmarsch von Dachau.

„Ich freue mich, dass Sie diese Reise immer wieder auf sich nehmen“, zeigte sich Gräfelfings Bürgermeisterin Uta Wüst beeindruckt von Zwi Katz’ Anwesenheit. Und in der Tat, es ist nicht selbstverständlich, mit 88 Jahren zwischen zwei Dialyse-Behandlungen „mal kurz“ von Israel nach Deutschland zu fliegen. Dass der Hochbetagte diese Reise auf sich nahm, zeigt auch, wie wichtig sie ihm ist.

Seit 1988 erinnert der Verein „Gedenken im Würmtal e.V.“ mit einem Gedenkzug von Gräfelfing nach Gauting an den Todesmarsch von Dachau. Ende April 1945 wurden tausende Häftlinge   des KZ Dachau und seiner Außenlager  durch das Würmtal in Richtung Alpen getrieben. Viele starben auf den Märschen und Bahntransporten von Dachau, Kaufering/Landsberg, Mühldorf, München-Allach und München-Riem in Richtung Alpen. Zwi Katz überlebte. Viele Male  nahm er in den vergangenen Jahren am Gedenkzug teil. In ganz Deutschland hielt der Holocaust-Überlebende vor allem an Schulen Vorträge.

Sein Buch „Eine Jugend im Schatten des Holocaust“ erinnert in klaren und eindrücklichen Worten an den Genozid im Zweiten Weltkrieg. Ein unschätzbarer Beitrag gegen das Vergessen und ein Engagement, das der Verein „Gedenken im Würmtal e.V.“ besonders würdigen wollte. Ehrenmitglied sei Zwi Katz ja schon lange, so der Vereinsvorsitzende Friedrich Schreiber. Daher habe man beschlossen, den Holocaust-Überlebenden „schlicht und einfach“ zum Ehrenvorsitzenden zu ernennen.

Die Urkunde wurde Zwi Katz am Samstag im Rahmen des 19. Gedenkzuges durchs Würmtal überreicht. Martin Schmid, der als 15-jähriger Schüler des Feodor-Lynen-Gymnasiums bereits am ersten Gedenkzug teilgenommen hatte, übergab die Urkunde.

Nur folgerichtig war es, dass der ganze Tag im Zeichen der Erinnerungen des 88-Jährigen stand. Schüler und Schülerinnen aus dem Würmtal lasen aus seinem Buch. Bereits das erste Kapitel, in dem Katz beschreibt, wie seine glückliche Kindheit im litauischen Kaunas 1941 ein abruptes Ende fand, rührte die Zuhörerschaft am Samstag teilweise zu Tränen. Umso erstaunlicher ist es, dass „Zwi Katz sich immer wieder diesen traumatischen Erlebnissen aussetzt“, wie es Uta Wüst formulierte. Sie deute dies auch als Zeichen der Vergebung.

Wie wichtig dieses Erinnern ist, betonte der Vereinsvorsitzende und ehemalige ARD-Nahost-Korrespondent Friedrich Schreiber. Gerade jetzt, da die Überlebenden des Holocaust bereits hochbetagt oder wie Chaim Melech und Uri Chanoch (beide Ehrenmitglieder des Vereins) gestorben seien, müsse man den „Stab der Erinnerung“ an die Enkel-Generation weiterreichen.

Margot Deny

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