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Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München, erhielt von Friedrich Schreiber (re.) die Ehrenmitgliedschaft seines Vereins „Gedenken im Würmtal“ verliehen.

20 Jahre „Gedenken im Würmtal“ 

Die Generation der Erkenntnis

Zum 20. Mal erinnert der Verein „Gedenken im Würmtal“ heuer an die Todesmärsche von Dachau. Beim Festakt betonten die Redner die zunehmende Bedeutung der Jugend als Bewahrer der Erinnerung.

Gräfelfing – Es war eine Mischung aus Stolz, Trauer und Entsetzen, aber auch Zuversicht, die dem Festakt am Donnerstagabend im Gräfelfinger Bürgerhaus innewohnte. Der Verein „Gedenken im Würmtal“ hatte zur Jubiläumsfeier geladen, anlässlich des 20. Gedenkzuges für die Todesmärsche von Dachau, der an diesem Samstag um 13.30 Uhr in Lochham startet. Geehrt wurden Bürgermeister, Lehrer und Schüler aller Orte – von Dachau über Allach, Kaufering, Mühldorf bis Waakirchen, Tutzing und Mittenwald –, die wie die Würmtal-Gemeinden Todesmarsch-Mahnmale und Gedenkwerke geschaffen haben.

Die Urkunden wurden überreicht von Schülern der Würmtaler Gymnasien und der Gautinger Realschule. Damit signalisierte der Verein, der sich dafür engagiert, dass die Todesmärsche von Tausenden von Inhaftierten des Konzentrationslagers Dachau und seiner Außenlager im April und Mai 1945 nicht in Vergessenheit geraten, wie zentral das Einbinden der Jugend ist. Waren es ja auch Schüler aus dem Würmtal, die 1997 zur Erinnerung an die Pogromnacht einen Fackelzug von Gauting nach Planegg veranstalteten; die Initialzündung damals für Friedrich Schreiber, Vereinsvorsitzender und ehemaliger Nahost-Korrespondent der ARD, den ersten Gedenkzug von Lochham nach Gauting zu organisieren.

Dass die Begegnung von Jugendlichen mit den Überlebenden der Todesmärsche wesentlicher Bestandteil dieser Gedenkarbeit ist, stellten alle Redner lobend heraus. Diese seien Garant, dass die Aufgabe des Erzählens, des Nicht-Vergessens, weiterlebt, wenn keine Gespräche mit Überlebenden mehr möglich sind, betonte der Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde Beth Shalom, Jan Mühlstein. Auch Landrat Christoph Göbel mahnte in seiner Rede: „Wir können nur aus der Geschichte lernen, wenn wir uns immer wieder aktiv mit ihr beschäftigen.“

Der 91-jährige Max Volpert ist einer der wenigen überlebenden Zeitzeugen, die noch berichten können. Max Volpert wird während des 20. Gedenkzuges am Kraillinger Mahnmal Schülerfragen beantworten. Ehrengast Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, sprach in ihrem Grußwort von einer Freude über die Anwesenheit der Jugend. Sie sei die Generation der Erkenntnis. Sie habe erkannt, dass man sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen muss. Gerade in einer Zeit, in der ein Jahrhundertprojekt wie die Europäische Union ins Trudeln gekommen sei und der Antisemitismus und Rassismus eine Renaissance erlebten, müsse es Aufgabe der Jugend sein, Frieden und Demokratie zu bewahren, sagte Knobloch mit Verweis auf Frankreich und die AfD. Im Anschluss an ihre Rede wurde ihr von Friedrich Schreiber die Ehrenmitgliedschaft des Vereins „Gedenken im Würmtal“ verliehen.

Carolin Högel

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