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Das Profil des Würmtals schärfen: Bürgermeister, Gemeinderäte und Verwaltungsmitarbeiter kamen im Kupferhaus zusammen, um sich über den in den vergangenen Wochen gestarteten Markenbildungsprozess auszutauschen.

Initiative der Gemeinden

Das Würmtal soll eine Marke werden

Die fünf Gemeinden Gräfelfing, Planegg, Krailling, Neuried und Gauting möchten sich zusammenschließen und das Würmtal zur Marke machen.

Das Profil schärfen, sich von anderen Gemeinden abgrenzen, unverwechselbar sein, fit für den Wettbewerb werden: Für dieses Ziel wollen die Würmtal-Gemeinden nun gemeinsam kämpfen.

Der blaue, an den Kanten gewellte Würm-Teppich war vor dem Kupferhaus ausgerollt, die extra gebackenen Kekse mit Würm-Motiv lagen in Schälchen auf den Stehtischen zum Snack bereit. Als sich am Mittwochabend mit Heinrich Hofmann, Uta Wüst, Christine Borst, Brigitte Kössinger und Harald Zipfel die fünf Bürgermeister, viele Gemeinderäte und Verwaltungsmitarbeiter im Planegger Kupferhaus trafen, stand alles im Zeichen des kleinen Flüsschens, welches so identitätsbildend auf die Bürger wirkt, die hier wohnen.

„Das Würmtal ist schon etwas Besonderes zwischen München und Starnberg“, konstatierte denn auch Kraillings Bürgermeisterin Christine Borst in ihrer Eröffnungsrede. Sie habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Leute, die in die Welt aufgebrochen seien, um Karriere zu machen, irgendwann wieder mit ihrer Familie zurück in ihre alte Heimat kämen und sagten: „Jetzt wollen wir wieder in unser Würmtal.“

Auf Borst geht auch die Initiative zurück, aus dem Würmtal eine eigene Marke zu bilden. Sie war seit Ende 2014 als Kreisrätin im Markenbildungsprozess des Landkreises Starnberg involviert, merkte aber schnell, dass die beiden zum Landkreis gehörenden Gemeinden Gauting und Krailling sich eher dem Würmtal zugehörig fühlten denn zu Starnberg. Als sie Anfang 2015 die Idee ihren Würmtaler Bürgermeister-Kollegen vorstellte, stieß sie sogleich auf offene Ohren. Zumal sie für den Prozess mit Alois Dorfner der Nürnberger Beratung Brand Trust einen echten Experten der Markenbildung gewinnen konnte.

Unter seiner Ägide erarbeitete ein Team aus den Bürgermeistern, Gemeinderäten, Verwaltungsmitarbeitern sowie Wirtschaftsvertretern in den vergangenen Wochen, was das Würmtal so einzigartig macht. Denn, so argumentierte Markenberater Dorfner: „Starke Marken wissen, was sie nicht können wollen. Und wofür sie nicht stehen.“ Ecken und Kanten, Eigentümlichkeiten seien wichtig, um sich von anderen abzuheben. Der Arbeitskreis präsentierte schließlich die Charakteristika, die das Würmtal so von anderen Regionen abgrenzt: erstklassig, stolz, geistreich und privilegierte Lage. Dies sei der Markenkern, und daraus habe man schließlich folgenden, selbstbewussten Claim entwickelt: „Das Würmtal ist der zukunftsweisendste Lebens- und Technologiestandort im Raum München.“ Dies als dauerhaftes Leistungsversprechen und Positionierung zu verstehen, als Zukunftsweiser – so laute das Ziel der Profilierung.

Man merkte, dass die Anwesenden dies erst einmal sacken lassen mussten. Verhaltene Zustimmung tat sich kund, viele Fragen kamen in der anschließenden Gesprächsrunde auf. Anneliese Bradel interessierte, ob man dies künftig auch mit einem eigenen Logo vermitteln wolle. Peter von Schall-Riaucour gab zu bedenken, dass man die Gemeinsamkeiten schnell bei einer Konkurrenz um die zahlungskräftigsten Gewerbesteuerzahler vergessen würde. Ralf Tatzel kritisierte, dass der Claim unterbewusst immer auch „teuer“ transportiere.

Gräfelfings Wirtschaftsförderin Sabine Strack lieferte mit Beispielen etwas Klarheit: gemeinsames Marketing, um Fachkräfte in die Region zu holen; den ÖPNV radikal ausbauen, mit einer kostenlosen E-Bus-Verbindung zwischen den Gemeinden, ein gemeinsamer Maschinenpark, der von Bauhof und Winterdienst genutzt werden könne, oder auch ein kulturelles Würm-Festival könnten erste Schritte eines gemeinsamen Würmtals sein. Besonders greifbar wurde aber ihr Vorschlag, jeden Beschlussvorschlag von den Gremien künftig immer auf den formulierten Markenkern hin zu überprüfen. „Das könnte interessant werden“, so Kraillings Christine Borst. Und Gräfelfings Uta Wüst lieferte sogleich ein Praxisbeispiel: „Eine Spielhalle in unserem Gewerbegebiet kann ich mit diesem Claim nicht vereinbaren.“ Nun liegt es an den Gemeinderäten, dieser „Grundsatzentscheidung“ (Borst) zuzustimmen.

Katharina Korb

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