Handschlag unter neuen Kollegen (v.li.): Peter Streitle (Eon-Regionalleiter), Geschäftsführer Thomas Leineweber (Gemeinde Gräfelfing), Geschäftsführer Karl Krapf (Eon) und Bürgermeister Christoph Göbel stellten die Gemeindewerke Gräfelfing vor. foto: js

Gräfelfing betreibt Energiepolitik in neuer Dimension

Gräfelfing - Zum 1. Januar 2013 gründete sie gemeinsam mit Eon Bayern die neuen Gemeindewerke Gräfelfing. Damit ist Gräfelfing die erste Würmtal-Gemeinde, die ihr Stromnetz in Besitz genommen hat.

„Wir wollten keinen Papiertiger und waren auch nicht auf eine günstige Geldanlage aus: Unser Ziel war und ist es, die Energievision in die Infrastruktur zu übersetzen.“ Als die Gemeinde und Eon ihr gemeinsames Unternehmen am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz vorstellten, ließ Bürgermeister Christoph Göbel keinen Zweifel an der Motivation und der Entschlossenheit der Kommune. Noch in diesem Jahr wollen die Gemeindewerke Gräfelfing (GWG) schwarze Zahlen schreiben: Geld, das direkt in die Energiewende vor Ort fließen soll.

2009 war der Konzessionsvertrag für das Stromnetz zwischen Eon und der Gemeinde ausgelaufen. Ein Zeitpunkt, den die Kommune qua Gesetz dazu nutzen durfte, das Netz selbst zu übernehmen. Das tat sie nun mehrheitlich: Nach harten, aber fairen Verhandlungen, wie gestern beide Parteien betonten, einigte man sich auf folgendes Vorgehen: Die Gemeinde und Eon gründen die Gemeindewerke Gräfelfing. Eon bringt das Stromnetz in die Gesellschaft ein, an der Gräfelfing 51 Prozent erwirbt und dafür 2,64 Millionen Euro bezahlt. Die GWG verpachten das Stromnetz umgehend an Eon zurück. Der Pachtertrag, eine hohe sechsstellige Summe pro Jahr, fließt in die Gesellschaft und kann dazu verwendet werden, die Energie-Infrastruktur am Ort zukunftsfest auszubauen.

Dieses Konstrukt fand im Gemeinderat eine breite Unterstützung. Man sei „mehr denn je überzeugt, den richtigen Weg zu gehen“, sagte der Bürgermeister - dies auch im Hinblick auf das parallel von Planegg, Krailling, Gauting und den Stadtwerken München gegründete Regionalwerk Würmtal, das sich derzeit auf Stromverkauf beschränkt. Göbel: „Stromvertrieb haben wir überhaupt nicht vor. Die Verbraucher finden einen gesättigten Markt vor, der von reinstem Ökostrom bis zu preiswertem Atomstrom alles bietet.“ Stattdessen wolle die Kommune die Erlöse beispielsweise dafür verwenden, das Stromnetz intelligent auszubauen („smart grid“) und ein geothermie-gespeistes Fernwärmenetz einzurichten. Auch der Bau und Betrieb von ökologisch wertvollen Wärme- und Stromerzeugungsanlagen und Maßnahmen zur Stromspeicherung seien in Zukunft denkbar.

Eon-Bereichsleiter Peter Streitle zeigte sich mit der neuen „Partnerschaft auf Augenhöhe“ ebenfalls zufrieden. Ähnliche Kooperationen mit Kommunen wie Ismaning, Germering, Putzbrunn, Eichenau, Gröbenzell und Puchheim hätten gezeigt, dass dieses Modell funktioniere. Streitle: „Dies wird ein zukunftsfähiges, wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen, das ein wesentliches Element einer umweltfreundlichen Energieversorgung in Gräfelfing darstellen wird.“

Die GWG erhält zwei Geschäftsführer: Thomas Leineweber (Ressortleiter Energie, Umwelt, Abfall der Gemeinde Gräfelfing) und Karl Krapf (Eon Bayern). Chef des Aufsichtsrates ist Gräfelfings 1. Bürgermeister.

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