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Sogenannte Rüttel-Lkw werden ab Mitte März durch Gräfelfing, Martinsried und Neuried fahren. 

Seismische Messungen

Mit dem Rüttler durchs Würmtal

Würmtal - Auffällige orangene Kabel werden ab kommender Woche vielerorts im Würmtal liegen und hängen. In einem Monat wird dann die Erde beben. Damit kommt München der Geothermie wieder einen Schritt näher.

Jetzt wird es ernst. Die Stadtwerke München verfolgen ihre Geothermie-Pläne weiter. Die Anlage in Freiham ist fast fertig. Doch damit nicht genug: Zwischen 14. und 31. März wird im Würmtal die Erde beben, wenn Rüttellaster durch Neuried, Martinsried und Gräfelfing rollen, um neue mögliche Standorte auszukundschaften. Dafür laufen bereits ab kommenden Montag, 15. Februar, die Vorbereitungen. Diese werden zwar leise sein, aber den Anwohnern ebenfalls nicht verborgen bleiben. In den betroffenen Orten werden auffällige orangefarbene Kabel und so genannte Geophone verlegt.

Die Stadtwerke München (SWM) verfolgen, wie berichtet, das ambitionierte Ziel ihre Fernwärme ab 2040 ausschließlich aus erneuerbaren Energie zu gewinnen. Um herauszufinden, wo die Geothermie am besten zum Einsatz kommt, braucht es seismische Messungen. Dafür rütteln Spezialfahrzeuge auch am Würmtaler Boden, und dafür müssen ab Montag bereits Kabel und so genannte Geophone verlegt werden. „Die Kabel verlaufen in einem Abstand von rund 500 Metern auf vorher genau vermessenen Trassen“, erklärt ein Pressesprecher der Stadtwerke. Das Verlegen einer solchen Kabellinie dauere ein bis zwei Tage. Die orangenen Kabel werden entlang von Straßen und Gehwegen verlegt. „Wenn Grünstreifen vorhanden sind, bevorzugt dort. Wir versuchen auch bei der Kabelauslage Behinderungen für die Passanten zu minimieren“, so der Pressesprecher.

Die Stadtwerke wollen noch dieses Jahr die Geothermieanlage in Freiham in Betrieb nehmen. Davon hat das Würmtal allerdings nichts. „Für die Nutzung von Fernwärme ist ein Anschluss an das Fernwärmenetz notwendig. Für die Gemeinden Gräfelfing oder Planegg besteht kein Anschluss an das Netz der SWM“, erklärt der Pressesprecher. Als nächster Standort für eine Geothermieanlage der Stadtwerke habe sich bereits das Gelände des Heizkraftwerks Süd an der Schäftlarnstraße in München herauskristallisiert. Bis die Daten der aktuellen 3D-Seismik ausgewertet seien, werde es aber noch eine geraume Zeit dauern, so der Sprecher.

Zu welchem Standort die aktuellen Messungen im Würmtal führen, steht noch nicht fest. Doch dies ist sicher: „Die Anwohner entlang der Messrouten der Vibro-Fahrzeuge erhalten zwei bis drei Tage vor den Messungen einen Info-Flyer“, versichert der Pressesprecher. Und die Rüttellaster werden jede Messstraße nur einmal befahren. In unmittelbarer Nähe der Fahrzeuge, seien Schwingungen zu spüren. Diese seien mit einer vorbeifahrenden Straßenbahn vergleichbar. Wie eine kleine Wanderbaustelle zögen die Rüttel-Lkw in wenigen Minuten vorbei.

Victoria Strachwitz

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