Entnahme von Trophoblast-Zellen während der Embryogenese. Die DNA dieser Zellen wird im Zuge der Präimplantationsdiagnostik analysiert. Foto: fkn

Gentests an künstlich erzeugten Embryos

Martinsried - Martinsried bekommt eines von vier PID-Zentren in Bayern.

Für Eltern ist es ein Stück Sicherheit: die Präimplantationsdiagnostik, kurz PID. Sie soll bei Kindern Erbkrankheiten und Fehlgeburten verhindern. Das Gesundheitsministerium hat in Bayern jetzt vier PID-Zentren zugelassen - eines befindet sich in Martinsried.

Gentests an künstlich erzeugten Embryos sind ein weltweit umstrittenes Thema. In nationalen Gesetzgebungen wird die so genannte Präimplantationsdiagnostik (PID) sehr unterschiedlich gehandhabt, in vielen Ländern gibt es aus ethischen Gründen rechtliche Einschränkungen. Die PID bietet die Möglichkeit, Gendefekte festzustellen, bevor ein Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt wird. Das Zentrum für Humangenetik und Laboratoriumsdiagnostik in Martinsried war an der Testphase dieser Diagnosemethode in Bayern beteiligt. Vom Gesundheitsministerium hat es jetzt offiziell die Zulassung als eines von vier PID-Zentren im Freistaat erhalten; zwei weitere befinden sich in München, eines in Regensburg.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml rief in diesem Zusammenhang zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den medizinischen Möglichkeiten der PID auf. Die Diagnosemethode dürfe auf keinen Fall als Selektionsinstrument wahrgenommen werden, oberste Priorität müsse vielmehr der Schutz des Lebens haben. Der Gesetzgeber hat der PID in Deutschland ohnehin enge Grenzen gesetzt. Erlaubt ist sie nur Paaren, die eine Veranlagung für eine schwere Erbkrankheit haben. Oder, wenn das Risiko für eine Tot- oder Fehlgeburt sehr hoch ist. Zudem muss jede Untersuchung bei einer interdisziplinären Ethikkommission beantragt werden. Diese setzt sich aus acht Mitgliedern zusammen, vier Medizinern verschiedener Fachrichtungen, einem Ethiker, einem Juristen, einem Patientenvertreter und einem Vertreter einer Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Behinderung.

Laut Ursula Mader, Biologin vom MZV Martinsried, ist die Zulassung auf fünf Jahre befristet und an die Zusammenarbeit mit dem Kinderwunsch-Centrum München gekoppelt. Dieses hat sich seit 1984 ganz auf die Behandlung von Kinderlosigkeit spezialisiert. Nach Schätzungen wird bundesweit jährlich mit rund 250 bis 300 PID-Anwendungen gerechnet.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Beharrlicher Beistand für Häftlinge
Beharrlicher Beistand für Häftlinge
Ambulanter Pflegedienst in Neuried eingerichtet
Ambulanter Pflegedienst in Neuried eingerichtet
Krailling wird an die U-Bahn angebunden
Krailling wird an die U-Bahn angebunden
Vorbereitung für Ausstellung läuft auf Hochtouren
Vorbereitung für Ausstellung läuft auf Hochtouren

Kommentare