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Geothermie: Bohrung soll heuer stattfinden

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In der Energiezentrale: Die Gemeinderäte Jörg Scholler, Frank Sommer, Andreas Saurle, Hans Furbach und Benno Stübner.
In der Energiezentrale: Die Gemeinderäte Jörg Scholler, Frank Sommer, Andreas Saurle, Hans Furbach und Benno Stübner.

Gräfelfing - Ist das Geothermie-Projekt an der Ortsgrenze von Gräfelfing und Planegg gescheitert? Wohl kaum - noch heuer könnte mit den Bohrungen begonnen werden.

Der Bürgerverein Gräfelfing-Lochham (BVGL) hat die Stimmung in Teilen der Bevölkerung in einen Antrag gegossen. Er sieht vor, dass die Gemeinde die Schürfrechte (Claim) von der Firma Trinkl KG erwirbt oder rechtzeitig dessen Zuteilung beantragt, sollte er auslaufen. Als dritte Variante schlägt der BVGL die Gründung einer Zweckgesellschaft mit der Firma Trinkl vor, unter „mehrheitlichem Einfluss der Gemeinde Gräfelfing“.

Das Projekt von Baldur Trinkl stand tatsächlich schon auf der Kippe. Zu lange waren die Schürfrechte für Geothermie in diesem Bereich, die das Unternehmen hält, nicht genutzt worden; sie sollten schon auslaufen. Das war vor allem nicht im Interesse der Gemeinde Gräfelfing, die gemeinsam mit dem Unternehmen bei der Regierung intervenierte. Bürgermeister Christoph Göbel: „Der letzte Bescheid zur Verlängerung erfolgte nur, weil die Gemeinden Gräfelfing und Planegg in dem Projekt ausdrücklich beteiligt sind.“ Und diese Verlängerung enthält ein dichtes Netz an Auflagen. Die allerdings hält Trinkl nach Auskunft des Bürgermeisters von Gräfelfing ein.

So war vorgesehen, dass das Unternehmen bis Dezember 2013 bei der Regierung von Oberbayern den so genannten bergrechtlichen Antrag stellt, der die eigentlichen Bohrungen erst möglich macht. Dies geschah pünktlich. Die Genehmigung scheint freilich noch nicht vorzuliegen; jedenfalls hat die Gemeinde Gräfelfing keine Kenntnis davon. Außerdem habe Trinkl, wie vorgeschrieben, mittlerweile die Bohrarbeiten vergeben. Christoph Göbel: „Die Firma Trinkl hat getan, was sie tun sollte, und wenn man aktuell keinen Fortgang sehen kann, liegt das nicht an ihr. Ich kann im Moment kein Problem erkennen.“ Baldur Trinkl war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Den BVGL-Antrag nennt Göbel trotzdem „nicht unsinnig“. Die enge Verzahnung von privaten und gemeindlichen Interessen am Projekt Geothermie sei offensichtlich und zum Wohl der Gemeinde. Ursprünglich war nur vereinbart, dass die Gemeinde die Wärme von Trinkl quasi am Bohrloch übernimmt und in ihrem Netz selbst vertreibt. Inzwischen zieht Göbel auch eine gemeindliche Beteiligung an den Bohrungen in Betracht. Eine Entscheidung könne erst nach der genauen Betrachtung der wirtschaftlichen Kennzahlen fallen. Und die liegen erst nach der Bohrung vor, wenn deren Kosten und die genaue Wassertemperatur bekannt ist. Für eine Übernahme des Claims, wie vom BVGL gefordert, gebe es „derzeit rechtlich keine Möglichkeit“ - und auch keinen dringenden Bedarf. Göbel: „Wir sind mit Herrn Trinkl in einem guten Dialog.“

Neben dem Genehmigungsverfahren, das bei der Regierung läuft, tut sich auch im Bereich des Baurechts, das für dieses Projekt nötig ist, viel. Die Gemeinde Gräfelfing betreibt die Änderung des Flächennutzungsplans, der hier ein „Sondergebiet Geothermie“ erhalten soll. Nach Rechtsauffassung der Kommune, die sich in diesem Punkt mit dem Landratsamt abgestimmt hat, ist das nötig, weil Geothermie nicht zu den im Außenbereich privilegierten Vorhaben zählt. „Außerdem wollen wir das Verfahren durchführen, weil es mit öffentlichen Beschlüssen und Auslegungen der Pläne für die gewünschte Transparenz sorgt“, sagt Markus Ramsauer, zuständig für Bauleitplanung im Gräfelfinger Rathaus. Sprich: Die Bürger sollen Gelegenheit bekommen, sich über die Pläne zu informieren und ihre Einwände rechtswirksam vorzubringen.

Um eine unerwünschte Ansiedlung von Gebäuden und Einrichtungen auf dem Feld zwischen Martinsried und Gräfelfing zu vermeiden, wird Gräfelfing zudem einen Bebauungsplan aufstellen. Der grundsätzliche Beschluss dazu stammt aus dem Jahr 2011. Dieser Plan wird ein auf drei bis vier Jahre befristetes Baurecht vorsehen, das nach Ablauf dieser Zeit automatisch erlischt. So ist sichergestellt, dass Büro- und Werkzeugcontainer, die während der Bohrphase benötigt werden, danach wieder verschwinden und die Versiegelung der Fläche, die für die Arbeiten unerlässlich ist, ebenfalls rückgängig gemacht wird. Am Ende sollen nur jene baulichen Anlagen dort verbleiben, die für die Wasserförderung unerlässlich sind, etwa eine Einhausung des Wärmetauschers.

Mit der Einrichtung des Bohrplatzes war ursprünglich im März gerechnet worden. Wann genau sie beginnt, ist nicht bekannt. Doch rechnet der Gräfelfinger Bürgermeister damit, dass die Bohrarbeiten noch in diesem Jahr beginnen.

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