Würmtal-Gemeinden müssen mehr Flüchtlinge unterbringen

Die Suche nach Unterkünften geht weiter

Würmtal - Schon im nächsten Jahr reichen die bisher geplanten Unterkünfte für Asylbewerber im Würmtal nicht mehr aus.

Der Bau der Flüchtlingsunterkunft an der Großhaderner Straße in Gräfelfing hat kaum begonnen, da ist schon klar, dass die Kapazität der 208 vorgesehenen Plätze bereits 2016 nicht mehr ausreichen wird. Allerdings gibt es Kommunen, die weit weniger Flüchtlinge aufgenommen haben und ihre Quote bei weitem nicht erfüllen – auch im Würmtal.

„Wir suchen neben den 208 Plätzen, die für die Erfüllung der Quote 2016 nicht reichen, noch ein Grundstück für eine Unterkunft mit rund 150 Plätzen in Gräfelfing“, sagte Landrat Christoph Göbel auf einer Veranstaltung zum Thema Asyl vor einer Woche im Gräfelfinger Bürgerhaus (wir berichteten). Bürgermeisterin Uta Wüst konnte an der Veranstaltung nicht teilnehmen, doch die Forderung ist ihr bekannt.

 Die Gemeinde Gräfelfing ist zwar nach aktuellem Stand neben Neubiberg und Oberhaching die einzige Kommune im Landkreis München, die ihre Quote erfüllt – und das zufällig genau, mit 215 Asylbewerbern. „Aber es gibt ständig neue Zahlen, und wir wissen, dass im nächsten Jahr weitere Plätze von uns erwartet werden“, sagte die Bürgermeisterin auf Merkur-Anfrage. Deshalb laufe die Suche nach Grundstücken für Container- oder Modulbauten, und es gebe auch schon Ideen für den Notfall. So könnte die jetzt im Bau befindliche Anlage an der Großhaderner Straße später etwas erweitert werden. Oder es könnte der Gemeinde gelingen, Grundstücke des Bundes im Bereich Steinkirchner Straße zu erwerben, für die sie sich jüngst das Vorkaufsrecht gesichert hat. Auch die Idee, bei der Michaelskirche befristet Container aufzustellen, sei nach aktuellem Gesprächsstand auf recht gutem Weg.

 Bei alledem agiert Gräfelfing im Moment freilich mit angezogener Handbremse, und die Bürgermeisterin steht auch dazu. „Wir suchen, aber nicht mit allerhöchstem Druck“, sagt Wüst. Denn: „Andere Gemeinden im Landkreis haben noch niemanden oder ganz wenige Flüchtlinge untergebracht; die sehe ich zuerst in der Pflicht.“

 Dazu zählt im Würmtal vor allem die Gemeinde Neuried, die zwar laut Bürgermeister Harald Zipfel händeringend nach Grundstücken für eine solche Unterkunft sucht, bislang freilich erfolglos. Nach aktuellsten Zahlen aus dem Landratsamt müsste Neuried derzeit 137 Flüchtlinge unterbringen. Tatsächlich sind es gerade mal 14. Und die sich ständig ändernde Quote kennt derzeit nur eine Richtung: nach oben.

Auch die Gemeinde Planegg hat starken Nachholbedarf; statt 170 sind nach Abzug der Flüchtlinge aus der FLG-Dreifachturnhalle laut Landratsamt nur noch 70 Personen in Planegg untergebracht. Allerdings plant die Gemeinde, wie mehrfach berichtet, Unterkünfte im Martinsrieder Parc de Meylan (rund 70 Personen) und beim Friedhof (rund 50 Personen).

Ebenfalls hohen Nachholbedarf hat Krailling, wo derzeit gerade mal 17 statt der bis Jahresende vorgesehenen 104 Flüchtlinge eine Bleibe gefunden haben. Allerdings werden die geplanten Container-Wohnungen auf der Sanatoriumswiese ab Februar 96 neue Plätze vorhalten.

 Wie hoch der zusätzliche Bedarf an Plätzen 2016 tatsächlich sein wird, weiß niemand, und auch das Landratsamt hält sich vorläufig mit Zahlen zurück. Sprecherin Christine Spiegel: „Wir haben es mit Momentaufnahmen zu tun. Die tatsächliche Flüchtlingszahl hängt von vielen Faktoren ab.“ So gehe man aktuell zwar davon aus, dass die Zahl der unterzubringenden Personen von 5361 für 2015 im nächsten Jahr auf mindestens 9000 steigen werde. Doch dürften diese Zahlen beide kaum haltbar sein.

Was der Landrat in Gräfelfing einmal mehr betonte und laut Uta Wüst auch allen Würmtal-Bürgermeistern ein großes Anliegen ist: Der Fokus beim Wohnungsbau darf sich nicht ausschließlich auf die Flüchtlinge richten. Uta Wüst: „Wir haben für die Gesamtbevölkerung einen hohen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum und wollen die Bereitstellung vorantreiben.“ Keinesfalls dürfe es zu einer tatsächlichen oder empfundenen Konkurrenz zwischen Flüchtlingen und Einheimischen auf dem Wohnungsmarkt kommen.

Martin Schullerus

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