Evi Grundl (re.) und ihre Mitarbeiterin Heike Reinhold
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Geschäftsfrau Evi Grundl (re.) und ihre Mitarbeiterin Heike Reinhold freuten sich in dem Gräfelfinger Modehaus in dieser Woche über einen Kundenansturm. Die Regelungen ab Samstag sieht Evi Grundl gelassen.

Inzidenzen schwanken

Geschäfte in der Corona-Achterbahn

  • Peter Seybold
    vonPeter Seybold
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Seit Montag hatten fast alle Würmtaler Läden wieder offen. Der Betrieb lief langsam an. Im Landkreis München ist am Samstag aber bereits wieder Schluss: Aufgrund gestiegener Inzidenzwerte geht dann nur Einkaufen mit Termin. Im Landkreis Starnberg dürfen die Geschäfte dagegen weiter öffnen. Das sorgt gerade im Würmtal für eine Kuriosität.

Würmtal – Nun steht es fest: Weil am Donnerstag die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis München den Schwellenwert von 50 Fällen innerhalb von sieben Tagen pro 100 000 Einwohner zum dritten Mal in Folge überschritten hat, sind ab Samstag wieder strengere Auflagen für den Einzelhandel, den Besuch von kulturellen Einrichtungen sowie sportliche Aktivitäten in Kraft.

Wenige Meter weiter dürfen die Läden öffnen

Das gilt für den Landkreis München, somit auch für Planegg. Wenige Meter weiter, in der Nachbargemeinde Krailling, die mit Planegg verwachsen ist, dürfen die Läden weiter öffnen – weil Krailling zum Landkreis Starnberg gehört, dessen Inzidenzzahl in dieser Woche unter 50 blieb.

„Schon einige Leute“ haben seit Montag das Planegger Modegeschäft für Streets- und Sportswear „Halleluja“ besucht, berichtet Inhaber Jens Toepel. Die Kunden hätten aber für die ersten Tage nach der Schließungsphase teils besondere Vorstellungen gehabt: „Nämlich, dass wir gleich die neuesten Kollektionen da haben, besondere Sachen, die man online nicht findet – und das mit hohen Rabatten“, berichtet Toepel. Da ab Samstag Kunden nur mit Termin in das Geschäft dürfen, versucht Toepel, das Problem so zu lösen, dass er auch sehr kurzfristig Termine vergibt.

Händler bleiben auf Ware sitzen

Ein großes Problem sei die viele bereits lange vorher georderte Herbst- und Winterware, die Jens Toepel nicht zurückgeben kann. Die Ausnahmesituation sei für das Hallelujah daher „wirtschaftlich eine Katastrophe. Das Gesamtkonzept der Politik ist sehr mangelhaft. Die großen Konzerne bekommen schnell Milliarden, die Kleinen nichts“, sagt Toepel, der erst für Juni mit den ersten staatlichen Hilfen rechnet. Der langjährige Geschäftsmann ist für den Sommer und Herbst dennoch optimistisch, dass sich die Lage langsam bessert und der Jahres-Verlust sich doch noch in Grenzen hält.

Viele Kunden noch nicht informiert?

„Durchschnittlich, nicht viel anders als vorher“ ist der Betrieb im Planegger Interieur-Geschäft von Stefanie Ludwig wieder angelaufen. Die Kunden hätten nach der langen Schließungszeit aber auch nicht das Geschäft „gestürmt, wie man es vielleicht hätte erwarten können“, erzählt Ludwig – was ihrer Meinung nach auch daran liegt, dass viele über die Öffnungen im Landkreis München noch nicht informiert waren. Ludwig und ihr Team erstellen komplette Einrichtungskonzepte für Privathaushalte oder zum Beispiel auch Arztpraxen. Diese Projekte seien meist weiter gelaufen, wodurch der Laden recht gut durch die Ausnahmezeit komme. Entsprechende Anschaffungen hätten die meisten nur verschoben, nicht aufgehoben. „Man ist zurzeit viel zu Hause. Das Zuhause wird daher wichtiger – und das ist gut für unsere Branche“, sagt Ludwig. Auch die neuen Regelungen mit Terminvergabe könne das Interieur-Geschäft daher gut handhaben.

„Die Kunden waren superglücklich“

„Überrollt“ von dem Kundenansturm wurde das Gräfelfinger Modehaus von Evi Grundl seit Montag. „Die Kunden waren superglücklich, wieder zu uns gehen zu können und die Ware anschauen zu können“, berichtet Evi Grundl. Besonders gut gehe „alles mit Farbe“, dazu aktuelle Saisonkollektionen. Auch die bald verschärften Regeln fürchtet Grundl nicht zu sehr. „Diese werden uns nicht schaden. Die meisten sind ohnehin Stammkunden und in unserer Kartei registriert. Wir lassen auch jetzt nur fünf Kunden gleichzeitig rein“, sagt Grundl.

In den drei Monaten Schließungszeit dekorierte das Team der Boutique praktisch jeden Tag eines der sechs Schaufenster neu, damit für die flanierenden Gräfelfinger stets etwas Neues zu sehen war. Auch für die kommende Herbst- und Wintersaison hat Grundl nach einiger Überlegung fast wie immer bestellt.

Regelmäßig Nachrichten verfolgen

Keine Informationen, ob in nächster Zeit die Regeln für ihre Branche geändert werden, hat im Moment die Gräfelfinger Buchhandlung Kohler. Die Mitarbeiter verfolgen daher regelmäßig die Nachrichten. Filialleiter Florian Rügemer hat aber keine ganz große Angst vor erneuten Verschärfungen. „Notfalls kehren wir zu unserem in der Schließungszeit erprobten System mit nur Bücherabholung und -lieferung zurück, das ganz gut lief, auch wenn wir natürlich nicht unser normales Volumen hatten.“

Die Buchhandlung sei bisher durch die Ausnahmesituation „ganz gut durch gekommen“. Das liegt nach Rügemers Ansicht wohl daran, dass man sich über Bücher auch gut von zu Hause aus informieren kann und Lesen eine beliebte Beschäftigung während eines Lockdowns ist.

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